Erinnerungen werden nicht so permanent im Gehirn gespeichert, wie bisher angenommen wurde. In Science (2007; 317: 951-953) zeigen Hirnforscher, wie die Injektion eines Enzymblockers das Langzeitgedächtnis von Ratten permanent auslöschte.
Vor einem Jahr hatte die Gruppe um Todd Sacktor von der State University of New York in Brooklyn zeigen können, dass die Injektion einer Substanz namens ZIP in den Hippocampus dort das Kurzzeitgedächtnis auslöscht (Science 2006; 313: 1141). ZIP blockiert ein Enzym namens PKM-zeta, das bei der Long-term Potentiation (LTP) eine Rolle spielt. LTP ist ein Prozess, bei dem durch wiederholte Impulse (das Lernen) die Schaltung bestimmter Synapsen im Gehirn stabilisiert wird. Das Ergebnis ist das Langzeitgedächtnis und sein Ort wird im Cortex vermutet.
Bislang dachten die Forscher, dass diese durch LTP erzeugten Verbindungen auf Dauer angelegt sind und feste Erinnerungen daher so schnell nicht mehr gelöscht werden. Der allmähliche Wissensverlust wurde auf die Folgen des Alterns, genauer auf das Absterben von Neuronen zurückgeführt. Die Arbeitsgruppe im Yadin Dudai vom Weizmann Institut in Rehovot/Israel stellt diese Erkenntnis jetzt infrage.
Die Forscher experimentieren mit Ratten. Die Tiere hatten schnell gelernt, dass ein mit Saccharin gesüßtes Trinkwasser ihnen schlecht bekommt, weil die Forscher es mit Lithium versetzt hatten. Nach kurzer Zeit zogen sie das nicht gesüßte Wasser vor, auch wenn es nicht den verführerischen Duft von Süßstoff verströmte. Wenn den Tieren aber ZIP in den Cortex injiziert wurde, ging dieses für sie nützliche Wissen, das sich im Langzeitgedächtnis stabilisiert hatte, plötzlich verloren. Die Tiere waren auch nicht mehr in der Lage, sich das Wissen von der Schädlichkeit des süßen Wassers erneut anzueignen.
Dies zeigt, dass ZIP im Kortex zu einer dauerhaften Veränderung geführt hatte, auch wenn die Forscher hoffen, dass irgendwann die Enzyme, die ZIP blockiert, neu gebildet werden und die Tiere wieder lernfähig werden. Die Studie liefert zweifellos neue Erkenntnisse für die Physiologie des Langzeitgedächtnisses. Dass sie aber irgendwann einen therapeutischen Vorteile haben könnte, ist schwer vorstellbar, auch wenn die Forscher meinen, die Erkenntnisse würden sich vielleicht dereinst zur Behandlung von kognitiven Problemen, etwa dem Posttraumatischen Stress Syndrom nutzen lassen.
Quelle: jns, aerzteblatt
20. August 2007
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