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Hebräischen Wörtern begegnen die Deutschen jeden Tag, ob sie richtig malochen (melacha = Arbeit), jemanden für meschugge halten (meschugga = verrückt), weil er Stuss redet (Schtut = Unsinn), oder ihn dufte finden (tov = gut). Und wer hat sich nicht schon mal über einen Ganoven geärgert (ganav = Dieb), dessen Geschäfte nie ganz koscher (kascher = rein, einwandfrei) sind. Bei Nahrungsmittelexporten nach Israel sollte es allerdings koscher zugehen. Mit koscheren Leckerbissen kommen immer mehr deutsche Firmen im jüdischen Staat gut an und sehen dies auch in ihrer Umsatzstatistik. Von rund 50 Millionen US-Dollar (US$) pro Jahr zu Beginn des Jahrzehnts sind die israelischen Importe deutscher Nahrungsmittel und Getränke 2007 auf 82 Millionen US$ gestiegen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 nahmen die Einfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum bezogen auf US$ sogar um 85 Prozent zu.

Damit bauten die deutschen Anbieter ihren Importmarktanteil auf 7,1 Prozent aus. Das Wort koscher –auf Hebräisch kascherr ausgesprochen – bedeutet im Fall von Lebensmitteln so viel wie: laut jüdischen Speisegesetzen zum Verzehr geeignet. Beispielsweise gelten nur bestimmte Tiere als koscher, etwa Rinder und Schafe, während andere, das bekannteste Beispiel ist das Schwein, strikt verboten sind. Die Vermischung von Fleisch und Milch ist ebenfalls untersagt. Das sind die groben Züge einer höchst komplexen Lehre, der manche ein jahrelanges Studium widmen. Ohne das Koscher-Zertifikat eines anerkannten Rabbiners, der die Vorschriften nicht nur kennt, sondern ihre Einhaltung auch überwacht, wird deshalb kein frommer Jude die ihm angebotenen Lebensmittel geniessen. In Israel kaufen aber auch viele Juden, die keinen streng religiösen Lebenswandel führen, zunehmend koschere Nahrungsmittel. Das Koscher-Zertifikat ist ein Schlüssel zum Erfolg auf dem israelischen Lebensmittelmarkt. Um es sich mit der religiösen Kundschaft nicht zu verderben, führen nahezu alle Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte ausschliesslich koschere Nahrungsmittel.

Dies, obwohl die Einfuhr und der Verkauf nicht koscherer Lebensmittel und Speisen – mit Ausnahme von Fleisch – gesetzlich erlaubt ist. Um eine in Israel gültige Koscher-Bescheinigung zu erhalten, muss ein ausländisches Unternehmen seine Nahrungsmittel unter der Aufsicht eines vom israelischen Oberrabbinat akkreditierten Rabbiners herstellen. Ein israelischer Importeur kennt sich mit der einschlägigen Prozedur aus und kann helfen, das Verfahren in die Wege zu leiten. Wer nach gründlicher Prüfung das Plazet für sein Produktionslaufband ergattert hat, darf sich auf eine weitere Umsatzstütze freuen: Koschere Produkte finden nicht nur in Israel, sondern auch in anderen Ländern reissenden Absatz. Vor allem Amerikaner, auch Nichtjuden, greifen im Supermarkt gern zu koscheren Lebensmitteln. Der Koscher-Stempel ist für viele zugleich ein Gütesiegel.

von Wladimir Struminski / Foto: Olaf Kraak/dpa-PA
29.April 2009

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