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Von Tobias Buck (Jerusalem)

Nach Ansicht vieler Israels sind die Bodenschätze im Nahen Osten äusserst ungerecht verteilt. Doch die steigende Nachfrage beschert auch der heimischen Energiebranche einen Schub.

Während einige Länder seit Jahrzehnten im Öl schwimmen, hat Israel bisher vergeblich nach Öl und Erdgas gesucht. Doch dank der in jüngster Vergangenheit sprunghaft angestiegenen Ölpreise und einer weltweit wachsenden Nachfrage nach Erdgas sieht man die neuen Ölbarone des Landes öfter lächeln.

In ganz Israel erforschen Unternehmen Öl- und Gasprojekte. Allerdings betonen sowohl Branchenkenner als auch die Regierung, es bestünden kaum Chancen, dass das Land mit Petroschekel überschwemmt werden könnte. Sie hoffen jedoch, dass durch diese Projekte - gepaart mit Anstrengungen, mehr Öl und Gas aus bestehenden Feldern zu gewinnen - Israels Abhängigkeit von Treibstoffimporten aus dem Ausland verringert werden kann und die heimische Energiebranche einen Schub erhält.

Das aufsehenerregendste Projekt ist Tamar im Mittelmeer, rund 90 Kilometer westlich von Haifa. Hier hat ein Konsortium aus israelischen und amerikanischen Unternehmen ein Vorkommen ausgemacht, das möglicherweise bis zu 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas enthält. Tamar ist zwar klein im Vergleich zu so manchem Erdgasfeld in der Golfregion, aber dreimal grösser als das grösste, das Israel bisher gefunden hat.

Das israelische Unternehmen Delek Energy und Noble Energy aus den USA haben vor, im Laufe dieses Jahres eine Suchbohrung im Meer durchzuführen. Mit Kosten von 140 Mio. $ wird es die teuerste Bohrung in der Geschichte Israels.

Delek-Energy-Chef Gideon Tadmor sagt, der steile Anstieg der Öl- und Gaspreise sporne die Unternehmen an: "Das derzeitige Niveau der Rohstoffpreise rechtfertigt zu einem grossen Teil eine solche Investition." Er betont allerdings, dass bisher die wenigsten Probebohrungen in Israel kommerziell tragfähige Funde hervorgebracht haben. Seiner Ansicht nach liegen die Erfolgschancen für Tamar bei rund 35 Prozent.

Enorme Erwartungen

Das hat den Enthusiasmus der Industrie und Israels Regierung jedoch nicht geschmälert. "Unsere Offshore-Aktivitäten laufen momentan aus zwei Gründen auf Hochtouren", sagt Jaakow Mimran, der Öl- und Bergbaubeauftragte der israelischen Regierung. "Erstens sind da die steigenden Öl- und Gaspreise. Und zweitens werden enorme Erwartungen in die erste Tamar-Bohrung gesetzt. Wir hoffen, dass es ein Durchbruch wird."

Israel musste lang darauf warten. In den 60er-Jahren erreichte die Ölförderung des Landes ein Hoch mit 4000 Barrel täglich, flaute aber bald wieder ab. Den ersten und bisher einzigen großen Erfolg bei der Gasexploration erzielte Israel Ende der 90er-Jahre, als Delek und Noble auf ein beträchtliches Erdgasfeld im Mittelmeer stiessen, nahe er Stadt Askalon. Hier werden inzwischen 2,5 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich gefördert.

Mimran zufolge rechtfertigt der Boom bei den Rohstoffpreisen nicht nur das Risiko, das teure Projekte wie Tamar mit sich bringen, sondern er hat auch ein neuerliches Interesse an Israels weniger ertragreichen bestehenden Öl- und Gasfeldern angefacht. Als Beispiel führt Mimran das Heretz-Feld im Süden des Landes an. Es zählt zu einem der ältesten Ölfunde Israels und bringt immer noch eine geringe Menge Rohöl hervor. Vor Kurzem hat die Regierung eine neue Lizenz zur Ausbeutung des Felds vergeben.

Der gewagte Versuch von Ginko Oil

Ginko Oil verfolgt eine ähnliche Strategie: An bereits stillgelegten Ölfeldern nahe dem Toten Meer hat das israelische Unternehmen die Förderung wieder aufgenommen. Überdies ist Ginko eine Partnerschaft mit Delek eingegangen zur Ausbeutung eines potenziell großen Ölfunds am Zuk-Tamrur-Feld nahe dem Toten Meer. Ginko-Geschäftsführer Rami Kremien bezeichnet den Fund als "Kronjuwel". "Wir haben ein sehr interessantes Vorkommen entdeckt, das unserer Ansicht nach 6,5 Millionen Barrel Öl im Wert von rund 900 Mio. $ birgt", sagte Kremien.

Das Vorkommen befindet sich jedoch in einem Naturpark, und die Parkbehörden haben die Erlaubnis für eine Probebohrung bisher verweigert. Können die Einwände der Behörden aus der Welt geschafft werden, dürfte Zuk Tamrur erst der Anfang sein, hofft Kremien. "Wir glauben, dass das gesamte Becken des Toten Meeres ein Potenzial von 20 Milliarden Barrel Öl birgt, wovon fünf bis sechs Prozent gefördert werden können. Unser Ziel ist es, eine Milliarde Barrel zu finden und zu gewinnen."

Das würde ausreichen, um Israels gesamten Ölverbrauch für mehr als zwölf Jahre zu decken. Kremien gesteht ein, dass es ein gewagter Versuch ist. Doch momentan scheint für die Manager in Israels Gas- und Ölbranche alles möglich zu sein.

Quelle: The Financial Times
jns, August 2008

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