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Das Messianische Zeitalter
Nach Dr. Moritz Zobel s.A., Herausgeber des hebräisch- philosophischen Wörterbuches

Rabbi Kattina, ein Amoräer, der im 3. Jh. in Sura am Euphrat lehrte, sagte: „Sechstausend Jahre lang wird die Welt bestehen, und ein Jahrtausend wird sie ruhen, denn es heißt (Jesaja 2,17): Und erhaben wird der HErr allein an jenem Tage sein“, weil in diesem Jahrtausend das Böse zerstört sein wird, so daß der HErr dann ruhen wird. In Übereinstimmung mit Kattina wird gelehrt: Gleichwie in jedem Jahrsiebent das siebente Jahr ein Erlaßjahr ist, so wird auch die Welt einmal in siebentausend Jahren ein Jahrtausend lang rasten, was in Psalm 90,4 anklingt, in dem für einen Tag alles zum Stillstand kommt, denn „tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag“, worauf Petrus (2.Petrus 3,9) Bezug nimmt: „Ein Tag beim HErrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“.

In den Kreisen der Gesetzeslehrer der Schule Elijahus lehrte man: Sechstausend Jahre zählt die Welt: zweitausend Jahre Wirrnis, zweitausend Jahre Weisung, zweitausend Jahre messianisches Zeitalter. Das siebentausendste Jahr ist das Ruhejahr. Die ersten zweitausend Jahre der Wirrnis beginnen mit der Schöpfung, beinhalten die Sintflut, den Turmbau zu Babel bis hin zu Abraham. Die zweiten zweitausend Jahre der Weisung sind die Zeit der Gesetzgebung, des Tempeldienstes und der Propheten, bis hin zur Zerstörung Jerusalems. Die dritten zweitausend Jahre, die Jahre, in denen das jüdische Volk in die Verbannung (Galuth) mußte, nennen die Rabbiner „messianische Zeit“. Das erstaunt! Ist aber ganz paulinisch, denn Paulus schreibt an die Römer (Kapitel 9-11), daß Gott die Juden nicht verstößt, wohl aber für eine begrenzte Zeit aus dem messianischen Heilsgeschehen ausschaltet, damit auch den Nichtjuden das Heil zuteil wird. So sind diese zweitausend Jahre für die Nichtjuden die messianische Zeit, die mit der Bekehrung Israels abschließt. Wie lange soll nun aber die messianische Zeit für das jüdische Volk dauern? Rabbi Elieser sagt: Das Zeitalter des Messias wird vierzig Jahre dauern, denn Er erfreut uns gleich den Tagen, die Er uns leiden ließ, den Jahren, da wir Schlimmes erfuhren - das waren vierzig Jahre in der Wüste. Andere lehren, daß die Zeit des Messias für das jüdische Volk vierhundert Jahre dauern wird, weil der HErr sie 400 Jahre im Sklavenhaus in Ägypten leiden ließ, wie es heißt in 1.Mose 15,13: „Sie werden als Sklaven dienen müssen, und man wird sie vierhundert Jahre bedrücken.“ Aktuell betrachtet müßte nach dieser Formel für das jüdische Volk die messianische Zeit zweitausend Jahre betragen, was der anfänglichen Zeitaufteilung gerecht wird und in den Sabbatsegen einfließt, in dem es heißt, daß wir „Anteil haben an Seiner Ruhe“, an der Ruhe Gottes im Friedensreich.

Rabbiner Awime, ein Amoräer des 4. Jh., der in Cäsarea lebte und den frühen Kirchenvätern bekannt war, lehrte: Die messianische Zeit wird für Israel siebentausend Jahre währen, denn es heißt (Jesaja 62,5): „Gleich der Freude des Bräutigams an der Braut wird dein Gott sich über dich freuen“, denn die vorschriftsmäßige Hochzeitsfeier dauert damals und auch heute noch in religiösen Familien sieben Tage, bekannt als „Schewa Brachot“ - auch hier gilt ein Tag wie tausend Jahre.
Daher lehrt auch Rabbi Jehuda bar Jecheskiel, ein babylonischer Amoräer des 3. Jhs.: Die Dauer der messianischen Zeit ist gleich dem Zeitraum, der sich vom Tage der Erschaffung der Welt bis zur Gegenwart erstreckt. Rabbi Nachman bar Jizchak, ein babylonischer Amoräer des 4. Jhs. meint dagegen, daß die messianische Zeit erst mit der Arche Noah und dem damit verbundenen ersten Bund Gottes mit den Menschen begann. Hieraus erkennen wir, daß die messianische Zeit im Grunde allezeit da existiert, wo sich Menschen ihr öffnen und einen Bund mit Gott eingehen.

Zu allen Zeiten warnten Rabbiner davor, den Zeitpunkt der messianischen Zeit zu berechnen, denn die messianische Zeit ist immer - ist immer heute. So lehrte Rabbi Schmuel Nachmani, ein Amoräer, der im 3.Jh. in Tiberias lehrte: Verhauchen möge der Geist derer, die die Endzeiten berechnen wollten und die dann sagten: Da die Endzeit erreicht ist, ohne daß der Messias erschien, so wird er nicht mehr kommen. Vielmehr sollt ihr ihn stets erwarten! Solltest du etwa denken: wir harren wohl, aber Gott harrt nicht, so belehrt dich die Schrift (Jesaja 30,18): „Darum verlangt der HErr danach, euch zu begnaden, und darum erhebt er sich, euch Erbarmen zu erweisen.“

Da nun wir ebenso harren wie Gott, wer hemmt dann die Erlösung? Das strenge göttliche Gericht, Seine Eigenschaft des Rechts. Da Israels Sündhaftigkeit die baldige Verwirklichung der messianischen Offenbarung, die Erlösung hemmt, weshalb harren wir denn? Um Lohn zu empfangen, wie es heißt: „Denn ein Gott des Rechts ist der HErr, Heil denen, die auf ihn harren!“, die in unbeirrbarer, gläubiger Zuversicht der schließlichen Erlösung entgegensehen.

Gerade im Hinblick auf das Jahr 2000 kursieren unter Christen viele Spekulationen und Endzeitberechnungen. Fast niemand ist völlig frei davon. Auch hier sollte die rabbinische Regel beherzigt werden, die da besagt, daß man jeden Tag so Gott wohlgefällig leben soll, daß der Messias kommen kann, wann er will, ohne uns zu überraschen. Das heißt wahres Bereitsein!

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