Für Synagogenkuppeln, gegen Minarette? |
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Am Sonntag, 29. November, entscheidet das Schweizer Stimmvolk über den Ausgang der Minarett-Initiative. Das Ergebnis ist offen, die Meinungen sind zweigeteilt – und innerhalb der jüdischen Gemeinschaft werden vermehrt konträre Ansichten vertreten. |
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Skepsis unter Jüdinnen und Juden
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Offen zuzugeben trauen es sich die wenigsten, aber es scheint doch zahlreiche Menschen jüdischen Glaubens zu geben, die die Minarett-Initiative befürworten. Ein 38-jähriger traditionell religiöser Jude, der nicht möchte, dass sein Name genannt wird, sagt gegenüber tachles: «Ich kann nicht verstehen, weshalb ich als Jude gegen die Initiative sein soll. Meiner Meinung nach kann der Islam sehr gefährlich werden – gerade für uns Juden.» Die Initiative sei Thema in seinem Zürcher Bekanntenkreis, und so habe er mit Freunden nach dem Gebet diskutiert und unter den anwesenden Männern, die zwischen 25 und 45 Jahre alt seien, hätten sich 90 Prozent für die Initiative ausgesprochen: «Keiner von ihnen lehnt die Initiative ab, es traut sich nur niemand, sich öffentlich dazu zu bekennen.» Die Angst vor einer Ausbreitung des Islam sei da, die Nachbarländer Deutschland und Frankreich seien in dieser Hinsicht beunruhigende Beispiele. Daher wolle man «eine Stärkung der Muslime in der Schweiz nicht auch noch fördern». Ähnlicher Meinung ist Jedidjah Bollag, der dazu steht, am 29. November «Ja» und damit gegen den Bau von Minaretten zu stimmen: «Als Schweizer Bürger, insbesondere als Angehöriger der jüdischen Glaubensgemeinschaft, mache ich mir besonders viele Gedanken über den Horror des weltweiten Islamismus», gibt er zu. «Man muss heute nicht mehr in den Nahen Osten fahren, um die Früchte des islamischen Terrors fürchten zu lernen.» Bollag sieht die jüdisch-christliche Kultur des Dialogs bedroht und ist nicht bereit, «aus Angst vor Gewaltakten kampflos Einschränkungen in unseren bewährten freiheitlichen Werten zu akzeptieren». Die Religionsfreiheit liege ihm am Herzen und er sei dafür, dass jeder Muslim seine Religion, sofern sie mit den verfassungsrechtlichen Grundrechten übereinstimme, ausüben könne – dazu sei ein Minarett aber nicht nötig, so Bollag. Weitere jüdische Befürworter der Initiative waren aus Sorge um ihren Ruf nicht dazu bereit, in tachles öffentlich Stellung zu beziehen. |
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Offizielle Stellungnahmen
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Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) lehnen die Minarett-Initiative klar ab. Der SIG und die PLJS haben Ende Oktober auf der neu lancieren Website des SIG eine aktuelle Stellungnahme zum Thema unter der Überschrift: «Keine Ausnahmegesetze! Nein zum Minarettverbot!» publiziert. In dem Text steht unter anderem: «Gerade weil die jüdische Gemeinschaft weiss, was Diskriminierung bedeutet, sieht sie es als ihre Pflicht, sich aktiv gegen Diskriminierung, für Religionsfreiheit und für Religionsfrieden einzusetzen.» SIG-Präsident Herbert Winter betont gegenüber tachles, dass der SIG darüber hinaus in einem Brief an seine Mitgliedsgemeinden seine Haltung erläutert habe. Viele Gemeinden hätten dieses Schreiben wiederum an ihre Mitglieder weitergeleitet. Die einzelnen Gemeinden selbst sind offenbar aber nicht weiter aktiv geworden. |
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Ungleichbehandlung der Konfessionen
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Neben den beiden jüdischen Dachorganisationen hat auch der Bund Schweizerischer Jüdischer Frauenorganisationen (BSJF) Stellung bezogen: «Als jüdische Schweizerinnen rufen wir dazu auf, politische Rechte wahrzunehmen und am 29. November zur Minarett-Initiative Nein zu stimmen», so die offizielle Mitteilung, und weiter: «Wir wissen um Ausgrenzung und möchten verhindern, dass eine grosse Mehrheit darunter zu leiden hat. Ausgrenzung führt zu Abschottung, Extremismus und Gewaltbereitschaft. Diese Sorge teilt auch Vera Kronenberg, ehemalige Präsidentin des BSJF, die hinzufüg: «Im Namen des gegenseitigen Respekts stimme ich am 29. November Nein.» |
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Weitere Berichte:
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