Die biblische Epoche (ca. 3000 v.d.Z.- 538 v.d.Z.). Die jüdische Geschichte beginnt in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends v.d.Z. mit Abraham, seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob. Eine sich im Land ausbreitende Hungersnot zwang Jakob und seine Söhne - die Vorfahren der 12 Stämme Israels - nach Ägypten auszuwandern, wo ihre Nachkommen versklavt wurden. Mose führte sein Volk einige Jahrhunderte später aus Ägypten heraus in das Land Israel zurück - aus der Knechtschaft in die Freiheit. 40 Jahre lang wanderten sie durch die Wüste Sinai, wurden zu einer Nation zusammen geschweisst und empfingen die Zehn Gebote und das Gesetz Mose, das dem monotheistischen Glauben ihrer patriarchalischen Vorfahren Form und Inhalt verlieh.
Unter der Führung von Josua eroberten und besiedelten die israelitischen Stämme das Land und schlossen sich vornehmlich in Zeiten äusserer Bedrohung unter Führern zusammen, die als die Richter bekannt sind. In Sauls Zeiten (um 1020 v.d.Z.) wurde eine Monarchie errichtet, sein Nachfolger David vereinte die Stämme und machte Jerusalem zur Hauptstadt des Landes (ca. 1000 v.d.Z.). Davids Sohn Salomo machte das Königreich zu einem wirtschaftlich mächtigen Land und errichtete in Jerusalem den Tempel für den Gott Israels. Archäologische Funde zeugen von wichtigen städtischen Handelszentren, zu denen die Städte Chazor, Megiddo und Geser gehören, die in der Regierungszeit Salomos gegründet wurden. Nach seinem Tod spaltete sich das Land in zwei Königreiche - Israel (Hauptstadt: Samaria) und Juda (Hauptstadt: Jerusalem) - die während der folgenden zwei Jahrhunderte nebeneinander existierten, regiert von jüdischen Königen und von den Propheten zu sozialer Gerechtigkeit und Einhaltung der Gesetze angehalten.
Die Assyrer fielen 722 v.d.Z. in das Königreich Israel ein, und sein Volk wurde zerstreut (die zehn verlorenen Stämme). Juda wurde von den Babyloniern 586 v.d.Z. erobert, die den Tempel in Jerusalem zerstörten und den grössten Teil der jüdischen Bevölkerung nach Babylon ins Exil trieben.
Die Zeiten jüdischer Selbstverwaltung (538 v.d.Z.-60 v.d.Z.). Nach der Eroberung des babylonischen Reiches durch die Perser 538 v.d.Z. kehrten viele Juden nach Juda zurück, der Tempel in Jerusalem wurde neu erbaut und das jüdische Leben im Lande wiederhergestellt. In den folgenden vier Jahrhunderten erfreuten sich die Juden eines hohen Masses an Autonomie unter persischer und hellenistischer Vorherrschaft. Spätere Massnahmen der herrschenden Seleukiden zur Unterdrückung jüdischer Religion und jüdischer Bräuche führten schliesslich zum Makkabäer (Hasmonäer-) Aufstand (166 v.d.Z.). Ihm folgte die Errichtung eines unabhängigen jüdischen Königreichs unter jüdischen Königen der Hasmonäer-Dynastie, die ungefähr 80 Jahre Bestand hatte.
Fremdherrschaft (60 v.d.Z.-1948). Nach 60 v.d.Z. geriet das von politischen Streitigkeiten geschwächte Land zunehmend unter römische Herrschaft. Ein Versuch, sich vom römischen Joch zu befreien, führte zu einer Reihe jüdischer Aufstände, die ihren Höhepunkt in der Revolte von 66 n.d.Z. erreichten. Nach vier Jahren immer wieder auflebender Kampfhandlungen fiel Judäa (Juda), der Zweite Tempel wurde bis auf die Grundmauern niedergebrannt, und viele Juden wurden des Landes verwiesen (70 n.d.Z.). Ein letzter Widerstand gegen die Römer von etwa 1.000 Juden, der 73 n.d.Z. in der Bergfestung Masada mit dem Massenselbstmord der Verteidiger endete, wurde zum Symbol der Freiheit des jüdischen Volkes im eigenen Land.
Unter römischer (70-313) und byzantinischer (313-636) Hegemonie erhielt die jüdische Bevölkerung des Landes ihre Institutionen auf den Gebieten des Rechts, der Erziehung und der Kultur aufrecht und setzte deren Entwicklung weiter fort. Die sich mit allen Aspekten des Lebens befassende jüdische Gesetzgebung wurde in der Mischna (2. Jahrhundert) kodifiziert und im Talmud (3.-5. Jahrhundert) ausführlich erläutert. Diese Gesetze, von denen einige in späteren Zeiten den veränderten Voraussetzungen angepasst wurden, sind noch heute für gläubige Juden verbindlich.
Ein weiterer Versuch der Juden, ihre nationale Souveränität zurückzugewinnen (Bar-Kochba-Aufstand, 132 n.d.Z.), führte zur Errichtung einer unabhängigen jüdischen Enklave in Judäa mit Jerusalem als Hauptstadt. Drei Jahre später schlugen die Römer Bar-Kochba nieder und änderten den Namen Jerusalems in Aelio Copitolino und den des Landes in Palästina, um dadurch die jüdische Verbindung mit dem Land zu beseitigen.
Seit dem 7. Jahrhundert wurde das Land nacheinander von Arabern (636-1091), Seldschuken (1091-1099), Kreuzrittern (1099-1291), Mamelucken (1291-1516), osmanischen Türken (1517-1917) und Briten (19181948) beherrscht. Die Grenzen wurden Veränderungen unterzogen und der Name des Landes nach der Laune des jeweiligen Herrschers geändert. Viele Bauten, die von den verschiedenen Eroberern des Landes errichtet wurden, geben Zeugnis von ihrer Anwesenheit im Lande.
Die jüdische Bevölkerung verringerte sich zwar während der Jahrhunderte fremder Besatzung, doch Juden blieben die ganze Zeit über im Lande, und ihre Zahl wurde von Zeit zu Zeit verstärkt durch Juden, die in ihre nationale Heimstätte aus Ländern zurückkehrten, in die sie zerstreut worden waren - ein Rinnsal zuerst, das Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Strom wurde.
Die Sehnsucht, eines Tages nach Zion zurückzukehren, dem traditionellen Synonym für Jerusalem und für das Land Israel, stand über viele Jahrhunderte ständig im Mittelpunkt jüdischen Lebens und Denkens in der Diaspora. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Zionismus zu einer nationalen Bewegung als Reaktion auf die anhaltende Unterdrückung und Verfolgung der Juden in Osteuropa und der wachsenden Ernüchterung über formale Gleichstellung in Westeuropa, die weder zu einer Beendigung der Diskriminierung noch zur Integrierung der Juden in die Gesellschaft der Länder geführt hatte, in denen sie lebten. Auf dem Ersten Zionistischen Kongress, 1897 von Theodor Herzl in Basel in der Schweiz einberufen, wurde die Zionistische Bewegung als politische Organisation begründet mit der Forderung nach der Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel und Wiederbelebung seines nationalen Lebens im Land seiner Väter.
Von der Ideologie des Zionismus erfüllt, begann der Zustrom Tausender Juden in den zu dieser Zeit spärlich bevölkerten und vernachlässigten Teil des Reiches. Diese frühen Pioniere legten Sumpfland trocken, machten Ödland urbar, forsteten die kahlen Hänge auf, gründeten Industrien und errichteten Städte und Dörfer. Sie entwickelten kommunale Dienstleistungen und Einrichtungen, und die hebräische Sprache, lange Zeit auf Liturgie und Literatur beschränkt, erwachte als Sprache des täglichen Gebrauchs zu neuem Leben.
1897 berief Theodor Herzl den ersten zionistischen Kongress ein, um der Welt zu zeigen, "was Zionismus ist, und was er will." Der Kongress sollte auch alle Zionisten in einer Bewegung vereinen - was den Anhängern eines jüdischen Nationalismus bis zu diesem Zeitpunkt unerreichbar schien. Die zionistischen Kongresse erfüllten diese Funktion auch in den Jahren 1935 bis 1946, als sich die Revisionisten abgespalten hatten, und wurden zur höchsten Instanz der Zionistischen Bewegung.
Am Anfang (1897 - 1901) wurde jährlich ein Kongress einberufen, danach (1903 - 1913 und 1921 - 1939) alle zwei Jahre. Seit dem Zweiten Weltkrieg werden die Zionistischen Kongresse in unregelmässigen Abständen abgehalten. Gemäss der Verfassung der Zionistischen Weltorganisation (WZO) aus dem Jahr 1960 soll der Zionistische Kongress alle vier Jahre zusammentreten. Er kann jedoch vom Allgemeinen Zionistischen Komitee aufgrund besonderer oder aussergewöhnlicher Umstände verschoben werden. Seit der Gründung des Staates Israel fanden alle zionistischen Kongresse in Jerusalem statt.
Eine Untersuchung der Geschichte der zionistischen Kongresse zeigt die ideologischen Probleme, mit denen sich die Bewegung konfrontiert sah, im Besonderen die Auseinandersetzungen um die Verwirklichung einer jüdischen nationalen Heimstätte. Nach der Gründung des Staates Israel spiegelten die zionistischen Kongresse die Bemühungen innerhalb der zionistischen Organisation, eine neue Rolle zu finden. In den Protokollen dominieren - vor allem seit 1971 - die Probleme der inneren Struktur, Demokratie und Ideologie.
Der Erste Zionistische Kongress, Basel 1897
Der erste zionistische Kongress sollte ursprünglich in München stattfinden. Aufgrund des beträchtlichen Widerstandes der Münchner Jüdischen Gemeinde - sowohl der Orthodoxie als auch der Reformer - wurde entschieden, den Kongress nach Basel zu verlegen.
Theodor Herzl fungierte als Vorsitzender des Kongresses, an dem ungefähr 200 Delegierte teilnahmen. Das wichtigste Ergebnis dieses Kongresses war die Formulierung des Basler Programms, der Zionistischen Grundsatzerklärung. Das Basler Programm legte den Grundstein für die Zionistische Weltorganisation.
Es erklärte:
„Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen."
Dies gab Herzls politischen Zionismus deutlichen Ausdruck, im Gegensatz zu den siedlungsorientierten Aktivitäten der loser organisierten Chibbat Zion Bewegung. Herzl wurde zum Präsidenten der Zionistischen Organisation gewählt. Ausserdem wurden ein internes Aktionskomitee und ein grösseres Aktionskomitee für die Geschäftsführung zwischen den Kongressen gegründet.
Herzl schrieb in sein Tagebuch:
„Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen - das ich mich hüten werde, öffentlich auszusprechen - so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet."
Der Zweite Zionistische Kongress, Basel 1898
Da sich verschiedene jüdische Führer dem Zionismus widersetzten, rief Herzl während des zweiten Kongresses zur "Eroberung der Gemeinden" auf. Er forderte damit im Prinzip, die Zionistische Bewegung solle sich nicht nur auf die politische Aktivitäten für Palästina, sondern auch auf die Arbeit innerhalb der Jüdischen Gemeinden konzentrieren. Der Kongress legte auch den Grundstein für einen Jewish National Trust, einer finanziellen Körperschaft zur Erschliessung Palästinas. Zum ersten Mal trat auch eine Gruppe von Sozialisten in Erscheinung, die ihre Repräsentanz innerhalb der zionistischen Führung forderten.
Der Dritte Zionistische Kongress, Basel 1899
Herzl eröffnete den dritten Kongress mit einem Bericht über seine Zusammentreffen mit Kaiser Wilhelm II in Konstantinopel und Jerusalem. Obwohl diese Treffen keinerlei praktische Ergebnisse brachten, waren sie doch von grosser symbolischer Bedeutung.
Der Kongress diskutierte in einem Grossteil seiner Zeit die politischen Dimensionen des Zionismus, die von den eher praktisch orientierten Befürwortern der Siedlungsbestrebungen geleugnet wurden. In einer Debatte über den Jewish National Trust wurde beschlossen, dass dessen Gelder nur in Palästina oder Syrien verwendet werden sollten.
Während viele Delegierte die "kulturelle Frage", d. h. die zionistische Version einer nationalen bzw. ethnischen jüdischen Identität, mit Besorgnis in den Vordergrund stellten, beschäftigte sich Herzl mit den aktuellen politischen Angelegenheiten. Einige Historiker sind der Meinung, Herzl sei an der "kulturellen Frage" zwar interessiert gewesen, habe aber befürchtet, sie könne die junge Zionistische Bewegung spalten.
Der Vierte Zionistische Kongress, London 1900
Dieser Kongress fand deshalb in London statt, um die öffentliche Meinung in Grossbritannien positiv in Bezug auf die zionistische Idee zu beeinflussen. Der Kongress traf sich in einer Zeit der zunehmenden Besorgnis über die rumänischen Juden, von denen tausende zur Ausreise gezwungen worden waren und deren Gemeinde in Rumänien verfolgt wurde. Obwohl diese Ereignisse die Notwendigkeit einer Verfassung für die Zionistische Bewegung deutlich machte, konnte Herzl diesen Juden keinen wirklichen Beistand leisten.
Was die "kulturelle Frage" betraf, so forderten die Religiösen Zionisten unter Rabbiner Isaak Jakob Reines, die Zionistische Bewegung solle sich auf die politischen Angelegenheiten beschränken. Der Kongress diskutierte auch die Probleme der jüdischen Arbeiter in Palästina und die Frage einer nationalen jüdischen Sportbewegung.
Der Fünfte Zionistische Kongress, Basel 1901
Herzl berichtete den Delegierten des fünften Kongresses von seinem Treffen mit dem türkischen Sultan Abdul Hamid II und den Fortschritten des Jewish National Trust. Vor allem die Delegierten, die sich der kürzlich entstandenen Demokratischen Fraktion verbunden fühlten, waren mit den erzielten Erfolgen nicht zufrieden. Diese Gruppe unter der Leitung von Leo Motzkin, Martin Buber und Chaim Weizmann rief die Zionistische Bewegung auf, ein Programm für hebräische Kultur und mehr Demokratie in die Organisation einzuführen.
Ein konkreter Erfolg des Kongresses war die Gründung des Jüdischen Nationalfonds (JNF), der die finanziellen Mittel für den Landkauf in Palästina aufbringen sollte.
Der Sechste Zionistische Kongress, Basel 1903
Der fünfte Kongress hatte eine Resolution angenommen, nach der die Zionistischen Kongresse nunmehr alle zwei Jahre stattfinden sollten.
In seiner Eröffnungsrede detaillierte Herzl die Bemühungen um eine Verfassung für die Zionistische Bewegung. Je mehr sich, besonders nach den Pogromen in Kischinew, die Lage der Juden verschlechterte, umso verzweifelter wurden die Anstrengungen. Dies führte zu einer Reihe temporärer Lösungsvorschläge wie das "El Arisch" Projekt, worüber mit den britischen Staatsmännern Joseph Chamberlain und Lord Landsdowne verhandelt wurde.
Nach dem Scheitern des "El Arisch" Planes offerierten die Briten Herzl die Möglichkeit einer autonomen jüdischen Ansiedlung in Ostafrika, die als "Uganda - Plan" in die Geschichte einging. Herzl bat den Kongress, den "Uganda - Plan" ernsthaft zu überdenken, obwohl er selbst zugab, dass Uganda Palästina als Heimstätte nicht ersetzen könne. In der anschliessenden lebhaften Debatte argumentierte Max Nordau, Herzl engster Vertrauter, Uganda sei ein "Nachtbunker". Trotz einer bedeutenden Opposition, und nachdem die russischen Zionisten demonstrativ den Saal verlassen hatten, stimmten 295 Delegierte für und 178 gegen die Entsendung eines Komitees, das die Möglichkeit einer jüdischen Ansiedlung in Ostafrika prüfen sollte. 98 Delegierte enthielten sich der Stimme.
Während dieses Kongresses wurde auch ein Bericht Franz Oppenheimers beraten, der die Möglichkeit kooperativer Siedlungen in Palästina vorschlug. Sein Programm beeinflusste wenige Jahre später die Gründung einiger solcher Siedlungen.
Der sechste Kongress sollte Herzls letzter sein. Er starb 1904 im Alter von nur 44 Jahren in Edlach bei Wien.
Der Siebente Zionistische Kongress, Basel 1905
Max Nordau eröffnete diesen Kongress mit einem Nachruf auf Theodor Herzl.
Anschliessend wurde die Debatte über eine Ansiedlung ausserhalb Palästinas wieder aufgenommen. Der Kongress hörte den Bericht der Kommission, die nach Ostafrika entsandt worden war, und Uganda als ungeeignet für eine jüdische Besiedlung befunden hatte. Danach stimmten die Delegierten gegen eine nationale jüdische Heimstätte ausserhalb Palästinas und der unmittelbaren Umgebung. Die Territorialisten angeführt von Israel Zangwil verliessen unter Protest den Kongress und gründeten die Jüdische Territoriale Vereinigung.
Der Kongress diskutierte auch die praktische Arbeit in Palästina, die Unterstützung landwirtschaftlicher Siedlungen und industrieller Aktivitäten. Obwohl Max Nordau allgemein als der natürliche Nachfolger Herzls als Präsident der Zionistischen Organisation betrachtet wurde, nahm er diese Position nicht an. David Wolffsohn wurde der nächste Präsident der Zionistischen Organisation. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation übersiedelte daraufhin von Wien nach Köln.
Der Achte Zionistische Kongress, Den Haag 1907
Dieser Kongress fand deshalb in Den Haag statt, da dort gleichzeitig die Zweite Internationale Friedenskonferenz abgehalten wurde.
Die wichtigste Debatte drehte sich um die widersprüchlichen Ansätze der Praktischen und Politischen Zionisten. Die Politischen Zionisten forderten, dass vor der praktischen Arbeit in Palästina eine Verfassung aufgestellt werden sollte, während die Praktischen Zionisten argumentierten, ohne beträchtliche Ansiedlung würde kaum Hoffnung bestehen, dass die Grossmächte eine solche Verfassung bestätigten.
Tatsächlich unterstützte die Zionistische Bewegung bereits eine Reihe praktischer Unternehmungen und gründete unter dem Vorsitz von Arthur Ruppin auch eine palästinensische Zweigstelle der WZO. Jedoch würde eine Synthese beider Richtungen notwendig werden. Chaim Weizmann war ihr wichtigster Befürworter.
Der Neunte Zionistische Kongress, Hamburg 1909
Auf diesem Kongress gaben Max Nordau und David Wolffsohn ihrer Hoffnung Ausdruck, dass den zionistischen Bemühungen nach dem Aufstand der Jungtürken mehr Erfolg beschieden sein mäge.
Auch diesmal waren die Delegierten unterschiedlicher Auffassung über die Ausführung des zionistischen Programms. Die Praktischen Zionisten warfen Wolffsohn vor, sich auf die politische Arbeit und seine Exekutive zu beschränken und Projekte nur nach ihrem wirtschaftlichen Wert zu beurteilen. Auch die zionistische Führung war gespalten: Menachem Ussishkin und Chaim Weizmann auf der einen Seite und Nachum Sokolow, der von Repräsentanten der Arbeiterbewegung in Palästina unterstützt wurde, auf der anderen.
Der Zehnte Zionistische Kongress, Basel 1911
Dieser Kongress wurde auch oft "Friedenskongress" genannt, da dort die Auseinandersetzungen zwischen den Praktischen und Politischen Zionisten durch eine Synthese beider Richtungen, die in Zukunft die Bewegung bestimmen sollte, beigelegt wurden.
Den Fragen der praktischen Arbeit in Palästina und der hebräischen Kultur wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Erstmals wurde der Kongress in hebräischer Sprache abgehalten. Schlomo Kaplansky schnitt das Problem der Beziehungen zwischen Zionisten und Arabern an. Otto Warburg, ein deutscher Jude, Wissenschaftler von hohem Rang und Praktischer Zionist, folgte David Wolffsohn als Präsident der Zionistischen Bewegung. Berlin wurde daraufhin Zentrale der Zionistischen Weltorganisation.
Der Elfte Zionistische Kongress, Wien 1913
Der Kongress behandelte vor allem die Ansiedlungen in Palästina und die Arbeit des Büros der WZO in Jaffa. Max Nordau, der sich gegen die Abweichung von Herzls Richtung ausgesprochen hatte, blieb dem Kongress fern. Weizmann und Ussishkin konnten sich die Unterstützung des Kongresses für die Gründung der Hebräischen Universität in Jerusalem sichern, die jedoch erst 12 Jahre später eröffnet werden sollte.
Der Zwölfte Zionistische Kongress, Karlsbad 1921
Dies war der erste Kongress, der nach dem Ersten Weltkrieg abgehalten wurde. Die zionistische Bewegung hatte die Unterstützung der Briten für die Bemühungen um die Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina gewonnen (Balfour Deklaration). Der Kongress verabschiedete Resolutionen, die die Entscheidung der Alliierten, Grossbritannien das Palästinamandat zu übertragen, begrüssten, und die Ratifizierung des Mandats durch den Völkerbund unterstützten.
Nach dem Kriegsende, der deutschen Niederlage und dem Erfolg der Londoner Zweigstelle der Zionistischen Bewegung, war klar, dass die dortige Führungsspitze eine Belohnung verdient hatte: Chaim Weizmann wurde Präsident der WZO, Nachum Sokolow Vorsitzender der Exekutive. Der Kongress diskutierte die Aktivitäten des Keren Hajessod, des Gründungsfonds, der ein Jahr zuvor in London gegründet worden war, und der in den Diasporagemeinden Mittel für den Aufbau Palästinas sammeln sollte.
Ein weiteres Thema beschäftigte sich mit den Beziehungen zwischen Juden und Arabern, die nach den arabischen Aufständen in Jerusalem (1920) und Jaffa (1921) an Bedeutung gewonnen hatten. Der Kongress nahm eine Resolution an, die besagte, der Zionismus beabsichtige "mit dem arabischen Volk in Eintracht und gegenseitiger Achtung zu leben", und er rief die Exekutive auf, "zu einer aufrichtigen Verständigung mit dem arabischen Volk zu gelangen."
Der Kongress reflektierte auch den zunehmenden Trend von Parteien und territorialen Abteilungen innerhalb der Zionistischen Bewegung. Die Exekutive trat von nun an in London und Jerusalem zusammen.
in Anerkennung der "historischen Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina - dem Land Israel" und "der Gründe für die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in jenem Land" hat der Völkerbund 1922 Grossbritannien das Mandat übertragen und es unter anderem damit beauftragt, "solche politischen, verwaltungstechnischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Land herzustellen, weiche die Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte gewährleisten"
Im selben Jahr errichtete Grossbritannien in drei Vierteln des ihm anvertrauten Gebiets das arabische Emirat Transjordanien (heute das Haschemitische Königreich Jordanien), wodurch nur das Gebiet westlich des Jordans zur Entwicklung der nationalen jüdischen Heimstätte verblieb. Extreme arabische Führer widersetzten sich der Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte selbst in diesem kleinen Gebiet und riefen zu Anschlägen gegen die jüdische Gemeinschaft sowie gegen Araber auf, die eine arabisch-jüdische Koexistenz befürworteten. Britische Versuche, die Araber durch die Einschränkung jüdischer Einwanderung und Ansiedlung zu beschwichtigen, verfehlten ihr Ziel, und die Gewalttaten hielten bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an.
Die britische Herrschaft, ein Mandat war Teil des Systems des Völkerbundes, in dem „Völker, die noch nicht fähig sind, für sich allein zu stehen", von „fortgeschrittenen Nationen" verwaltet wurden. Im Lauf der Zeit würden diese Nationen, bei denen es sich hauptsächlich um die Alliierten handelte, die Autorität der lokalen Bevölkerung übertragen. In der Geschichte Palästinas/Eretz Israels bezeichnet Mandat die Zeit von 1920 bis 1948, wobei sich Transjordanien ab 1922 ausserhalb der Mandatsgrenzen befand.
Seit 1902 war es sowohl Theodor Herzl als auch Chaim Weizman klar, dass Grossbritannien die am meisten wahrscheinliche und motivierte Macht sein würde, das Gebiet von Eretz Israel nach der Kapitulation des Ottomanischen Reiches zu kontrollieren. Die eigentliche Machtübergabe fand allerdings erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges statt, aus dem Grossbritannien als Sieger hervorgegangen war.
Die Mandatszeit begann mit gutem Willen, fand jedoch durch die Eskalierung der arabischen Opposition und die Enttäuschung der Zionistischen Bewegung, ihr Ziel verfehlt zu haben und das europäische Judentum vor der Vernichtung in der Schoah nicht retten zu können, ein bitteres Ende. Diese Entwicklung kam in verschiedenen externen Dokumenten, Königlichen Untersuchungskommissionen und Weissbüchern zum Ausdruck.
1915 - 1916: Die MacMahon - Hussein Korrespondenz
Zwischen 1915 und 1916 kam es zu einem Briefwechsel zwischen Sir Henry MacMahon, dem britischen Hochkommissar in Ägypten, und Hussein, dem Sherif von Mekka. MacMahon schlug Hussein vor, Grossbritannien würde als Gegenleistung für einen Aufstand gegen die türkischen Streitkräfte, die nationale Unabhängigkeit der arabischen Welt unterstützen.
Zwei Punkte waren besonders wichtig:
- Die genauen Grenzen des zukünftigen arabischen Staates wurden nicht festgelegt, da Grossbritannien die Interessen seines Bündnispartners Frankreich nicht beeinträchtigen wollte.
- Der Name "Palästina" wurde in der Korrespondenz nicht genannt. Ob Palästina in das arabische Gebiet miteinbezogen werden sollte oder nicht, bleibt ein Diskussionsthema für Historiker.
1916: Das Sykes - Picot Abkommen
Das Sykes - Picot Abkommen ist eine geheime Vereinbarung zwischen der britischen und der französischen Regierung. Die Bedingungen für die Aufteilung des Osmanischen Reiches unter den alliierten Mächten wurden am 16. Mai 1916 festgelegt. Russland hatte ebenfalls Anteil an den Überlegungen und erklärte sich mit den Entscheidungen einverstanden. Auch Italien gab später seine Einwilligung zu dem Abkommen.
Gemäss den Bedingungen sollte Frankreich direkte Kontrolle über einen Grossteil Galiläas ausüben, während Grossbritannien die Kontrolle über das kleine Gebiet rund um die Bucht von Haifa und Akko erhalten sollte. Der Rest Palästinas, ausgenommen Be´er Sheva und die Negev, sollte unter internationale Verwaltung gestellt werden.
1917: Die Balfour Deklaration
Die Balfour Deklaration ist eine offizielle Erklärung in Briefform, vom 2. November 1917, in der Lord Arthur James Balfour, der britische Aussenminister, Lord Rothschild die Unterstützung der Britischen Regierung bei der „Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina" verspricht. Die Britische Regierung verpflichtet sich in dieser Deklaration, „alles daran zu setzen, um dieses Vorhaben zu erleichtern."
Die meisten Historiker sind sich einig, dass die Balfour Deklaration das Ziel hatte, zukünftige militärische und strategische Interessen der Briten in dieser Region zu fördern und vor allem das Sykes - Picot Abkommen zu extrapolieren. Dr. Chaim Weizman war der wichtigste Vertreter der Zionistischen Bewegung in den Verhandlungen mit Grossbritannien.
1922 ratifizierte der Völkerbund das Mandatsdokument für Palästina und übernahm den wortwörtlichen Text der Balfour Deklaration.
1918 - 1920: Britische Militärverwaltung in Palästina
Nach der britischen Eroberung Palästinas und des unmittelbaren Hinterlandes etablierte Grossbritannien eine Militärverwaltung, die "Occupied Enemy Territory Administration" (O.E.T.A.).
Ungeachtet der Zusicherung der Balfour Deklaration vom November 1917, wandten die Briten weiterhin osmanisches Recht in Palästina an. Erst nachdem die Friedenskonferenz von Paris, 1919, und die San Remo Konferenz, 1920, das britische Mandat über Palästina etabliert hatten, trat die Zivilverwaltung in Kraft.
1920 - 1948: Das britische Palästinamandat
In der San Remo Konferenz, 1920, sprach der Völkerbund Grossbritannien das Mandat über Palästina zu, während die jeweiligen Aufgabenbereiche erst zwei Jahre später ratifiziert wurden. Grossbritannien war für die Erfüllung der Balfour Deklaration verantwortlich und sollte mit einer "geeigneten jüdischen Körperschaft" (Jewish Agency) verhandeln, "die Einwanderung erleichtern … und eine dichte Besiedlung des Landes fördern." Das Mandat anerkannte auch die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina.
Hochkommissar
Der Titel "High Commissioner" - "Hochkommissar" wurde zwischen Juli 1920 und Mai 1948 dem Oberhaupt der britischen Verwaltung in Palästina verliehen. Es gab sieben Hochkommissare für Palästina, der erste war Sir Herbert Samuel, ein Jude und Zionist. Obwohl die britische Regierung in allen Fragen das letzte Wort hatte, besassen die Hochkommissare eine weitreichende Autorität in allen Bereichen der Regierung über Palästina.
Herbert Samuels Nachfolger waren: Lord Palmer, Sir John Chancellor, Arthur Wawchope, Sir Harold MacMichael, Lord Gort und Sir Alan Cunnigham.
Weissbuch
Ein Weissbuch ist eine offizielle Grundsatzerklärung der britischen Regierung. Jedes Palästina betreffende Weissbuch bekam den Namen des jeweiligen Kolonialministers: "Churchill Weissbuch", 1922; "Passfield Weissbuch", 1930; "MacDonald Weissbuch", 1939.
1921: Die Haycraft - Untersuchungskommission
Sir Herbert Samuel bemühte sich, nach den arabischen Aufständen im Mai 1921 die Stimmung in Palästina zu beruhigen und setzte die Haycraft - Untersuchungskommission ein. Obwohl die Kommission die Araber für den Ausbruch der Gewalttätigkeiten verantwortlich machte, erklärte sie auch, dass die Unruhen durch die Angst der Araber vor prozionistischen Zugeständnissen der Briten hervorgerufen worden waren. Die Haycraft - Untersuchungskommission war Teil einer Entwicklung, die zur Veröffentlichung des "Churchill Weissbuches" führte.
1922: Das „Churchill Weissbuch"
Das "Churchill Weissbuch" legte im Jahr 1922 die britische Verantwortung gegenüber der Gründung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina neu fest. Das Weissbuch erklärte, die britische Regierung wünsche nicht, dass Palästina so "jüdisch werde, wie England englisch sei", sondern strebe eher die Gründung eines Zentrums an, "für das sich das gesamte jüdische Volk aufgrund seiner Religion und Rasse interessiert, und worauf es stolz sein könne."
Das Weissbuch bestätigte das Recht der Juden auf Einwanderung, machte jedoch zur Bedingung, dass diese Immigration das wirtschaftliche Potential des Landes nicht übersteigen sollte. Das Dokument verlangte die Gründung einer gesetzgebenden Körperschaft, bestehend aus zwölf gewählten und zehn ernannten Mitgliedern. Dieses Weissbuch trägt zwar den Namen Winston Churchills, der entscheidende Einfluss kam jedoch von Sir Herbert Samuel, dem Hochkommissar.
1929 - 1930: Die Shaw - Kommission
Die Shaw - Kommission wurde gegen Ende des Jahres 1929 wegen der arabischen Aufstände nach Palästina entsandt. Der Bericht der Kommission wurde im März 1930 veröffentlicht, obwohl eines der vier Mitglieder, Lord Snell, eine Gegenmeinung verfasste. Zu den wichtigsten Empfehlungen der Shaw - Kommission gehörte die Forderung, sofort die britischen Absichten in Palästina darzulegen, die Einwanderungspolitik neu zu überprüfen, das Potential des Landes und seine Nutzung wissenschaftlich zu untersuchen (siehe: Hope-Simpson Bericht) und die Beziehungen zwischen der Zionistischen Organisation und dem Mandat zu klären.
1930: Der Hope-Simpson Bericht
Aufgrund der Empfehlung der Shaw - Kommission wurde im Sommer 1930 ein Ein-Mann-Komitee gegründet, um das wirtschaftliche Potential Palästinas zu untersuchen. Hope-Simpson beschäftigte sich hauptsächlich mit der landwirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Als Konsequenz des jüdischen Landkaufes sah er eine steigende Zahl landloser Araber. Er argumentierte daher für die Beschränkung der jüdischen Einwanderung und des Landkaufes. Das "Passfield Weissbuch" übernahm diese Empfehlungen.
1930: Das „Passfield Weissbuch"
Nach den arabischen Aufständen in Palästina und den Empfehlungen der Shaw - Kommission und des Hope-Simpson Berichtes, veröffentlichte Grossbritannien am 21. Oktober 1930 das "Passfield Weissbuch". Passfield forderte erneut, eine gesetzgebende Körperschaft zu gründen und unterstützte die Ergebnisse des Hope-Simpson Berichtes über die Verfügbarkeit und Kultivierung des Bodens. Was die umstrittene Frage der Einwanderung betraf, so sprach sich das Weissbuch gegen eine grosszügige Politik gegenüber den Zionisten aus. Die Zionistische Bewegung organisierte eine Kampagne gegen das Weissbuch. Der britische Premierminister Ramsay MacDonald versprach daraufhin Chaim Weizman in einem im Februar 1931 veröffentlichten Brief, das Weissbuch prinzipiell ausser Kraft zu setzen.
1936 - 1937: Die Peel Kommission
Die Peel Kommission wurde im August 1936 von der britischen Regierung eingesetzt, um das Palästinaproblem nach den arabischen Aufständen zu untersuchen. Earl Peel war der Vorsitzende dieser Kommission, das einflussreichste Mitglied jedoch war der Oxford Professor Reginald Coupland. Die Kommission hörte über 130 Zeugenaussagen von Juden, Zionisten, palästinensischen Arabern und anderen arabischen Nationalisten. Der im Juli 1937 veröffentlichte Bericht empfahl die Teilung Palästinas in einen jüdischen Staat (entlang der Küstenebene einschliesslich des Jesre´el Tales und eines Grossteils von Galilaea) und einen arabischen Staat, der die meisten restlichen Gebiete mit Transjordanien und einen von den Briten kontrollierten Korridor von Jerusalem an die Küste nach Jaffa umfassen sollte. Als Lösung für das heikle Problem der Ausgewogenheit in der Bevölkerung im zukünftigen jüdischen Staat, schlug die Kommission einen Bevölkerungstransfer vor.
Dieser Teilungsplan wurde von den Arabern, mit Ausnahme Koenig Abdallahs von Transjordanien, abgelehnt und führte zu einer Spaltung der Zionistischen Bewegung. Während des 20. Zionistischen Kongresses ermächtigte die Zionistische Bewegung ihre Exekutive, den Versuch zu unternehmen, die Bedingungen des Teilungsplanes zu verbessern. Wie durch die Woodhead Kommission und das "MacDonald" Weissbuch bestätigt wurde, liess die britische Regierung den Teilungsplan fallen.
1938: Die Woodhead Kommission
Die Woodhead Kommission wurde gegründet, um die praktische Anwendbarkeit des Teilungsplanes, wie er von der Peel Kommission empfohlen worden war, zu überprüfen. Es bestehen jedoch kaum Zweifel, dass die Kommission in erster Linie eingesetzt wurde, um die wachsende arabische Opposition innerhalb und ausserhalb Palästinas der britischen Herrschaft gegenüber zu beschwichtigen, da es in dieser Zeit zu neuerlichen arabischen Aufständen gekommen war. In ihrem im Herbst 1938 veröffentlichten Bericht kam die Kommission zu dem Schluss, dass eine Teilung undurchführbar sei.
1939: Die St. James Konferenz
Die Konferenz im St. James Palast in London, die im Februar 1939 stattfand, wurde von MacDonald, dem britischen Kolonialminster, einberufen, um den toten Punkt, den die Verhandlungen zwischen Juden und Arabern erreicht hatten, zu überwinden, ohne die Teilung zu propagieren. Den Briten war jedoch sehr wohl bewusst, dass die tiefe Kluft zwischen den Parteien kaum zu überbrücken sein würde. Dies wurde bereits in der Weigerung der arabischen Delegation, sich mit den zionistischen Repräsentanten an einen Tisch zu setzen, deutlich.
Chaim Weizman war der Vorsitzende der jüdischen Delegation. Die arabische bestand aus Vertretern aus fünf arabischen Ländern und Palästina.
Beide Delegationen redeten aneinander vorbei:
Die Juden betonten die Notwendigkeit der Alijah im grossen Umfang, d. h. höherer Einwanderungsquoten, zusätzlicher jüdischer Siedlungen und der Gründung legaler Verteidigungskräfte. Die Araber wiesen die Balfour Deklaration zurück und verlangten, die jüdische Einwanderung und den Landkauf zu verbieten. Als die Gespräche so in einer Sackgasse endeten, erklärte der britische Kolonialminister MacDonald, Grossbritannien habe die Absicht, das Mandat aufzugeben und einen mit Grossbritannien verbündeten palästinensischen Staat zu gründen.
Die Quellen zeigen, dass die St. James Konferenz einerseits tatsächlich das teilweise Ziel hatte, Grossbritannien als einen "ehrlichen Makler" zupräsentieren. Andererseits sah sich die britische Regierung am Vorabend des Zweiten Weltkrieges veranlasst, eine Versöhnungspolitik den Arabern gegenüber zu betreiben. Grossbritannien wusste, dass die Araber einen Teilungsplan ablehnen würden, und benützte dieses Forum, um zu beweisen, dass der Teilungsplan unrealistisch sei, bevor diese Option offiziell aufgegeben werden konnte.
1939: Das „MacDonald Weissbuch"
Das "MacDonald Weissbuch" wurde am 17. Mai 1939 herausgegeben. Gemäss der Erklärung der Woodhead Kommission, eine Teilung sei undurchführbar, und angesichts des Scheitern der St. James Konferenz im Februar/März 1939, wurde eine neue Vorgehensweise in Palästina propagiert.
Das "MacDonald Weissbuch" schlug die Gründung eines einheitlichen palästinensischen Staates innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren vor. Die Grenzen dieses Staates sollten das Mittelmeer und der Jordan sein. Das Weissbuch umriss auch einen Fünfjahresplan für die Einwanderung von 75.000 Juden (10.000 pro Jahr und 25.000 Flüchtlinge zusätzlich). Danach sollten weitere Einwanderungen nur mit arabischer Zustimmung gestattet werden. Im März 1940 beschränkten die Briten in einer Grundsatzerklärung über Landtransfer auch den Landkauf.
Die Zionistische Bewegung betrachtete das Weissbuch "als einen Akt des Verrates", der die jüdische Bevölkerung zu einem Minderheitenstatus im Land verurteilen würde und alle Hoffnungen auf einen jüdischen Staat zunichte machte.
Das Weissbuch wurde angesichts der eskalierenden Feindseligkeiten vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieg veröffentlicht, und nicht unter dem Eindruck der grössten Not, in der sich das europäische Judentum unter dem nationalsozialistischen Regime und in den von Deutschland besetzen Ländern befand. Unter diesem Gesichtspunkt war es für aussenpolitische Experten keine Frage, dass es nicht im Interesse Grossbritanniens liegen konnte, die Gefühle der arabischen und moslemischen Welt zu verletzen. Das Weissbuch bestimmte die britische Politik in Palästina bis 1947. Nachdem die Palästinafrage den Vereinten Nationen übertragen und die Teilung des Landes im November 1947 beschlossen worden war, verkündeten die Briten ihre Absicht, das Palästinamandat aufzugeben.
1945 -1946: Das Anglo-Amerikanische Untersuchungskomitee
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Verpflichtungen Grossbritanniens gegenüber den USA offensichtlich. Die britische Regierung unter Attlee war deshalb darauf erpicht, die Vereinigten Staaten in die Verantwortung für die Palästinafrage miteinzubeziehen. Ein Komitee bestehend aus der gleichen Anzahl britischer und amerikanischer Repräsentanten wurde gegründet, mit dem offiziellen Auftrag, eine Lösung für das Problem der jüdischen Flüchtlinge innerhalb des grösseren Kontextes der Palästinafrage zu finden. Im April 1946 richtete das Komitee einen Aufruf an die britische Regierung, sofort die Einwanderung von 100.000 jüdischen Flüchtlingen in Palästina zu gestatten. Weiters schlug das Komitee vor, die Bestimmungen des Jahres 1940 über den Landtransfer ausser Kraft zu setzen und eine Treuhandschaft für Palästina anzunehmen. Die britische Regierung wies diese Vorschläge zurück.
1946: Der Morrisson-Grady-Plan
Im Morrisson-Grady-Plan schlug Grossbritannien die Lösung des Palästinaproblemes auf der Basis einer Förderalisierung oder Kantonisierung vor. Der Plan wurde von Herbert Morrisson, dem stellvertretenden britischen Premierminister, und von Henry Grady, dem amerikanischen Botschafter in Grossbritannien, im August 1946 aufgestellt.
1947: Das Sonderkomitee der Vereinten Nationen für Palästina (UNSCOP)
Nachdem Grossbritannien die Palästinafrage an die Vereinten Nationen übergeben hatte, wurde im April 1947 dieses Sonderkomitee gegründet. Die elf Mitglieder dieses Untersuchungskomitees konnten für die Lösung des Palästinaproblems jedoch keine Einigung erzielen und veröffentlichten stattdessen einen Mehrheits- und einen Minderheitsbericht. Der Mehrheitsbericht empfahl eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat und die Internationalisierung Jerusalems.
Dieser Bericht wurde der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 29. November 1947 vorgelegt und als Resolution 181 angenommen. 33 Staaten unterstützten den Plan, 13 sprachen sich dagegen aus und 10 enthielten sich der Stimme. In diesem denkwürdigen Augenblick der Zeitgeschichte, am Beginn des Kalten Krieges, unterstützten die USA und die UDSSR gemeinsam den Teilungsplan. Grossbritannien enthielt sich der Stimme, versprach jedoch, den Truppenabzug bis August 1948. Tatsächlich verliessen die Briten bereits drei Monate früher, am 15. Mai 1948 das Land.
Die Auflösung des Britischen Mandates
Die Gründe für den Abzug der Briten werden von den Historikern heftig diskutiert. Es gibt die Ansicht, die Briten hätten Palästina wegen der Terroranschläge einiger bzw. aller jüdischer militärischer Organisationen verlassen. Vor allem die Sprengung eines Flügels des King David Hotels, dem britischen Hauptquartier, im Juli 1946 und das Hängen zweier britischer Sergeanten im Juli 1947 - beides wurde von der Irgun ausgeführt - sollen den Entschluss der Briten, Palästina aufzugeben, beschleunigt haben. Andere glauben, die Briten hätten Palästina wegen der illegalen Einwanderungsunternehmen der Haganah verlassen, die die britischen Regierung immer mehr in Verlegenheit brachten.
Andere Historiker sehen Grossbritanniens Rückzug aus Palästina als Teil der Rationalisierung des Empires angesichts der schlechten Wirtschaftslage nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1945 und 1948 entliess Grossbritannien erhebliche Teile des Empires in die Unabhängigkeit, einschliesslich Indien, dem "Kronjuwel". Grossbritanniens wirtschaftliche Situation schuf auch eine Anhängigkeit von den Vereinigten Staaten, die ihren früheren Bündnispartner mit dem Palästinaproblem unter Druck setzen. In diesem Zusammenhang hatte sich die amerikanische jüdische Meinung der zionistischen Sache angeschlossen: Harry Truman, der nach dem Tod Roosevelts das Präsidentenamt übernommen hatte, suchte für die Kongress- und Präsidentenwahlen die Unterstützung der Öffentlichkeit und war daher für die jüdische Gruppe ein Ansprechpartner.
Der 13. Zionistische Kongress, Karlsbad 1923
Der Artikel 4 des Palästinamandates des Völkerbundes verlangte die Gründung einer Jüdischen Körperschaft, der Jewish Agency for Palestine, um "die Zusammenarbeit aller Juden, die zum Aufbau einer nationalen jüdischen Heimstätte beitragen möchten, zu sichern."
Der Vorschlag, auch Nichtzionisten in die Jewish Agency aufzunehmen, stiess auf bedeutenden Widerstand und wurde dieses Mal abgewiesen. (Weizmann konnte das Vorhaben sechs Jahre später verwirklichen.)
Der 14. Zionistische Kongress, Wien 1925
Dieser Kongress trat zu einer Zeit zusammen, als besonders viele Juden, hauptsächlich aus Polen, in Palästina einwanderten. Diejenigen, die an den Aufbau einer jüdischen nationalen Heimstätte durch private Unternehmungen glaubten, betrachteten diese Einwanderungswelle als Erfüllung ihrer Hoffnungen, während die Arbeiterbewegung darin eine Bedrohung ihrer konstruktiven sozialistischen Bemühungen sah.
Die Revisionisten unter Ze´ev Jabotinsky nahmen zum ersten Mal an einem zionistischen Kongress teil und forderten eine aktivere Politik der Zionistischen Bewegung. Sie sprachen sich auch gegen die Aufnahme von Nichtzionisten in die Jewish Agency aus.
Der 15. Zionistische Kongress, Basel 1927
Dieser Kongress traf sich im Schatten einer zunehmenden wirtschaftlichen Krise in Palästina, die bereits viele arbeits- und mittellos gemacht hatte. 1927 gab es zum ersten und einzigen Mal mehr Auswanderer aus Einwanderer. Es war natürlich, dass sich der Kongress vor allem mit diesem Thema beschäftigte. Weizmann und Ruppin unterbreiteten Vorschläge zur Lösung der Krise.
Die Diskussion um eine Ausweitung der Jewish Agency wurde fortgesetzt. Auf Ahad Ha Am, den ideologischen Anführer der Kulturellen Zionisten, der nur am Ersten Kongress teilgenommen hatte, wurde ein Nachruf gehalten.
Weizman wurde als Präsident der WZO bestätigt, ebenso Sokolow als Vorsitzender der Exekutive. Henrietta Szold wurde als erste Frau in das Exekutivkomitee der Zionistischen Weltorganisation gewählt.
Der 16. Zionistische Kongress, Zürich 1929
Dieser Kongress trat in einer Atmosphäre der wirtschaftlichen Erholung in Palästina zusammen. Die Einwanderungszahlen waren wieder gestiegen, und im Gegensatz zur Lage in den USA und in Grossbritannien war in Palästina ein Wirtschaftsaufschwung im Gang.
Der Kongress befürwortete diesmal die Ausweitung der Jewish Agency, zum grossen Kummer einer - vor allem revisionistischen - Minderheit und setzte so einer siebenjährigen Auseinandersetzung ein Ende.
Weizmann und Sokolow wurden wieder in ihre Ämter als Präsident der WZO und Vorsitzender der Exekutive gewählt.
Der 17. Zionistische Kongress, Basel 1931
Nur wenige Tage nach dem Ende des sechzehnten Kongresses waren in Palästina Aufstände ausgebrochen. Die Shaw - Kommission berichtete ungünstig über die zionistischen Aktivitäten in Palästina, ebenso Hope-Simpson, der wenig später nach Palästina entsandt worden war. Ihre Empfehlungen wurden von Lord Passfield in das nach ihm benannte Weissbuch übernommen. Die Zionistische Bewegung reagierte äusserst aufgebracht, und Chaim Weizmann reichte seinen Rücktritt als Präsident der Zionistischen Weltorganisation ein. Nach Verhandlungen mit der Minderheitsregierung von Ramsey MacDonald wurden viele der negativen Klauseln zurückgezogen.
Viele Delegierte protestierten gegen die Politik Chaim Weizmanns gegenüber den Briten, besonders gegen seine Zusagen zur maximalen Zusammenarbeit mit der Mandatsregierung. Die Revisionisten waren nicht die einzigen, die sich Weizmann widersetzten, brachten dies jedoch am deutlichsten zum Ausdruck. Jabotinsky, ihr unangefochtener Anführer, verlangte von der WZO die Verabschiedung einer Resolution, nach der das Endziel des Zionismus die Etablierung einer jüdischen Mehrheit und die Gründung eines jüdischen Staates beiderseits des Jordans sei. Als der Kongress diese Forderung zurückwies, zerriss Jabotinsky seinen Delegiertenausweis und rief: "Dies ist kein zionistischer Kongress!"
Dieses Ereignis war eine weitere Station auf dem Weg zur Abspaltung der Revisionisten von der Zionistischen Weltorganisation. Weizmann zog seinen Rücktritt nicht zurück, und so wurde Sokolow an seiner Stelle zum Präsidenten der WZO gewählt. Da die Arbeiterbewegung zunehmend in der Zionistischen Exekutive präsent war, wurde Weizmanns pro-britische Politik fortgesetzt.
Der 18. Zionistische Kongress, Prag 1933
Dieser Kongress stand unter dem Eindruck folgender Ereignisse:
- Der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland,
- der Inflation in Palästina und
- der Ermordung Chaim Arlosoroffs, Führer der Arbeiterpartei und Vorsitzender der Politischen Abteilung der Jewish Agency.
Die gegenseitigen Anschuldigungen der Arbeiterpartei, die 1930 in Palästina unter dem Namen "Mapai" vereinigt worden war, und der Revisionisten erreichten einen Höhepunkt. Eine Untersuchungskommission, die den Mord an Arlosoroff untersuchen sollte, wurde gegründet.
Dies war der erste Kongress, auf dem die Anhänger der Arbeiterbewegung die Mehrheit gegenüber den Anhängern des Allgemeinen Zionismus hatten.
Der 19. Zionistische Kongress, Luzern 1935
Wieder war die Arbeiterpartei die stärkste Fraktion des Kongresses. Eine breite Koalition wurde gebildet, die die Rückkehr Weizmanns in das Präsidentenamt ermöglichte. Sokolow wurde zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency gewählt. Er starb im folgenden Jahr.
Dieser Kongress beschäftigte sich mit verschiedenen Themen, von denen sich viele um die Rettung des deutschen Judentums und seine Einwanderung in Palästina drehten. In diesem Zusammenhang erläuterte Henrietta Szold die Arbeit der Jugendalijah. David Ben Gurion wurde in das Exekutivkomitee der Jewish Agency gewählt und sollte in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Da der Entschluss der Revisionisten fest stand, sich von der Zionistischen Weltorganisation abzuspalten, blieben sie dem Kongress fern und gründeten ihre eigene Neue Zionistische Organisation.
Der 20. Zionistische Kongress, Zürich 1937
Nach dem Ausbruch des arabischen Aufstandes in Palästina, 1936, entsandte die britische Regierung eine Königliche Kommission, die nach Lösungsmöglichkeiten für den jüdisch - arabischen Konflikt suchen sollte. Die wichtigste Empfehlung der Peel - Kommission (benannt nach ihrem Vorsitzenden), war die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat. Dieser Kongress war aufgerufen, die Haltung der Zionistischen Bewegung gegenüber dem Teilungsplan zu definieren. Die Krise, die die Zionistische Bewegung daraufhin erschütterte, war vergleichbar mit der, die während der Kontroverse wegen des " "Uganda - Planes" ausgebrochen war.
Die zionistischen Fraktionen waren untereinander, sondern auch innerhalb der Fraktionen gespalten:
- Innerhalb des Mapai unterstützte Ben Gurion den Teilungsplan, während Berl Katznelson und Jitzchak Tabenkin dagegen waren.
- Die Opposition unter Menachem Ussishkin (die Revisionisten waren nicht mehr Mitglieder der WZO) argumentierte, dass das vorgesehene Gebiet für den jüdischen Staat zu klein sei, um die zu erwartende Einwanderung aufzunehmen, nicht gegen arabische Angriffe verteidigt werden könne und Zion (Jerusalem) nicht mit einbezog.
- Im Gegensatz dazu waren Weizmann und Ben Gurion der Ansicht, dieser jüdische Staat gewährleiste die freie Einwanderung und eine eigene Souveränität. Sie bezweifelten, dass die Briten in diesen unsicheren Zeiten ein besseres Angebot machen würden. Das europäische Judentum war in Not, eine Sofortlösung musste gefunden werden. Falls der jüdische Staat angegriffen würde, argumentierte Ben Gurion, könne die Zionistische Bewegung eine Änderung der Grenzen verlangen.
Der Kongress entschloss sich, die von der Peel - Kommission vorgesehenen Grenzen abzulehnen, ermächtigte aber seine Exekutive, einen günstigeren Vorschlag für einen jüdischen Staat in Palästina auszuhandeln.
Der 21. Zionistische Kongress, Genf 1939
Nur wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trat dieser Kongress zusammen. Nach dem letzen Kongress hatte sich Grossbritannien vom ursprünglichen Teilungsplan der Peel - Kommission distanziert, da die Woodhead - Kommission den Plan als undurchführbar bezeichnet hatte. Der St. James Konferenz in London war es nicht gelungen, zwischen den unterschiedlichen Meinungen einen Konsens herzustellen. Die Interessen Grossbritanniens in dem bevorstehenden Krieg veranlassten den britischen Premierminister zu folgender Schlussfolgerung: "Wenn wir schon eine Seite vor den Kopf stossen müssen, dann besser die Juden als die Araber".
Im Mai 1939 war das MacDonald Weissbuch veröffentlicht worden, das die Einwanderung einschränkte und einen unabhängigen palästinensischen Staat zusagte.
Der Kongress verurteilte die britische Politik scharf, und eine Reihe von Delegierten äusserte sich lobend über die Arbeit illegaler Einwanderungsorganisationen. Angesichts des bevorstehenden Krieges wurde die scheidende Exekutive gebeten, im Amt zu bleiben. Weizmann schloss den Kongress mit folgenden Worten: "Ich habe nur dieses eine Gebet: Mögen wir einander gesund wiedersehen."
Der 22. Zionistische Kongress, Basel 1946
Der Kongress trat nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vernichtung des Europaeischen Judentums zusammen.
- Die Menschen, die wichtigste Grundlage der Zionistischen Bewegung, waren der Schoah zum Opfer gefallen.
- Die jüdische Gemeinde in Palästina hatte sich in grosser Zahl freiwillig zum britischen Kriegseinsatz gemeldet, konnte aber ihren Brüdern hinter den feindlichen Linien nicht beistehen.
- Die Briten hatten erst im Oktober 1944 der Gründung der Jüdischen Brigade zugestimmt, daher spielte diese Einheit nur eine marginale Rolle.
- Der Jischuw hatte erfolglos versucht, die britische Obrigkeit unter Druck zu setzen und eine Aufhebung des Weissbuches zu erreichen.
Der Kongress traf sich nach der Veröffentlichung des Morrison - Grady Berichts, der die Aufteilung Palästinas in vier Kantone vorschlug. Ausserdem sollte in London eine jüdisch-arabische Konferenz abgehalten werden. Ursprünglich war eine Politik gewaltsamer Konfrontation von der Mehrheit des Jischuw abgelehnt worden. Im Sommer 1945 jedoch koordinierten mehrere bewaffnete Gruppen Aktionen gegen die Mandatsregierung. Dies führte zu vermehrten Spannungen mit den Briten, die im Juli 1946 die Anführer des Jischuw in Latrun inhaftierten.
Weizmann, immer noch Präsident der WZO, forderte die Delegierten auf, das politische Grundsatzprogramm der Zionistischen Bewegung, das im Mai 1942 im New Yorker Biltmore Hotel und 1945 in London verabschiedet worden war, zu bestätigen.
Der wichtigste Satz dieses Programms war der Wunsch:
"Palästina werde als jüdisches Gemeinwesen gegründet, das seinen Platz haben möge innerhalb der Strukturen der demokratischen Welt!"
Eine überwiegende Mehrheit des Kongresses bestätigte dieses Grundsatzprogramm, lehnte aber Weizmanns Aufruf, an der Londoner Konferenz teilzunehmen, ab. Weizmann trat daraufhin als Präsident der WZO zurück. Die Position blieb bis 1956 unbesetzt.
Der 23. Zionistische Kongress, Jerusalem 1953
Dies war der erste Kongress, der im Staat Israel stattfand. Er wurde symbolisch mit einer Zusammenkunft an Theodor Herzls Grabstätte am Herzlberg eröffnet. In seinem Testament hatte Herzl verfügt, falls ein Jüdischer Staat gegründet werden sollte, mögen seine sterblichen Überreste aus Wien dorthin überführt werden.
Das Hauptthema des Kongresses war die Definition der zukünftigen zionistischen Ziele, nachdem das Basler Programm nunmehr verwirklicht worden war. Der Kongress nahm das Jerusalemer Programm an, das die zukünftigen Aufgaben des Zionismus folgendermassen definierte:
"Die Konsolidierung des Staates Israel, die Sammlung der Zerstreuten in Eretz Israel und die Festigung der Einheit des jüdischen Volkes."
Fragen betrafen auch die Beziehungen des neuen Staates zur Zionistischen Weltorganisation. Der Kongress verabschiedete eine Resolution, in der der Staat Israel aufgerufen wurde, die WZO als die repräsentative Körperschaft des jüdischen Volkes in allen Angelegenheiten, die die organisierte Teilnahme des Diasporajudentums am Aufbau des Staates erforderte, anzuerkennen.
1952 folgte die Knesset dieser Resolution als sie das Gesetz annahm, das der WZO und der Jewish Agency einen offiziellen Status verlieh.
Der 24. Zionistische Kongress, Jerusalem 1956
Dieser Kongress traf sich in einer Atmosphäre zunehmender Besorgnis über die politische und sicherheitspolitische Situation an Israels Südgrenze.
Der Kongress debattierte auch über eine Reihe von weiteren Themen wie Alijah, Siedlungswesen, Finanzierung und Organisation. Den Delegierten wurde der Vorschlag unterbreitet, die einzelnen Fraktionen innerhalb der Zionistischen Bewegung aufzulösen und durch gemeinsame Delegationen aus jeder Diasporagemeinde zu ersetzten. Dies wurde abgelehnt.
Nachum Goldmann wurde zum neuen Präsidenten der WZO und Vorsitzenden der Jewish Agency gewählt.
Der 25. Zionistische Kongress, Jerusalem 1960/61
Ben Gurion machte die Beziehungen der israelischen Regierung zur WZO zum Hauptthema dieses Kongresses. Er übte ernste Kritik an der Zionistischen Bewegung.
Ausserdem wurden die Einwanderung aus westlichen Ländern und die Erziehung in der Diaspora diskutiert.
Nachum Goldmann wurde als Präsident der WZO bestätigt.
Der 26. Zionistische Kongress, Jerusalem 1964/65
In seiner Eröffnungsrede rief Präsident Goldmann die Zionistische Bewegung auf, mehr Verantwortung für die Diasporagemeinden zu übernehmen und sie in ihrem Kampf gegen den Verlust der Spiritualität und gegen die Assimilation zu unterstützen.
Verschiedene politische Resolutionen wurden verabschiedet, darunter ein Aufruf an die Regierungen der Welt, die Waffenlieferungen in die Nahostländer einzustellen. An die Sowjetunion erging die Forderung, die Lage ihrer jüdischen Gemeinden zu erleichtern.
Nachum Goldmann wurde als Präsident wiedergewählt.
Der 27. Zionistische Kongress, Jerusalem 1968
Dieser Kongress fand ein Jahre nach dem Sechs Tage Krieg in einem wiedervereinten Jerusalem statt. Zum ersten Mal nahmen auch Jugenddelegationen teil, darunter Studentengruppen und die Alijahbewegung. Damit kam eine Entwicklung in der jüdischen Welt zum Ausdruck und präsentierte vor allem die vielen Freiwilligen, die unmittelbar vor und nach dem Sechs Tage Krieg nach Israel gekommen waren. Ein neues Phänomen war zu beobachten: der Krieg hatte die Einwanderung aus westlichen Ländern verstärkt.
Im Rahmen der Alijahdiskussion wurde die Entscheidung der israelischen Regierung, ein Ministerium für Integration der Einwanderer zu gründen, angenommen. Der Kongress ergänzte auch das Jerusalemer Programm von 1951, das die neuen Zielsetzungen des Zionismus festgelegt hatte.
Der neue Text lautete:
„Die Ziele des Zionismus sind:
Die Einheit des jüdischen Volkes und Israel als sein Lebensmittelpunkt;
Die Sammlung des jüdischen Volkes in seinem historischen Heimatland, in Eretz Israel, durch die Einwanderung aus allen Ländern;
Die Stärkung des Staates Israel, der auf die prophetischen Ideale von Gerechtigkeit und Frieden aufgebaut ist;
Die Bewahrung der Identität des jüdischen Volkes durch die Förderung der jüdischen und hebräischen Erziehung und der jüdischen spirituellen und kulturellen Werte;
Der Schutz der jüdischen Rechte überall."
Die Wahl eines neuen Präsidenten der WZO wurde nach dem Rücktritt Nachum Goldmanns dem Allgemeinen Zionistischen Komitee übergeben, das Ehud Avriel zum Präsidenten und Arieh (Louis) Pincus zum Vorsitzenden der Exekutive wählte.
Der 28. Zionistische Kongress, Jerusalem 1972
Während dieses Kongresses wurden zahlreiche Neuerungen eingeführt:
- Der Schekel, dessen Zahlung zur Mitgliedschaft in der WZO und zur Teilnahme an den Wahlen während der jeweiligen Kongresse berechtigt hatte, wurde abgeschafft.
- Der neue Modus ermöglichte in den einzelnen Föderationen eine Reihe von Wahlsystemen, während in Israel die Knessetwahlen als Massstab für die Grösse der Delegationen diente, die von den jeweiligen Parteien in den Kongress entsandt wurden.
- Verschiedene internationale Körperschaften, darunter die Weltföderation der sephardischen Gemeinden (allerdings ohne volles Wahlrecht), wurden in die WZO aufgenommen.
Ausserdem wurden folgende Themen behandelt: Die Einwanderung aus den westlichen Ländern, der Beginn der Alijah aus der Sowjetunion und die jüdische Erziehung in der Diaspora.
Der Versuch, die Inhaber zionistischer Funktionen nach zwei Amtsperioden zur Alijah zu verpflichten, erhielt nicht die notwendige Zustimmung der Delegierten, brachte jedoch die Frage der "Hagschama", der zionistischen Erfüllung auf die Tagesordnung. Louis Pincus wurde als Präsident bestätigt.
Der 29. Zionistische Kongress, Jerusalem 1978
Seit dem letzten Kongress waren sechs Jahre vergangen, in denen sich innerhalb der jüdischen Welt bedeutende Entwicklungen ergaben:
- Das Ansteigen des internationalen Terrorismus;
- Der Jom Kippur Krieg;
- Die zunehmende Isolation Israels, die durch die UN Resolution, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt, noch verstärkt wurde;
- Der Exodus der Juden aus der Sowjetunion und der Kampf um die jüdischen Rechte in diesem Land;
- Der Wahlsieg des Likud bei den Wahlen zur Knesset 1977, durch den die jahrzehntelange Dominanz der Arbeiterpartei beendet wurde;
- Der Besuch des ägyptischen Staatspräsidenten Sadat 1977 in Jerusalem;
Diese Ereignisse beeinflussten zwar die Atmosphäre des Kongresses, hatten aber keinen wesentlichen Anteil an seinem Ablauf. Stattdessen konzentrierte man sich auf das Thema des religiösen Pluralismus innerhalb der Zionistischen Bewegung. Nach hitzigen Diskussionen nahm der Kongress das Prinzip der Gleichheit aller religiösen Strömungen, die sich der WZO angeschlossen hatten, an. Dies bedeutete, dass auch den erst kürzlich angegliederten Bewegungen des Reformjudentums und der Konservativen dieser Status garantiert wurde.
Arie Dulzin wurde zum Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive gewählt.
Der 30. Zionistische Kongress, Jerusalem 1982
Der Kongress war vor allem mit der Zionistischen Organisation, seiner Struktur und seiner Ideologie beschäftigt. Im Besonderen wurde die Frage der Beziehungen zwischen der WZO und der Jewish Agency behandelt.
Die "Nichtzionisten" (Fundraiser), die die Hälfte der Jewish Agency ausmachten, hatten nach dem "Caesarea - Prozess" mit der Unterzeichnung der Jerusalemer Programms die Annahme der zionistischen Grundsätze erklärt. Dies bedeutete in der Praxis, dass die Jewish Agency mehr und mehr auf Gebieten aktiv wurde, die die Domäne der WZO gewesen waren: Einwanderung und jüdische Erziehung in der Diaspora. Dieser Trend sollte sich nach dem "Herzeliah - Prozess" noch verstärken, der nach dem Kongress begann und bedeutende Änderungen in der Organisation, Demokratisierung und ideologischen Orientierung der WZO und der Jewish Agency empfahl.
Etliche Sitzungen des Kongresses verliefen stürmisch, darunter vor allem die Diskussion um die Errichtung jüdischer Siedlungen in der Westbank und im Gazastreifen. Die WZO Siedlungsabteilung war mit einigen dieser Siedlungen in Verbindung gebracht worden, und viele Delegierte wünschten ein Ende dieser Aktivitäten. Schliesslich wurde eine Resolution verabschiedet, in der sich der Kongress darüber einig war, dass es in dieser Frage verschiedene Meinungen gab. Es wurde jedoch auch beschlossen, dass ein gemeinsames Komitee der Regierung und der WZO die Standorte neuer Ansiedlungen diskutieren sollte.
Arie Dulzin wurde als Vorsitzender der Exekutive wiedergewählt.
Der 31. Zionistische Kongress, Jerusalem 1987
Dieser Kongress diskutierte nochmals die Beziehungen zwischen Israel, den jüdischen Gemeinden und der WZO. Man hatte gehofft, dieses Treffen würde den "Herzliah - Prozess" abschliessen, der den zunehmenden Einfluss der "Nichtzionisten" (Fundraiser) der Jewish Agency auf die Neustrukturierung, Demokratisierung und ideologische Orientierung verdeutlicht hatte. Es konnten jedoch keine grundsätzlichen Entscheidungen auf diesem Gebiet gefällt werden.
Vorschläge für die Wahl des Präsidenten der WZO wurden unterbreitet. Diese Position war seit dem Rücktritt Nachum Goldmanns im Jahr 1968 unbesetzt geblieben. Der Versuch der "Magischim" (derjenigen, die versprachen, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Israel einzuwandern), einen Sonderstatus innerhalb der Zionistischen Bewegung verliehen zu bekommen, scheiterte. Dies wurde als Zurückweisung des Prinzips der persönlichen Verpflichtung zur Alijah aufgefasst.
Simcha Dinitz, der ehemalige israelische Botschafter in den USA und Knessetabgeordneter, wurde zum Vorsitzenden der Exekutive gewählt.
Der 32. Zionistische Kongress, Jerusalem 1992
Der Kongress trat nach grundlegenden Änderungen in den Abteilungen der WZO, die vor allem die Einführung neuer Strukturen wegen der Masseneinwanderungen aus der UDSSR und Äthiopien betrafen, zusammen.
Wegen der wirtschaftlichen Rezession in den Vereinigten Staaten und den westlichen Ländern verringerten sich auch die Beiträge des Keren Hajessod und des United Jewish Appeal. Beide Einwanderungswellen forderten ein hohes Mass an Ressourcen und Einrichtungen und machten eine Änderung der Budgetpläne der Jewish Agency notwendig. Der Kongress verbrachte einen grossen Teil seiner Zeit mit der Besichtigung verschiedener Projekte. Die ideologische Debatte wurde angesichts der Bestätigung neuer Prioritäten auf den zweiten Platz verwiesen.
Simcha Dinitz wurde als Vorsitzender der Exekutive bestätigt.
Das "Interregnum"
Ein Verfahren gegen Simcha Dinitz zwang die Jewish Agency, das Inkrafttreten der Demokratisierung und der strukturellen Änderungen, hintanzustellen.
Interime Wahlen wurden abgehalten, bei denen der Knessetabgeordnete Abraham Burg zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Burg war mit der Neudefinition der Rolle der Jewish Agency und einem zu geringen Budget konfrontiert. Er führte innerhalb der Jewish Agency und der WZO einen radikalen Rationalisierungsplan ein.
Mit dem Beginn des Osloer Prozesses wurde auch die Hoffnung geboren, die Jewish Agency werde in der Lage sein, zu vielen ihrer sozialen und erzieherischen Projekte zurückzukehren, da das Budget des Staates Israel weniger von den Verteidigungsausgaben belastet sein würde.
Wenn man eine zeitgemässe Definition des Zionismus in dieser zynischen "Post-ism" Aera des "globalen Dorfes" aufstellen möchte, so steht die wohl Überbrückung der Kluft zwischen Israel und den Juden der Diaspora , vor allem unter der jungen Generation, im Vordergrund.
Am Ende des Krieges wurde die Einschränkung jüdischer Einwanderung in das Land nicht aufgehoben. Dabei war es ein dringendes Erfordernis, einen Ort der Zuflucht für die Menschen zu finden, denen es gelungen war, der Vernichtung der jüdischen Gemeinden in Europa durch das Nazi-Regime zu entkommen, bei der sechs Millionen Juden, darunter 1,5 Millionen Kinder, ermordet wurden. Um die restriktive britische Einwanderungspolitik zu umgehen, mobilisierte die jüdische Gemeinschaft in Israel zusammen mit Juden in der ganzen Welt ihre Kräfte und Mittel und organisierte ein als Ahyah Bet bekanntes "illegales" Einwanderungsnetz, durch das etwa 85.000 Überlebende des Holocaust ins Land kamen.
Nachdem alle Versuche fehlgeschlagen waren, einen Ausgleich zwischen dem zunehmenden arabischen Widerstand gegen jüdische Einwanderung und Siedlung und der anhaltenden jüdischen Forderung nach Aufhebung der bestehenden Einwanderungsbeschränkungen zu erreichen, verwiesen die Briten das Problem an die Vereinten Nationen. Im November 1947 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen für die Errichtung von zwei Staaten in diesem Gebiet (westlich des Jordans) - einem jüdischen und einem arabischen. Die Juden nahmen die Teilung an, die Araber lehnten sie ab.
UN-Teilungsplan (Resolution 181): Am 29. November 1947 rief die Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Teilung des britischen Mandatsgebiets Palästina auf (Resolution 181). Das Land sollte in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufgeteilt werden. Die Mehrheitliche Empfehlung einer Teilung wurde mit 33 zu 13 Stimmen bei zehn Stimmenthaltungen angenommen. Die Resolution wurde von den Juden in Palästina angenommen, von den Arabern in Palästina und den arabischen Staaten jedoch abgelehnt.
Die Peel-Kommission kam 1937 zu dem Schluss, dass der einzig logische Ausweg angesichts der unvereinbaren Ziele der Juden und Araber in der Teilung Palästinas in zwei getrennte Staaten - einen jüdischen und einen arabischen - bestand. Die Araber lehnten den Teilungsplan aus zwei Gründen ab: Sie wären damit gezwungen gewesen, die Gründung eines jüdischen Staates zu akzeptieren, und sie hätten es hinnehmen müssen, dass Teile der Palästinenser unter "jüdischer Herrschaft" lebten. Die Einwände der Zionisten richteten sich vor allem gegen die Landesgrenzen, die der Peel-Plan vorsah, weil ihr Lebensraum dadurch auf ein Territorium beschränkt worden wäre, das kaum größer als ein Getto war: auf 1.900 der insgesamt 10.300 Quadratmeilen, die das noch verbliebene Palästina umfasste. Dennoch waren die Zionisten bereit, mit den Briten zu verhandeln, wohingegen die Araber sich rundweg weigerten, über Kompromisse auch nur nachzudenken.
Im britischen Weißbuch von 1939 wurden abermals die Gründung eines arabischen Staates innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren sowie eine Einwanderungsbeschränkung für Juden auf 75.000 Personen in den nächsten fünf Jahren beschlossen. Danach sollten gar keine Juden mehr ohne Zustimmung der arabischen Bevölkerung ins Land gelassen werden. Obwohl man den Arabern im Blick auf die jüdische Einwanderung also große Zugeständnisse machte und obwohl man ihnen sogar die Unabhängigkeit angeboten hatte - die ja das erklärte Ziel der arabischen Nationalisten war -, lehnten sie das "White Paper" ab.
Mit der Teilung sollten die Palästinenser einen eigenen Staat und die Möglichkeit der Selbstbestimmung erhalten. Auch das wurde abgelehnt.
Als das Datum der Abstimmung über die Teilung näher rückte, wurde klar, dass kaum noch Hoffnung auf eine politische Lösung dieses Problems bestand, das letztlich die Möglichkeiten der Politik sprengte: Die fehlende Bereitschaft der Araber, einen jüdischen Staat in Palästina zu akzeptieren, auf der einen und die Weigerung der Zionisten, sich mit weniger zufrieden zu geben, auf der anderen Seite. Die Unversöhnlichkeit der Araber trat klar zu Tage, als David Horowitz und Abba Eban, Vertreter der Jewish Agency, am 16. September 1947 bei einem Treffen mit Azzam Pascha, dem Sekretär der Arabischen Liga, einen letzten verzweifelten Versuch unternahmen, doch noch einen Kompromiss zu erzielen. Pascha erklärte frank und frei:
"Die arabische Welt ist zu keinem Kompromiss bereit. Ihr Vorschlag, Mr. Horowitz, mag durchaus vernünftig und logisch sein, doch über das Geschick von Völkern entscheiden nicht Vernunft und Logik. Völker machen keine Zugeständnisse; sie kämpfen. Mit friedlichen Mitteln oder Kompromissen erreicht man gar nichts. Wenn man etwas erreicht, dann durch Waffengewalt. Wir werden versuchen, euch zu schlagen. Ich bin nicht sicher, ob es uns gelingen wird, aber wir werden es versuchen. Es ist uns gelungen, die Kreuzfahrer zurückzuschlagen - andererseits haben wir Spanien und Persien verloren. Vielleicht werden wir auch Palästina verlieren. Doch es ist in jedem Fall zu spät, um noch von friedlichen Lösungen zu sprechen."
Zur Zeit der Teilungsresolution für Palästina im Jahr 1947 bildeten die Araber die Mehrheit im westlichen Palästina - das Verhältnis betrug 1,2 Millionen Araber zu 600000 Juden. Nur in dem Gebiet, das den Juden zugewiesen worden war, und in Jerusalem, gab es eine jüdische Mehrheit.
Vor dem Mandat 1922 war die arabische Bevölkerung Palästinas ständig zurückgegangen. Doch nachdem die Briten das Mandat über Palästina erhalten hatten, setzte ein stetiger Zustrom von Arabern aus den umliegenden Ländern ein. Ein weiterer Grund für die Zunahme der arabischen Bevölkerung lag darin, dass die jüdischen Siedler die Hygienebedingungen und die medizinische Versorgung in Palästina deutlich verbesserten.
Die Entscheidung, Palästina zu teilen, war nicht allein auf Grund demografischer Erwägungen gefallen, sondern basierte vor allem auf der Erkenntnis, dass die territorialen Ansprüche von Juden und Arabern unvereinbar waren, sodass die Schaffung zweier getrennter Staaten der logischste Schluss schien. Ironischerweise befürworteten die arabischen Mitglieder der Vereinten Nationen 1947 - im gleichen Jahr, in dem sie die Teilung Palästinas ablehnten - die Teilung des indischen Subkontinents und die Gründung des neuen, vorwiegend muslimischen Staates Pakistan.
Nach Beendigung des britischen Mandates am 14. Mai 1948 proklamierte das jüdische Volk die Errichtung des Staates Israel. Weniger als 24 Stunden später drangen die Armeen fünf arabischer Länder in den neuen Staat ein und lösten damit Israels Unabhängigkeitskrieg aus, der – mit Unterbrechungen - länger als ein Jahr geführt wurde. Bis Juli 1949 wurden zwischen Israel und jedem der arabischen Anrainerstaaten getrennte, auf den Feuereinstellungslinien basierende Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.
In der Erklärung zur Errichtung des Staates Israel heisst es: "Israel bietet allen Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und zu guter Nachbarschaft. Dieser Aufruf, von allen israelischen Ministerpräsidenten wiederholt, wurde entweder hartnäckig ignoriert oder zurückgewiesen. Terroristische Überfälle durch Araber auf israelische Siedlungen wurden fortgesetzt. Dies geschah mit Unterstützung und Förderung der arabischen Staaten, die ausserdem einen wirtschaftlichen und diplomatischen Boykott einleiteten, internationale Wasserstrassen für die israelische Schiffahrt blockierten und offenen Krieg provozierten: 1956 und 1967 reagierte Israel auf die vorsätzlichen Provokationen mit Präventivschlägen; 1973 wehrte Israel einen von den arabischen Nachbarstaaten an zwei Fronten gleichzeitig begonnenen Grossangriff ab. 1982 begann es mit Operationen gegen Stützpunkte von Terrorkommandos der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) im südlichen Libanon, die Ausgangspunkt für Terroranschläge auf die Zivilbevölkerung Nordgaliläas waren.
Die Kette ständiger Zurückweisungen wurde durch den Besuch des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat unterbrochen, der im November 1977 Jerusalem auf Einladung von Ministerpräsident Menachem Begin besuchte. Dieser Besuch mündete in Verhandlungen, die am 26. März 1979 zur Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel führten sowie zur Formulierung des Camp-David-Abkommens, in dem man sich auf Rahmenbedingungen für einen Frieden im Nahen Osten und eine Form der Selbstverwaltung für die Palästinenser in Judäa, Samaria und Gaza verständigte.
Am 30. Oktober 1991 wurde eine Nahostfriedenskonferenz in Madrid einberufen, die Vertreter Israels, Syriens, des Libanons, Jordaniens und der Palästinenser zusammenbrachte. Der formalen Eröffnung folgten bilaterale Verhandlungen zwischen den Parteien und multilaterale Gespräche über regionale Fragen.
Ein bedeutender Durchbruch war die Prinzipienerklärung (September 1993), die von Israel und der PLO (als Repräsentantin des palästinensischen Volkes) unterzeichnet wurde und in der die Regelungen für Palästinenser im Westjordanland und in Gaza umrissen werden. In der Folge wurde in Gaza und Jericho eine palästinensische Selbstverwaltung eingesetzt (1994), die mit der Unterzeichnung des Interimabkommens (1995) auf zusätzliche Gebiete des Westjordanlandes ausgedehnt wurde.
Zu einer weiteren Annäherung in der Region kam es, als Israel und Jordanien den 46 Jahre währenden Kriegszustand zwischen beiden Ländern beendeten (Juli 1994) und in der Folge einen Friedensvertrag unterzeichneten (Oktober 1994), der zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern führte. Der Impuls des Friedensprozesses hat auch den Weg für einen Ausbau der Kontakte und Beziehungen zu anderen arabischen Ländern geöffnet.
Im Januar 1997 unterzeichneten Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde das Hebron-Protokoll, und Israel verlegte seine Truppen in diesem Gebiet; im Oktober 1998 unterzeichneten beide Seiten das WyeRiver-Memorandum, und Israel vollzog die erste Phase der hier vereinbarten Truppenverlegung. Im September 1999 unterschrieben Israel und die PLO das Memorandum von Sharm el-Sheikh. Seither hat Israel weitere Truppenverlegungen durchgeführt, Gefangene entlassen, eine gesicherte Transitstrecke im Süden eröffnet und die Gespräche über die endgültige Regelung des permanenten Status wieder aufgenommen.
Ein Gipfeltreffen in Camp David im Juli 2000 scheiterte leider an der Weigerung der Palästinenser, die weitreichenden und präzedenzlosen Vorschläge für eine Lösung des Konfliktes, die von den USA unterbreitet worden waren, zu akzeptieren.
Arabischer und palästinensischer Terrorismus führte über Jahrzehnte zu Tausenden von Toten. Im September 2000 initiierten die Palästinenser eine Welle von wahllosem Terror und von Gewalt, die auf beiden Seiten zum Verlust von vielen Leben und zu Leid führte. Zahlreiche Anstrengungen, die Gewalt zu beenden und den Friedensprozess zu erneuern scheiterten aufgrund des andauernden und eskalierenden palästinensischen Terrors, unterstützt von der Palästinensischen Autonomiebehörde. Israel akzeptierte die Vorschläge zur Beendigung des palästinensischen Terrorismus, die von dem US Präsidenten George W. Bush in seiner Rede am 24. Juni 2002 vorgestellt wurden, denen eine endgültige Regelung aller Sachfragen und des Friedens folgen muss.
Chaim Stolz, PhD (2010)
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