Wochenfest- Am 6. und 7. Siwan findet das Wochenfest (Schavuot) statt. Es hat - wie die beiden anderen Wallfahrtsfeste - eine doppelte Bedeutung, eine auf die Natur bezogene und eine historische.
In der biblischen Zeit war Schawuot nur das "Fest der Erstlinge" und es wurden an diesem Tag im Jerusalemer Tempel zwei Weizenbrote geopfert, die aus dem Mehl der neuen Ernte hergestellt worden waren.
Auch die Erstlinge anderer landwirtschaftlicher Produkte durften erst von Schawuot an als Opfer dargebracht werden. An dieses mit dem bäuerlichen Leben verknüpfte Fest der Erstlinge erinnert noch heute der Brauch, zu Schavuot die Synagogen mit frischem Grün und mit Blumen auszuschmücken.
Von weit grösserer Bedeutung ist der religiös-historische Inhalt des Wochenfestes geworden. Nach der talmudischen Überlieferung ist Schavuot die Zeit der Verkündung der zehn Gebote am Berg Sinai, des ersten umfassend formulierten Sittengesetzes in der Geschichte der Menschheit, das sich auf eine als ewig gesetzte Norm gründet.
Auf der Anerkennung dieser Gebote durch die Israeliten beruht der Bund zwischen Gott und dem Volke, das von Gott erwählt wurde, einen besonderen Auftrag zu erfüllen: die göttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu verbreiten.
Die Erwählung Israels, die Vorstellung von der besonderen Rolle der Juden besteht in der Erfüllung dieser speziellen Aufgabe, als ein heiliges, Gott verpflichtetes Volk zu leben, stellt also eine besondere Verpflichtung dar. In diesem Sinne ist die Formulierung "auserwähltes Volk" zu verstehen, nicht aber bedeutet sie ein Vorrecht der Juden gegenüber anderen Menschen.
Jüdische Festtage
- Fest der Wochen.
- Fest der Übergabe der Tora.
- Fest der Erstlingsfrüchte.
- Fest der Weizenernte.
- Das Schawuotfest findet am 6. Siwan statt.
Im Jahre 2009 fällt das Schawuotfest auf den 29. und 30. Juni.
"Schawuot" heisst "Wochen". Diese Bezeichnung verdankt das Schawuotfest den sieben Wochen, die man vom Pessachfest bis zu ihm zählen soll: "Und ihr sollt für euch vom Tage nach diesem Schabbat an ... sieben volle Schabbate zählen ...und sollt eben diesen Tag als heilige Berufung ausrufen" (Lev. 23,15-21). Neben dem Namen Schawuot (Ex. 34,22) bezeichnet die Tora dieses Fest auch als den Tag der Erstlingsfrüchte (Num. 28,26) sowie - im Hinblick auf die um diese Zeit stattfindende Weizenernte - als Erntefest (Ex. 34,22). In der mündlichen Lehre wird es mit dem Tag der Toraübergabe identifiziert, an dem die zehn Gebote vom Berg Sinai verkündet wurden ( Talmud Pessachim 68b). Dies ist die in religiöser Hinsicht grundlegendste Bedeutung dieses Festes und so ist es auch in die jüdischen Gebetbücher eingegangen.
Die Bedeutung des Festes
Fest der Wochen
Die Tatsache, dass Schawuot - als einziger unter den von der Tora vorgeschriebenen Feiertagen - zeitlich nicht durch ein Monatsdatum, sondern durch den siebenwöchigen Abstand von einem ihm vorangehenden "Schabbat" bestimmt wird, verdient Beachtung. Die Überlieferung identifiziert diesen "Schabbat" - nicht ganz unangefochten - mit dem ersten Tag des Pessachfestes (Talmud Menachot 65a-66a).
Sieben Wochen werden von Pessach bis Schawuot gezählt.
Dieses sog. Omer-Zählen findet nicht nur im Geiste, sondern im Rahmen des täglichen Abendgebets auch tatsächlich statt. Wer Tage und Wochen zählt, lebt in Erwartung. Der Zeit des Omer-Zählens haftet daher seit der Zeit, da die Juden auf dem Weg aus Ägypten zum Berg Sinai waren, der Stempel des "unterwegs" an.
So wie damals warten die Juden jedes Jahr von neuem auf die Toraübergabe, denn der alljährlich immer wieder nachvollzogene Auszug aus Ägypten sollte kein der bloßen nationalen Befreiung dienender Selbstzweck sein, sondern einem geistigen Ziel dienen.
Darüber wird Moses gleich zu Beginn seiner Sendung, die ihm gerade am Berg Sinai auferlegt wird,
unterrichtet: "Wenn du das Volk aus Ägypten führst, werdet ihr Gott an diesem Berge dienen" (Ex. 3,12).
Auch Pharao wird über den Zweck der von ihm geforderten Befreiung der Juden nicht im Unklaren gelassen: "Lass Mein Volk ziehen, dass sie Mir in der Wüste ein Fest feiern" (Ex. 5,1).
Die Tage des Omer-Zählens gelten daher auch als eine Reifeperiode. In ihnen reift im Lande Israel der Weizen, das für den Menschen wichtigste Getreide (Carlebach 1939). Gegen Schawuot ist er dann erntereif und so ist Schawuot auch das Erntefest, "Chag Hakazir".
Mit dem landwirtschaftlichen soll indes auch ein entsprechender geistiger Reifeprozess einhergehen. Auch dieser braucht Zeit: Im Laufe von sieben Wochen soll sich die Freiheit von der Knechtung zur Freiheit zur Berufung steigern. Das Pessachfest, das im Zeichen der Freiheit von der Knechtschaft steht, mündet im Schawuotfest, an dem das jüdische Volk die zehn Gebote entgegennimmt, mit denen es der Freiheit zur Berufung entgegenreift.
Das Fest der Toraübergabe (Chag Matan Tora)
Die zehn Gebote
An Schawuot stand das jüdische Volk am Berg Sinai und hörte dort Gottes Verkündung der zehn Gebote, die Moses anschließend auf zwei steinernen Tafeln übergeben wurden. Die Entgegennahme dieser Gesetzestafeln durch Moses wird im Talmud auf eine bezeichnende Weise beleuchtet:
"Als Moses aufstieg, die Tora zu empfangen, sprachen die Engel zu Gott: Herr der Welt, was soll denn der Menschengeborene unter uns? Er aber sprach zu ihnen: Er kommt die Tora entgegenzunehmen. Da sprachen sie: Dieses kostbare Kleinod ... willst Du Fleisch und Blut geben?! ... Da sprach Gott zu Moses: Antworte du ihnen. ... Moses sprach dann: Herr der Welt, was steht denn in dieser Deiner Tora: ...
'Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat' ... seid ihr Engel denn aus Ägypten herausgeführt worden?! ... Was steht noch darin? ... 'Ehre Vater und Mutter' ... habt ihr denn Vater und Mutter?! Weiter: 'du sollst nicht morden, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen' ... habt ihr denn mit Neid oder mit dem bösen Trieb zu kämpfen?! Da lenkten die Engel sofort ein ..." (Schabbat 89a).
Dieser Midrasch führt uns anhand der zehn Gebote vor Augen, wie sehr sich im Judentum höchste geistige Wahrheit - die Tora - gerade im Bereich des Allermenschlichsten verwirklichen muss. Nicht auf himmlischen Höhen soll der Mensch wandeln, nicht nach überirdischen Sphären soll er trachten.
Seine "condition humaine", seine Körperhaftigkeit, sein "So-und-nicht-anders-Sein" gilt dem Judentum nicht als ein abschüttelnswertes Ärgernis, es ist vielmehr gottgewollt: "Und Gott sah alles, was er geschaffen hat, und siehe es war sehr gut" (Gen. 1,31).
Am Allermenschlichsten - nicht darüber und nicht daneben - soll sich die Religion entwickeln. Der Geist soll den Körper nicht überflüssig machen sondern durchdringen, das Erhabene soll das Alltägliche nicht verdrängen sondern gerade in ihm seine Verwirklichung suchen.
Gerade der Alltag mit all seinen Versuchungen und existenziellen Unzulänglichkeiten - wirtschaftlicher Druck, gesellschaftliche Normen, körperliche und seelische Bedürfnisse - dient dem Judentum als die Matritze, auf der sich Heiligkeit entfalten soll, mehr noch: nur dort kann sie sich in Wahrheit entfalten (Raw Soloweitschik , Isch Hahalacha).
Die zehn Gebote sind (in Kurzfassung):
1. Ich bin der Ewige dein Gott 6. du sollst nicht morden
2. du sollst keine Götzen neben Mir haben 7. du sollst nicht ehebrechen
3. du sollst den Namen Gottes nicht entweihen 8. du sollst nicht stehlen
4. Halte den Schabbattag ein 9. du sollst nicht Meineid schwören
5. Ehre Vater und Mutter 10. begehre nicht, was deines Nächsten ist
Auf zwei Gesetzestafeln wurden die zehn Gebote gegeben. Auf der ersten sind Gebote zwischen Mensch und Gott verzeichnet, auf der zweiten zwischenmenschliche Gebote (Rabbi Josef Albo , Sefer HaIkarim, 15. Jh.).
Wenngleich die jüdische Überlieferung besonderen Nachdruck gerade auf zwischenmenschliche Gebote legt (Mischna Joma 8,9), so lässt sich das Judentum nicht auf sie reduzieren. Gebote zwischen Mensch und Gott gelten vielmehr manchen jüdischen Religionsphilosophen als die Eigenart des Judentums besonders kennzeichnend (Jehuda Halevi , Sefer HaKusari 2,48, 12. Jh.). In ihnen kommt die jüdische Beziehung zu Gott als einem direkt anzusprechenden "Du" zum Ausdruck.
Beachtenswert ist der Umstand, dass das auf der ersten Gesetzestafel befindliche Gebot "Ehre Vater und Mutter" mithin zu den Geboten zwischen Mensch und Gott gehört. Dies kann als ein Hinweis darauf angesehen werden, dass die Eltern-Kinder-Beziehung Elemente enthält, die sich nicht einfach in den Rahmen der üblichen zwischenmenschlichen Beziehungen einordnen lassen, sondern diese transzendieren.
Die zehn Gebote nehmen, obgleich in einer öffentlichen Theophanie verkündet, im Leben des Juden keinen prominenteren Platz ein als die insgesamt 613 Toragebote , die nach jüdischer Überlieferung Moses am Berg Sinai für die Juden übergeben wurden. Die betonte Einreihung der zehn Gebote unter die anderen Toragebote (Talmud Berachot 12a) hinderte die jüdische Religionsphilosophie nicht daran, sie zuweilen als die Essenz der Tora zu betrachten (Rabbi Saadja Gaon).
Ihre Verbreitung auf der Welt verdanken die zehn Gebote in einem hohen Maße ihrer Übernahme und Bekanntmachung durchs Christentum.
Die 613 Gebote
Das traditionelle Judentum ist nach seinem Selbstverständnis in der Hauptsache eine Gesetzesreligion . Als Gesetzesreligion kann eine Religion definiert werden, die auf den Menschen in erster Linie durch verpflichtende Ge- und Verbote einzuwirken sucht.
Die am Berg Sinai offenbarte Tora gibt den Juden 248 Gebote und 365 Verbote auf (Talmud Makot 23b), so dass "jedes der (nach jüdischer Tradition 248) Glieder des Körpers den Menschen ermuntert: 'Erfülle die Gebote', während ihn jeder einzelne Tag des Jahres ermahnt: 'Hüte dich, ein Verbot zu übertreten'" (Raschi z.St.). Mit Geboten gerüstet soll sich der Jude in der komplexen Wirklichkeit seinen Lebensweg bahnen.
Bereits Gottes allererste Hinwendung zum Menschen geschah nach dem Zeugnis der Bibel per Gebot: "Und Gott gebot dem Menschen:
Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse sollst du nicht essen" (Gen. 2,16-17). Sieben Gebote gab Er nach jüdischer Überlieferung der Gesamtmenschheit auf (Sanhedrin 56a-57a). Sein Volk aber bedachte Er mit 613 Geboten.
Die Gebote enthalten überwiegend Forderungen ans menschliche Handeln, denn das Judentum will den Menschen formen. Dass sich gerade "des Menschen Handlungen prägend auf sein Bewusstsein auswirken" (Sefer Hachinuch), gilt als ein bekanntes Motiv der jüdischen Religionsphilosophie.
Im Hinblick auf die durch die sinaitische Gesetzgebung erzielte Prägung des jüdischen Menschen und jüdischen Volkes formulierte es Heinrich Heine in seinen späten Tagen einmal so:
"Ich hatte Moses früher nicht sonderlich geliebt, wahrscheinlich weil ... ich dem Gesetzgeber der Juden seinen Hass gegen alle Bildlichkeit ... nicht verzeihte. Ich sah nicht, dass Moses ... den wahren Künstlergeist besass ... Aber nicht wie die Ägypter formierte er seine Kunstwerke aus Backstein und Granit, sondern er baute Menschenpyramiden, er meisselte Menschen-Obelisken, ... ein Volk Gottes, das ... der ganzen Menscheit als Prototyp dienen konnte: Er schuf Israel!" (Geständnisse, 1854).
Der Jude soll die ihn prägenden Gebote daher nicht als Belastung, sondern als Ausdruck der besonderen Beziehung seines Volkes zu Gott, letztendlich als Ausdruck ihm erwiesener göttlicher Liebe empfinden: "Mit grosser Liebe liebtest Du uns, Ewiger unser Gott", eröffnet ein bekannter jüdischer Gebetstext und fährt sogleich fort, diese Liebe zu erläutern: "Tora und Gebote, Vorschriften und Gesetze gabst Du uns".
Das Fest der Toraübergabe und die Schrift
Die dem Wochenfest zugeschriebene Rolle als Fest der Toraübergabe entstammt der mündlichen Lehre , wird in der Schrift selbst jedoch nicht erwähnt - in ihr wird Schawuot lediglich als Fest der Erstlingsfrüchte bzw. der Weizenernte angesprochen. Dennoch lassen sich auch in der Schrift einige Anhaltspunkte für Schawuot als Fest der Toraübergabe finden (D.Z. Hoffmann zu Lev. 23,21):
* Der Auszug aus Ägypten wird in Buch Exodus immer wieder als einem bestimmten Ziel dienend dargestellt: das jüdische Volk soll bei einem feierlichen Anlass Gott in der Wüste gegenübertreten (Ex. 3,12; 5,1; 7,16; 10,9; 10,25-26).
Nach Ex. 19,1-16 fand dieses ausdrücklich als "Fest" (Ex. 5,1; 10,9) anvisierte Ereignis, die Offenbarung am Berg Sinai, im dritten Monat, d.h. dem Monat des Schawuotfestes statt.
* In Dt. 4,9-10 ermahnt Moses das jüdische Volk in Gottes Namen, jenen denkwürdigen Tag, "als du vor dem Ewigen deinem Gott am Horeb (= Sinai) standst", niemals zu vergessen und sein Andenken für alle Generationen zu bewahren.
* Rein landwirtschaftliche Feste ohne religiösen Charakter sind der Tora fremd. So schreibt sie dem ersten und dritten Wallfahrtsfest, Pessach und Sukkot , neben einer landwirtschaftlichen (Ex. 23,15-16; 34,18 u. 22) ausdrücklich auch eine geistig-spirituelle Funktion zu (Ex. 12,14-17; Lev. 23,42-43).
Die Annahme, dass auch das zweite landwirtschaftliche Wallfahrtsfest nicht zufällig im Monat der Toraübergabe stattfindet, mit jener - die ja nicht vergessen werden darf (Dt. 4,9) - vielmehr zusammenfällt, dürfte daher nicht allzu fernliegend sein. Erst dadurch gewinnt auch das Schawuotfest den für die Wallfahrtsfeste so charakteristischen landwirtschaftlich-geistigen Doppelcharakter.
Immerhin stellt sich die Frage nach dem Grund, warum das Wochenfest als einziges der drei Wallfahrtsfeste seine geistig-spirituelle Bedeutung - seine Funktion als Fest der Toraübergabe - nicht ausdrücklich aus der schriftlichen, sondern aus der mündlichen Lehre bezieht.
Gesetzestreue jüdische Denker (S.R. Hirsch, Carlebach 1927) sehen gerade darin einen Beleg für die Zentralität der mündlichen Lehre im Judentum, die am Fest der Toraübergabe ganz besonders betont werden soll:
"Und nun siehe! Die Gedächtnisfeier dieser Tora, ... dieser einzigen Bedingung unserer ganzen Existenz, ohne welche alle die Güter, denen die übrigen Feste geweiht sind ... Dasein und Bedeutung verlören, gerade sie ist mit keinem Wörtchen in dem schriftlichen Gottesworte erwähnt, nur der mündlichen Überlieferung verdanken wir das Offenbarungsfest der schriftlichen Lehre ...
Die schriftliche Lehre selber gibt sich preis, so wir die mündliche verleugnen möchten ... So will die schriftliche Lehre nur gefeiert werden in einem Kreise, den der lebendige Hauch des gleich ihr göttlichen Wortes der mündlichen Lehre durchweht, und setzt das Dasein dieser mündlichen Überlieferung als Vorbedingung ihrer eigenen Existenz in Israel. So kündet sich die schriftliche Lehre selber an als getragen und verbürgt durch die mündliche Lehre (S.R. Hirsch, Gesammelte Schriften 1).
Die Bedeutung der mündlichen Lehre
Die schriftliche jüdische Lehre, die Tora, wurde seit jeher von der sog. mündlichen Lehre begleitet. Diese wurde den Juden nach jüdischer Tradition in ihrem Kern ebenfalls am Berg Sinai gegeben und von da an nach bestimmten ihr inherenten Prinzipien stetig weiterentwickelt.
Diese ursprünglich nur mündlich weiterzugebende Lehre (Talmud Temura 14b) wurde schliesslich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten niedergeschrieben. Das umfassendste Werk der mündlichen Lehre stellt der Talmud dar. Die vom pharisäischen Judentum vertretene Autorität der mündlichen Lehre war im Laufe der Geschichte die Hauptzielscheibe sowohl äusserer als auch innerer Angriffe auf das überlieferte Judentum.
So wurde die mündliche Lehre gleichermassen von Sadduzäern, Samaritanern, Christen und Karäern in Frage gestellt. Ihre Autorität wird heute in aller Entschiedenheit vom orthodoxen Judentum und Teilen des Reformjudentum anerkannt.
Die Unumgänglichkeit einer mit der schriftlichen einhergehenden mündlichen Überlieferung wird im Talmud (Schabbat 31a) anhand einer Begebenheit illustriert:
"Es war einmal ein Nichtjude, der vor Schamaj trat und fragte: 'Wieviele Lehren habt ihr?" Dieser antwortete ihm: 'Zwei, eine schriftliche und eine mündliche Lehre'. Da sprach der Fremde: 'Die schriftliche nehme ich dir ab, die mündliche nicht. Lass mich zum Judentum übertreten, bringe mir jedoch nur die schriftliche Lehre bei'.
Da sandte ihn Schamaj entrüstet von sich. Daraufhin trat der Fremde (mit demselben Anliegen) vor Hillel. Dieser nahm ihn an (und fing sogleich an ihn zu unterrichten). Am ersten Tag brachte er ihm (das Alphabet) bei: Alef, Bet, Gimmel, Dalet ... Am nächsten Tag lehrte er es genau umgekehrt. Da wunderte sich der Schüler: 'Gestern lehrtest du es doch ganz anders'. Hillel aber antwortete ihm: 'So wie du dich auf mich in dieser Sache verlassen musstest, sollst du dich auf mich auch im Hinblick auf die mündliche Lehre verlassen'".
Dieser Midrasch will besagen, dass uns mündliche Traditionen jeglicher Art - wie z.B. die Überzeugung, dass ein "A" auch tatsächlich als "A" und nicht als "B" gesprochen wird - überall unmerklich begleiten. Eine grundsätzliche Ablehnung jeglicher mündlichen Überlieferung, so Rabbi Saadja Gaon (882-942), kann sich ohnehin keine Kultur leisten, denn dann würde ja keiner darauf vertrauen, dass "seine Mutter auch tatsächlich seine Mutter, geschweige denn sein Vater sein wirklicher Vater ist" (Emunot Wedeot).
Dennoch versteht es sich von selbst, dass eine nur mündlich überlieferte Lehre über Generationen hinweg in vielerlei Hinsicht anfälliger ist als eine schriftliche: Sie kann leichter vergessen, missverstanden und verfälscht werden. Trotzdem kann eine auf göttlicher Offenbarung beruhende Lehre, die für alle Zeiten Gültigkeit beansprucht, nicht auf sie verzichten. Denn die Realität enthält unerschöpflich viele Entwicklungsmöglichkeiten, jede zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt schriftlich fixierte Lehre kann aber geradezu per definitionem nicht alle diese Möglichkeiten ausformulieren.
Nur eine von Toragelehrten auf Grund bestimmter Richtlinien sicher gehandhabte mündliche Überlieferung kann ewigen Prinzipien immer wieder neue Applikationen abgewinnen. Dies ist die Essenz der mündlichen Lehre. Diese bewahrt selbst in ihrer schriftlichen Form in gewisser Hinsicht ihren mündlichen Charakter, indem sie auch nach ihrer Niederschreibung (=Mischna und Talmud) einem bloßen Leser ohne die Anleitung eines Lehrers meist unverständlich bleibt.
Die Bedeutung der mündlichen Lehre im Judentum kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und wird daher immer wieder hervorgehoben. So gilt sie als der eigentliche Garant für die Unaustauschbarkeit Israels, das sich allein in deren Besitz weiss (Midrasch Bamidbar Rabba 14), als der unverfälschte Geist des Judentums (S.R. Hirsch, Die 19 Briefe, 18. Brief), ja als die unverzichtbare Voraussetzung für die Annahme der schriftlichen Lehre (A.I. Kook, Orot).
Das Torastudium
Das Studium der Tora - worunter das ganze breite Spektrum der mündlichen und schriftlichen Lehre verstanden wird - ist im Judentum ein Wert an sich. Die oftmals betonte Praxisorientiertheit der jüdischen Lehre, d.h. die Forderung, dass die in der Tora gelernten Gebote und Lehrsprüche verinnerlicht und befolgt werden müssen - ja als blosser unverbindlicher Wissenserwerb mehr schaden als nützen (Midrasch Wajikra Rabba 35) - steht hierzu nicht im Widerspruch. Im Gegenteil.
Gerade weil die Tora so praxisbezogen ist, weil sie dem Juden mehr als ein Interessensgebiet, mehr als ein "Studienfach" sein, vielmehr sein ganzes Leben durchdringen und alles andere zur Nebensache machen soll (Carlebach, 1934), gerade das macht sie zu einem Wert an sich. Im Idealfall soll ein Leben ohne Torastudium für den Juden genauso unvorstellbar sein wie ein Leben an Land für die Fische (Talmud Berachot 61b).
Die Nacht des Schawuotfestes
Nach einem weit verbreiteten Brauch wird die Nacht des Schawuotfestes dem Torastudium gewidmet. In vielen Gemeinden wird ein gemeinschaftliches, die ganze Nacht währendes Lernen organisiert, das sich entweder an einer als "Tikun Lejl Schawuot" bezeichneten Textsammlung orientiert oder frei gestaltet wird.
Das gemeinschaftliche, bis zum Morgengebet währende Studium soll im jüdischen Menschen alljährlich immer wieder dieselbe freudige Erwartungshaltung wecken, die einem derart grossen Ereignis wie der Toraübergabe zusteht. Aus dem Torastudium heraus empfängt man die Tora alljährlich immer wieder neu, um so ihre ewige Aktualität zu bekunden.
"Und es seien diese Worte, die Ich dir heute auftrage, auf deinem Herzen
" (Dt. 6,6) - für die Tora ist immer "heute" und so soll sie daher vom Juden auch stets aufgenommen werden: als ein soeben eingetroffener, brandaktueller und auf unsere dringendsten Anfragen und Bedürfnisse Bezug nehmender Brief von Gott (Raschi z.St.).
Das Fest der Erstlingsfrüchte und der Weizenernte
Von Schawuot an wurden von den Landwirten Israels die Erstlingsfrüchte des Landes im Tempel dargebracht. Es handelt sich hierbei um die Erstlinge der sieben Fruchtarten, durch die sich nach Dt. 8,8 das Land Israel besonders auszeichnet: Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln (Mischna Bikurim 1,3).
Am Schawuotfest wurden im Tempel darüberhinaus zwei aus dem neuen Weizen gebackene Brote dargebracht (Lev. 23,17), mit denen gewissermassen die neue Weizenernte geweiht wurde. Schawuot ist mithin ein Fest der Freude über den Ertrag des Landes, ja über das Land als solches.
Denn nur so ist das zentrale Motiv der dem Landwirt beim Darbringen der Erstlingsfrüchte von der Tora auferlegten Rezitation (Dt. 26,5-11) zu verstehen, worin der geradezu hoffnungslose Zustand der Vorfahren, die als landlose Fremde anderen Völkern ausgeliefert waren, mit der Idylle des auf eigenem Boden sitzenden Volkes kontrastiert wird: "Dem Untergang nahe war mein Vater, da zog er nach Ägypten...
Die Ägypter indes misshandelten uns...
Da schrieen wir zu Gott ... und Er erhörte unsere Stimme ... und gab uns dieses Land, darin Milch und Honig fließt. So bringe ich nun die Erstlinge des Bodens dar, den Du mir gegeben hast, Herr
". In dieser Hinsicht kann auch das ursprüngliche Schawuotfest in der Sinai-Wüste als eine Vorbereitung auf die in Aussicht gestellte baldige Landnahme angesehen werden. Denn nur im Lande Israel lässt sich die Tora vollständig verwirklichen (Talmud Sota 14a; Nachmanides zu Lev. 18,25).
Wenn beim Auszug aus Ägypten mithin die Erwartung, bald Gottes Tora zu empfangen, massgebend war, so geschah die Toraübergabe ihrerseits bereits im Hinblick auf das Land Israel, dessen Inbesitznahme den Juden zwecks der nur darin möglichen optimalen Erfüllung der Tora anbefohlen wurde. Der landwirtschaftliche Charakter des Schawuotfestes als Erntefest weist daher über sich selbst hinaus: er bringt die Zentralität des Landes Israel für das Judentum zum Ausdruck.
Das Buch Ruth
An Schawuot wird in den Synagogen das Buch Ruth gelesen. Dieses Buch stellt ein einzigartiges Zeugnis des Innenlebens des jüdischen Volkes in der noch vorköniglichen Zeit dar. In keinem anderen Buch der Bibel erhält der Leser einen solchen Einblick in den Alltag im Land Israel zu jener Zeit (Carlebach, 1928).
Die innere Beziehung des Buches Ruth zum Schawuotfest ist vielfältig. Die Weisen bemerken, dass dieses Buch von allen anderen Büchern der Bibel durch eine besondere, in ihm immer wieder zur Sprache kommende Eigenschaft herausragt: "Chessed", die selbstlose Nächstenliebe (Midrasch Ruth Rabba 2). Gerade sie wird auch als die Essenz der an Schawuot proklamierten Tora angesehen: "Rabbi Akiwa sprach: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst' (Lev. 19,18) - das ist ein Grundprinzip der Tora" (Bereschit Rabba 24). Es mag kein Zufall sein, dass gerade dieser Vers aus der Tora als der auf der ganzen Welt wohl bekannteste Ausspruch der Heiligen Schrift gilt.
Eine weitere Beziehung zwischen dem Buch Ruth und dem Schawuotfest lässt sich am Status der Heldin dieses Buches, der Moabiterin Ruth aufzeigen. Ruth gilt als der Prototyp einer echten AkiwaProselytin: eine aus tiefster Überzeugung zum Judentum übertretende Nichtjüdin, die selbst das bitterste Schicksal auf sich zu nehmen bereit ist, nur damit "dein Volk mein Volk und dein Gott mein Gott" wird (Ruth 1,16). Auch die Juden zeichnete bei der Toraübergabe dieselbe unbedingte Bereitschaft aus, das "Joch des Himmelreiches" anzunehmen (Midrasch zu Ex. 24,7).
Die zentralen Teile des Buches Ruth spielen sich zur Zeit der Gersten- und der Weizenernte ab (Ruth 1,22; 2,23; 3,2). Dies ist auch die Zeit des Schawuotfestes. Gerade zu dieser Ertrag bringenden Jahreszeit, in der sich das Land Israel von seiner besten Seite zeigt, kommt auch die Moabiterin Ruth, die die Tora auf sich nimmt, im Lande Israel zur vollen Blüte.
So wurde gerade Ruth das Verdienst zuteil, "Mutter der Monarchie" zu werden (Bawa Batra 91b). Denn aus ihr ging später, in der dritten Generation, der König David hervor (Ruth 4,22), der nach jüdischer Tradition an Schawuot geboren wurde und an Schawuot auch starb (Jerusalemer Talmud Chagiga 2,3). David begründete das einzige legitime Königsgeschlecht in Israel, aus dem nach jüdischer Überlieferung der Messias hervorgehen wird (Sukka 52a).
Festbräuche
Am Tag der Übergabe der Tora, der "Lehre des Lebens", kleidete sich nach jüdischer Überlieferung der Wüstenberg Sinai ausnahmsweise in ein üppig-grünes Flora-Kleid. An Schawuot pflegt man daher die Häuser und Synagogen mit grünen Blättern und Zweigen zu schmücken. Denn die Tora ist nichts anderes als der im Garten Eden erwähnte "Baum des Lebens" (Gen. 2,9): "Mein Sohn, vergiss die Tora nicht ....denn ... ein Baum des Lebens ist sie allen, die an ihr festhalten" (Sprüche 3,1; 3,18).
Ein weiterer Schawuot-Brauch besteht darin, an diesem Fest Milchgerichte zu essen, denn am Tage der Toraübergabe wurden die Juden neben anderen Geboten zum ersten Mal auch zum Einhalten einer koscheren Küche verpflichtet, deren Hauptmerkmal die Trennung zwischen milchigen und fleischigen Speisen ist. Da die Zubereitung einer koscheren Fleischmahlzeit mit zusätzlichen Beschränkungen verbunden ist, assen sie am Tag der Toraübergabe erstmal "milchig".
Mit dem Einsetzen des zionistischen Aufbauwerks gewann auch das mit der Landwirtschaft des Landes Israel verbundene Fest der Erstlingsfrüchte wieder an Bedeutung. Mit dieser Bedeutung konnten sich auch die Pioniere der zionistischen Bewegung identifizieren, so dass das Schawuotfest insbesondere in vielen landwirtschaftlichen Siedlungen als Erntedankfest begangen wird.
Charakter und Namen des Festes
Wenn du in das Land kommst, welches dir der Ewige zum Erbbesitze geben will, und du es in Besitz genommen und dich darin angesiedelt hast... (Deuteronomium 26,1)
Vielleicht mehr als jedes andere Fest verkörpert Schawuot die ausserordentliche Verbindung der spirituell-religiösen und irdisch-materiellen Seiten des jüdischen Volkes.
Das Fest Matan Tora, der Übergabe unserer Tora, als die Kinder Israels freiwillig und bewusst ein System von Gesetzen, welche die Tora ausmachen, annahmen, die Infrastruktur ihrer spirituellen und moralischen Existenz, ist auch das Fest, das die enge Verbindung mit dem täglichen Leben des Volkes ausdrückt. Als dieses Volk Eretz Israel betrat, begann es ein Leben als Bauern, kultivierte den Boden und war mit allen Aspekten der Natur, ihrer Jahreszeiten und ihrer Manifestationen verbunden.
Als wir vor der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels unser Land bebauten, war Schawuot vor allem das Fest der Erstlingsfrüchte und der Weizenernte. Im Exil wurde vor allem die Tatsache betont, dass Schawuot an die Übergabe der Tora erinnert.
Als das jüdische Volk vor wenigen Generationen in sein Land zurückkehrte, kehrte es auch zu einem Leben in der Natur zurück und bearbeitet den Boden im eigenen unabhängigen Staat. Schawuot wurde abermals auch ein Erntefest, ein Fest der Früchte unseres Bodens, das Fest der Blumen und Pflanzen - und dies passt gut mit dem Chag Matan Tora zusammen.
Nur in Israel kann Schawuot im vollen Sinn gefeiert werden, mit seiner vollständigen Bedeutung.
Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass die spirituelle und moralische Grundlage unserer Tora immer auf den Prinzipien des Landbesitzes in Israel und der Kultivierung des Bodens basierte:
Wenn du in das Land kommst, welches dir der Ewige zum Erbbesitze geben will, und du es in Besitz genommen und dich darin angesiedelt hast...
Die Tora Israels, die dem Volk am Berg Sinai zu Schawuot übergeben wurde, kann nur dann vollständig und getreu gelebt werden, wenn wir die Vorschrift der Alijah nach Israel erfüllen und dort leben.
Schawuot, Chag Matan Tora, wird in der Tora als Fest der Natur und der Landwirtschaft bezeichnet. Zu Pesach erinnern wir uns an den Exodus unserer Vorväter aus Ägypten, aus der Knechtschaft in die Freiheit. Nach Monaten der Wüstenwanderung kamen die Kinder Israels am Berg Sinai an, wo ihnen der Ewige durch Moses als Vermittler die Tora übergab.
Da den Kindern Israels zu Schawuot die Tora übergeben wurde, wird das Fest auch Chag Matan Tora genannt. Unsere Weisen betonen, dass die Kinder Israels erst durch die Tora ein freies Volk wurden. Unsere Vorväter empfingen die Tora freiwillig und bewusst. (Exodus 24,7)
Gemäss der Tradition wurde die Tora im Jahr 2448 nach der Erschaffung der Welt gegeben.
Zu Schawuot beendete das Volk Israel die Gerstenernte und begann mit der Ernte des Weizens, denn in Eretz Israel signalisiert der Monat Siwan das Ende des Frühlings und den Beginn des Sommers.
Die drei Wallfahrtsfeste
Fest
Jahreszeit
Biblische Quelle
Pesach - Das Frühlingsfest Ende des Winters - Beginn des Frühlings "Sieben Wochen sollst du dir abzählen; von da, wo man die Sichel an das Getreide legt, sollst du mit dem Zählen der Wochen beginnen." (Deut. 16,9)
Schawuot - Das Fest der ersten Fruchternte Ende des Frühlings - Beginn des Sommers "Auch das Wochenfest sollst du feiern zur Zeit der Erstlinge der Weizenernte. (Ex. 34,22)
Sukkot - Das Fest des Einsammelns Ende des Sommers - Beginn des Herbstes "Ferner das Fest der Lese am Ende des Jahres, wenn du deine Früchte vom Feld eingeholt hast. (Ex. 23,16) "Wenn du den Ertrag von deiner Tenne und Kelter einbringst. (Deut. 16,13)
Drei Mal im Jahr pilgerten unsere Vorväter zum Tempel in Jerusalem, um die Früchte der Erde dem Ewigen als Opfer darzubringen.
Es gibt eine weitere wichtige Bedeutung im "Timing" von Schawuot, zwischen dem Omer und der Ernte. Das Fest wurde Ende einer siebenwöchigen Periode plaziert, der Zeit der Omerzählens, das am ersten Zwischenfeiertag von Pesach (zweiter Sederabend in der Diaspora) beginnt.
In diesen Wochen intensiviert sich in Israel der Kampf zwischen den Ost- und Westwinden. Einerseits wehen die trockenen Ostwinde, andererseits bringen die Westwinde Wolken und die Gefahr plötzlicher Regengüsse. Dies führt oft zu raschen Wetterwechseln, die Felder und Pflanzungen betreffen können. Daher werden die 49 Tage des Omer mit gewisser "Angst" gezählt.
Zu Schawuot stabilisiert sich das Wetter. Die Bauern kennen bereits das Schicksal des neuen Getreides, haben aber noch keine Garantie für den Ernteerfolg der Früchte, die im Sommer wachsen. Das wird erst zu Sukkot bekannt sein.
Zusätzlich zu Chag Matan Tora ist das Fest unter vier anderen Namen bekannt:
Schawuot:
In der Tora heisst das Fest Chag HaSchawuot, Wochenfest, nach den sieben Wochen zwischen Pesach und Schawuot:
"Sieben Wochen sollst du dir abzählen; von da, wo man die Sichel an das Getreide legt, sollst du mit dem Zählen der Wochen beginnen. Und dann sollst du dem Ewigen, deinem Gotte, das Wochenfest feiern mit den freiwilligen Gaben, welche deine Hand je nach dem Segen zu spenden vermag, den der Ewige, dein Gott, dir verleiht."
(Deut. 16, 9-10)
Die sieben Wochen des Omerzählens müssen komplett sein. Daher wird auf folgende Details besonderer Wert gelegt:
Das "Ma'ariv" Gebet des Abends nach dem 15. Nisan werden nicht auf den Zeitpunkt nach Einbruch der Nacht verlegt, um den ersten Tag des Omer rechtzeitig zu beginnen.
"Ma'ariv" wird am Vorabend von Schawuot nicht vor dem Einbruch der Nacht gebetet, um die 49 Tage des Omer rechtzeitig zu komplettieren.
Die Tora gibt das Datum für Schawuot nicht an, da es auf den 50. Tag des Omers festgelegt ist (Lev. 23,16) und immer auf den sechsten Siwan fällt.
Chag HaKatzir:
Das Fest der Ernte. Die Gerstenernte beginnt zu Pesach und endet zu Schawuot, wenn die Weizenernte beginnt. (Weizen wird später reif als Gerste.):
"Ferner das Fest der Ernte, der Erstlinge des Ertrags deiner Aussaat, mit der du das Feld bestellt hast." (Ex. 23,16)
"Auch das Wochenfest sollst du feiern zur Zeit der Erstlinge der Weizenernte." (Ex. 34,22)
Chag HaBikkurim:
Das Fest der ersten Früchte. So wie zu Pesach das Omer der neuen Gerste während des Festes "deiner ersten Ernte" geopfert wird, so werden zu Schawuot, dem Ende der Gerstenernte, die beiden Schaubrote dargebracht.
Diese Opfer sind religiöse Pflichten - Mitzwot -, die nicht so sehr an den Einzelnen gebunden sind, sind an die Öffentlichkeit. Sie werden im Tempel dargebracht. Heute ist es Brauch, die ersten Früchte des Landes (Obst und Gemüse) an Arme zu verteilen.
Atzeret:
Mischna und Talmud kennen Schawuot als "Atzeret", als festliche Versammlung des Volkes. Die Pilger, die nach Jerusalem kamen, pflegten sich in der Heiligen Stadt zu versammeln und das Fest gemeinsam freudig zu begehen. Heute wird in den Kibbutzim und Moshawim Israels dieses landwirtschaftliche Ereignis mit Tanz und Gesang gefeiert. Dies ist der letzte Tag der Pesachperiode, so wie Schemini Atzeret Sukkot beschliesst.
Vorschriften und Bräuche
An allen drei Wallfahrtsfesten gebietet uns die Tora, nicht zu arbeiten (eine negative Vorschrift) und uns am Fest zu erfreuen (eine positive Vorschrift). Die drei Tage vor Schawuot, der 3., 4. und 5. Siwan, werden Tage der Hagbalah, der Beschränkung, genannt:
"Du aber bezeichne eine Grenze für das Volk." (Ex. 19,12)
Dies sind Tage der Heiligung und Vorbereitung auf den Empfang der Tora. Der 7. Siwan, der Tag nach Schawuot, heisst Isru Chag, wie auch für die anderen Wallfahrtsfeste. In der Diaspora wird an diesen Tag der zweite Schawuottag gefeiert - der zusätzliche Tag in der Diaspora.
Folgende Bräuche sind an Schawuot gebunden:
Tikun Leil Schawuot:
Es ist Brauch, in der Schawuotnacht wach zu bleiben und Kapitel aus der Tora, der Mischna, der Gemara und dem Zohar zu lesen. Ein spezielles Buch, "Tikun Leil Schawuot", wurde für diesen Zweck hergestellt.
Dieser Brauch hat seinen Ursprung in der Mischna, die erzählt, die Israeliten hätten die Übergabe der Tora vernachlässigt, da sie in der Nacht zuvor schliefen und Moses sie mehrmals wecken musste.
Akdamut:
Dieses liturgische Gedicht wird zu Schawuot vor der Lesung aus der Tora rezitiert, als eine Art Eröffnung. Es wird nur in aschkenassichen Gemeinden gesagt. Akdamut wurde von Rabbi Meir, dem Sohn Rabbi Jitzchak Nehorais, geschrieben, der im elften Jahrhundert Kantor der Wormser Gemeinde war.
Das Gedicht, das zur Zeit der Kreuzzüge entstand, schildert die Verfolgung der Juden in der Diaspora und ihr Sterben zur Heiligung Gottes. Sie gaben ihren Glauben an den Gott des Universums, der sie als sein Volk angenommen hat, nicht auf.
Schabbat Kallah - Schabbat der Braut:
Sephardische Gemeinden nennen den Schabbat vor Schawuot "Schabbat der Braut". Die Tora wird mit einer Braut verglichen, und das jüdische Volk ist der Bräutigam. Daher schufen die Dichter Hochzeitslieder und eine spezielle Version der Ketubah, des Ehevertrages, der in der Synagoge vorgelesen wird, wenn man die Tora aus dem Schrein herausnimmt, so wie die Ketubah unter dem Hochzeitsbaldachin gelesen wird.
Dieser Schabbat ist in jüdischen Gemeinden weit verbreitet. Dem Synagogengottesdienst folgen Erfrischungen und Tänze.
Grüne Pflanzen zu Schawuot:
Zu Schawuot ist es Brauch, Wohnung und Synagoge mit Blumen und grünen Pflanzen zu dekorieren. Die Aggada erzählt, der Berg Sinai sei bei der Übergabe der Tora plötzlich voller Blumen, Bäume und Gras gewesen. Frühling ist die Zeit der neuen Blüten, und daher ehren wir das Fest mit den Symbolen der Jahreszeit.
Vor allem aber symbolisieren die Pflanzen den Brauch, die Erstlinge der "sieben Arten", die Eretz Israel charakterisieren, darzubringen. (Gerste, Weizen, Trauben, Feigen, Granatapfel, Oliven, Datteln.)
Darbingen der ersten Früchte:
Dieser Brauch wird vom Opfer der Schaubrote abgeleitet, die in den Tempel und zu den Priestern gebracht wurden. Seitdem der erste Mensch (Kain) den Boden bebaute, wurde die Notwendigkeit gefühlt, Gott für die Ernte zu danken.
Das Darbringen der ersten Früchte in Jerusalem war ein einzigartiges Ereignis. Zehntausende gingen in die Heilige Stadt. Diejenigen, die von nahe kamen, brachten frische Früchte, jene, die von weither anreisten, trugen Trockenfrüchte und Olivenöl mit sich, die ersten Früchte des vergangenen Jahres.
Die Prozession bewegte sich nach Jerusalem hinauf. Sie wurde von einem Ochsen angeführt - einem Symbol der Stärke und der Hilfe für die Bauern in der Landwirtschaft. Die Hörner des Ochsen waren vergoldet, und er trug einen Olivenkranz auf dem Kopf. Neben dem Ochsen gingen Flötenspieler und Tänzer. Wenn die Prozession Jerusalem erreichte, wurde sie von den Würdenträgern und Handwerkern der Stadt begrüsst
Nach der Zerstörung des Tempels wurde das Darbringen der ersten Früchte abgeschafft. Trotzdem erhielt sich der Brauch und oft werden erste Garten- oder Feldfrüchte einem Rabbiner oder Gemeindevorsteher geschenkt.
Schawuotspeisen:
Jeder Feiertag hat seine traditionellen Speisen, auch Schawuot. Es ist Brauch, milchige Speisen zu essen, da die Tora für jeden die Quelle des Lebens ist, wie die Milch für den Säugling. Kühe und Ziegen geben zu dieser Jahreszeit viel Milch, aus der viele Delikatessen hergestellt werden können. Einige Leute backen hohe Kuchen zur Erinnerung an die Übergabe der Tora am Sinai. Andere essen eine Menge obst, vor allem von den "sieben Arten".
Andere Bräuche:
Wallfahrt zum Grab König Davids;
Besuche bei den Gräbern der Weisen;
In Israel wird der Mitzwah des Schabbatjahres besonderes Augenmerk geschenkt. "Kilajim" (vermischte Samen) und Geschenke an Arme sind eng mit den Vorschriften der Bearbeitung des Bodens verbunden und ebenso mit Schawuot.
jns wünscht chag sameach.
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