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Moshe Arens über groteske Milliardenprojekte

Jetzt, da wir allmählich in Erfahrung bringen, was hinter verschlossenen Türen gesagt worden ist – bei Treffen mit dem Premierminister, an Sitzungen der Ministerkommission für Sicherheit und an Treffen des israelischen Generalstabschefs – wird uns langsam, aber sicher klar, dass unsere politischen Führer bei den Diskussionen rund um den Libanon-Krieg andere Meinungen als ihre eigenen einfach nicht in Betracht ziehen. Premier Ehud Olmert und Generalstabschef Dan Halutz hielten stur an ihrer Fantasie fest, dass der Krieg von der Luft aus gewonnen werden könnte, während Aussenministerin Tzippi Livni dachte, dass wir den Uno-Sicherheitsrat veranlassen könnten, uns durch einen Waffenstillstand aus dieser misslichen Lage zu befreien.

Es wäre in solch entscheidenden Zeiten wirklich zu viel verlangt gewesen, von den für die Sicherheit des Staates Israel und seiner Bevölkerung Verantwortlichen zu erwarten, dass sie einer anderen Meinung Aufmerksamkeit schenkten, auch wenn sie von einem ehemaligen Verteidigungsminister stammt. Am 8. August schrieb ich in einem Kommentar unter dem Titel «Gallipoli und der libanesische Morast»:
«Ziemlich sicher gibt es keine bessere Luftwaffe als die israelische, doch hätte von Anfang an klar sein müssen, dass die Unterdrückung der Raketenangriffe gegen Israel nicht der Luftwaffe alleine überlassen werden kann. Dabei hat die Unterdrückung dieser Raketenattacken die oberste Zielsetzung der israelischen Armee in diesem Krieg zu sein. Nicht nur zum Schutz von Israels Zivilisten, sondern weil der Ausgang des Kriegs gegen die Hizbollah in den Köpfen der Araber mit dem Ausmass gemessen werden wird, in dem Israel die Raketenangriffe erfolgreich hat unterdrücken können… Das Gefühl, Hassan Nasrallah habe in diesem Krieg gesiegt, wird schlimme Konsequenzen für Israel und den ganzen Nahen Osten haben.»

Nur eine Woche später schrieb ich in einem Artikel unter dem Titel «Gewinne den Krieg!»: «Inzwischen sollten alle verstehen, dass die IDF der Unterdrückung der Raketenangriffe gegen Israel die absolut höchste Priorität einräumen muss. Das ist nicht nur für die über eine Million Israeli im Norden von grösster Wichtigkeit – es wird auch das Ergebnis dieses Kriegs bestimmen – das und nichts anderes. Die IDF-Truppen müssen rasch in Südlibanon einrücken und diese Raketen aus der Reichweite Israels entfernen. Angesichts der zahlen- und ausrüstungsmässigen Überlegenheit der IDF über die paar tausend Hizbollah-Kämpfer ist dies eine Mission, die erfüllt werden kann und muss.»

Jetzt ist aber klar geworden, dass ähnliche Meinungen geäussert wurden, je länger der Krieg dauerte und je offensichtlicher die Luftwaffe unfähig war, das Raketenfeuer gegen den Norden einzudämmen. Diese Ansichten liessen zwei ehemalige Generäle der Luftwaffe verlauten, die heute dem Generalstab angehören. Olmert wollte sein Ohr vielleicht einem ehemaligen Verteidigungsminister nicht leihen, und vielleicht war ihm der Inhalt der Unterredungen im Generalstab nicht bekannt. Der eine Mann aber, auf den er hätte hören müssen, ist Meir Dagan, Leiter des Mossad-Geheimdienstes, der dem Vernehmen nach von Anfang an eine Offensive der Bodentruppen im Südlibanon befürwortet hatte.

Generalmajor d. R. Meir Dagan kennt Libanon, seine Topografie und seine Leute, wie kein Zweiter. Er war fast überall in Libanon. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass General Antoine Lahad zum Kommandanten der Südlibanesischen Armee ernannt wurde, die dann während vieler Jahren tapfer an der Seite der IDF gegen die Hizbollah kämpfte. Ihm hätte der Premierminister sein Ohr gewiss leihen sollen, doch der Premier wollte nicht hören, und der Krieg ging in die Hosen.
Hat unsere Führung aus diesem Fiasko irgendetwas gelernt? Bedauerlicherweise gewinnt man den Eindruck, sie habe nicht nur damals nicht gehört, sondern auch nicht aus ihren Fehlern gelernt. Fast jeden Tag gehen Raketen aus dem Gazastreifen in Israel nieder und gefährden die Zivilbevölkerung. Das Geschehen ist eine Kopie im Kleinen von dem, was sich im Norden zugetragen hat. Wenn nicht bald etwas geschieht, wird sich daraus im Laufe der Zeit sicherlich eine grössere Version der Kopie entwickeln. Noch immer aber erhalten unsere Bodentruppen nicht den Befehl, die Abschussstellen der Kassem-Raketen aus der Reichweite israelischer Zivilisten im Süden zu verdrängen. Stattdessen fördert man groteske Entwicklungsprojekte, die Milliarden Dollar verschlingen werden. Sie sollen imstande sein, Kassem-Raketen und Mörsergranaten im Flug abzufangen. Gleichzeitig werden im Süden des Landes Wohnhäuser und Schulen unter meterhohen Zementmauern verschwinden, um sie vor dem Einschlagen palästinensischer Raketen zu schützen. – Wann werden die Menschen endlich aufwachen?

Moshe Arens, Mitglied des Likud, ist ein ehemaliger israelischer Verteidigungsminister.

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