Erster israelischer Jude in der Fatah-Führung

Uri Davis engagiert sich seit mehr als 40 Jahren für die Anliegen der Palästinenser. Er beschimpft Israel als «Apartheidstaat».

Der erste Fatah-Kongress seit 20 Jahren ist am Samstag zu Ende gegangen. Zuvor wurde die neue Zusammensetzung des Revolutionsrats, des zweitwichtigsten Führungsgremiums der Palästinenserbewegung, bekannt gegeben. Wie schon beim Zentralkomitee vollzogen die mehr als 2000 Delegierten auch beim Revolutionsrat einen Generationenwechsel: Von den 80 der 120 Mitglieder, die zur Wahl standen, wurden 70 meist jüngere Kandidaten neu in das Gremium berufen. Unter ihnen waren auch elf Frauen sowie erstmals ein israelische Jude.

Uri Davis, der an der El Kuds-Universität im Westjordanland Soziologie lehrt, gehört der Fatah seit 1984 an. Der 66-jährige Professor besitzt die doppelte israelisch-britische Staatsbürgerschaft, betrachtet sich aber selbst «an erster Stelle» als Palästinenser. Im Revolutionsrat der Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas will er alle «nicht-arabischen Aktivisten vertreten, die sich am palästinensischen Kampf beteiligt haben».


Selbst für die Linke zu radikal

Davis engagiert sich seit den 1960er Jahren für das Anliegen der Palästinenser. Zunächst kämpfte er als Menschenrechtsaktivist gegen die Beschlagnahme von Land der arabischen Minderheit in Israel. Mit seinen zunehmend radikaleren Ansichten brachte er über die Jahre jedoch selbst fast die gesamte israelische Linke gegen sich auf.

Regelmässig prangert er Israel als «Apartheidstaat» an, fordert einen Boykott seiner Institutionen sowie die Ersetzung des jüdischen Staats durch einen «demokratischen Staat gemeinsam mit den Palästinensern». Gemeinsam mit seiner palästinensischen Ehefrau lebt Davis im Westjordanland.


Abbas: «Neuer Schwung für PLO»

Während des elftägigen, teils stürmischen Fatah-Treffens in Bethlehem wählten die Delegierten ihre Führungsgremien neu und verabschiedeten ein neues Programm. Palästinenserpräsident Abbas wurde an der Spitze der Fatah bestätigt.

Vor den Delegierten am Samstag sprach Abbas von einem erfolgreichen Treffen. Nach seinen Angaben soll schon in den nächsten Tagen auch der palästinensische Nationalrat, das oberste legislative Organ der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), zusammentreten. Ziel sei es, der PLO «neuen Schwung» zu geben, sagte Abbas, der auch der Dachorganisation vieler Palästinenserbewegungen vorsteht. Zum letzten Mal tagten die 500 Vertreter des Nationalrats 1996 in Gaza.

Quelle: jns und Agenturen
16. August 2009


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