Im konkreten Fall geht es um Schmiergeldzahlungen der Siemens-Kraftwerkssparte. Wie gestern bekannt wurde, ermittelt die Israel Securities Authority schon seit längerem gegen den hochrangigen Manager des staatlichen israelischen Energiekonzerns IEC, Dan Cohen. Der Verdacht: Bestechlichkeit.
Cohen soll von der Siemens-Kraftwerkssparte Millionen bekommen haben. Im Gegenzug erhielten die Deutschen in den Jahren 2003 bis 2004 einen Auftrag über jeweils hundert Millionen Euro für die Lieferung von zwei Turbinen an die IEC. Laut eines internen Siemens-Papiers, das dem deutschen Verlag SPIEGEL vorliegt, sollen für das IEC-Projekt Zahlungen über insgesamt rund fünf Millionen Euro geleistet worden sein, unter anderem an eine in Hongkong ansässige Firma namens Oakfield Ltd.
Nach Erkenntnis der israelischen Ermittler soll Cohen das Geld über ein Netz von Briefkastenfirmen in verschiedenen Ländern erhalten haben. Cohen hatte sich vor gut zwei Jahren nach Peru abgesetzt, das mit Israel kein Auslieferungsabkommen hat.
Der Fall war in einem streng vertraulichen Compliance-Bericht aus dem November 2006 erwähnt worden. Ein Sprecher von Siemens erklärte, man habe "keine Kenntnis" von den Ermittlungen.
Unterdessen spitzt sich der Konflikt der Siemens-Führung mit ihrem am 3. August gekündigten ehemaligen Chef der Antikorruptionsabteilung, Albrecht Schäfer, zu. Der Jurist hat vor dem Münchner Arbeitsgericht Klage gegen den Vorstand eingereicht und besteht auf Weiterbeschäftigung. Zur Begründung führen Schäfers Anwälte an, ihr Mandant habe Vorstand und Aufsichtsrat stets korrekt und rechtzeitig über anhängige Korruptionsverdachtsfälle informiert, was im Kündigungsschreiben des Konzerns allerdings bezweifelt wird.
An einigen Stellen enthält der Schriftsatz sogar unverhohlene Andeutungen. "Der Kläger behält sich vor", heißt es darin etwa, "weitere und detaillierte Ausführungen zur Information über systematische und planmäßige Compliance-Verstöße im Unternehmen ... zu leisten".
Quelle: Spiegel, jns 9. September 2007
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