73 Vorfälle in Deutschschweiz
Angriffe auf Synagogen (hier vom 17. April 2005 in Genf) haben besonders stark zugenommen. (keystone)
Von September 2005 bis Dezember 2006 hat die Meldestelle Antisemitismus 73 Vorfälle in der Deutschschweiz registriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie von August 2004 bis September 2005. Damals wurden 32 Fälle gemeldet.
Besonders stark gestiegen sind mit insgesamt 42 Vorfällen die Angriffe gegen jüdische Institutionen wie Synagogen. So wurde die Synagoge in Biel mit Schmierereien verunstaltet. «Ein Gebetslokal in Zürich Wittigkofen wurde zudem mit Kot beschmiert», sagte Samuel Althof, Sprecher der Aktion Kinder des Holocaust (Akdh).
Öfters Vorfälle im Internet
Oft würden Beschimpfungen und Drohungen in letzter Zeit auch per E-Mail eintreffen, bestätigte Althof entsprechende Berichte der Sonntagspresse. 15 Vorfällen im Internet wurden registriert. Sieben Fälle betreffen Antisemitismus in der Öffentlichkeit. So wurde im Obergoms VS eine Sitzbank aufgestellt, die einen Mann mit Hakennase zeigt, der nach Geldnoten greift.
Nicht zwingend mehr Antisemitismus
Dass sich die Anzahl der registrierten Vorfälle gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat, heisse aber nicht zwingend, dass der Antisemitismus in der Deutschschweiz entsprechend stärker geworden sei, betonte Althof.
Die Registrierung von Vorfällen durch die Akdh basiere nicht auf einer wissenschaftlichen Erhebung, sondern sei nur eine Stichprobe. «Sie ist nicht repräsentativ und man kann keine Entwicklung im Antisemitismus ablesen», sagte Althof. Die Statistik zeige aber eine Tendenz, die seiner Meinung nach auf eine leichte Zunahme hindeute.
Nationales Monitoring gefordert
Mit antisemitischen Symbolen verschmierte Wand vor der Synagoge Beth Yaacov in Genf.
Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Akdh fordern deshalb ein nationales Monitoring der antisemitischen Vorfälle in der ganzen Schweiz. Bisher existiert keine Meldestelle auf Bundesebene.
Die Meldestelle Antisemitismus hat im August 2004 ihre Arbeit im Auftrag des SIG aufgenommen. Sie bietet auch Beratungen für Opfer an und unterstützt sie bei einer allfälligen Strafanzeige und in der Beziehung zu Polizei und Behörden.
Quelle: jns und Agenturen
14. Januar 2007
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