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Der israelische Botschafter in Bern kritisiert die Schweiz: Mit ihrem Verhalten im Menschenrechtsrat habe die Schweiz Partei gegen Israel ergriffen.

Ein Israeli mit den Überresten einer Kassam-Rakete, die in Sderot eingeschlagen hat. (Bild: Keystone)

Ilan Elgar

Der 61-jährige Ilan Elgar ist seit 2006 Botschafter des Staates Israel in Bern. Er hat Soziologie und Anthropologie an der Universität Tel Aviv studiert und als Diplomat in verschiedenen Ländern – unter anderem in Deutschland – und im Aussenministerium in Jerusalem gearbeitet.

Das sagte Ilan Elgar in einem Interview mit der «Sonntag»sZeitung». Die Schweiz hatte in der vergangenen Woche die Forderung nach einer Sondersitzung des UNO-Menschenrechtsrats zum Krieg im Gazastreifen unterstützt, zusammen mit mehr als 30 anderen Ländern. Elgar erklärte, die Schweiz habe sich als einziges westliches Land hinter einen Antrag der arabischen Länder gestellt.

«Das finde ich sehr problematisch, denn damit ergreift die Schweiz Partei gegen Israel», sagte Elgar. «Wir haben beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) interveniert.»

Elgar bedauerte weiter die Demonstrationen in der Schweiz gegen die israelische Militäroffensive. Das komme nicht zuletzt daher, dass die Medien «nicht ausgewogen» über den Konflikt berichteten.

Die Bilder aus dem Gazastreifen seien «emotional berührend», doch es gehe vergessen, dass Hunderttausende Israeli wegen der Raketenangriffe der Hamas seit langer Zeit in Angst und Schrecken lebten. «Dagegen gab es bisher leider keine Demonstrationen».

EDA weist Israels Kritik zurück

Der israelische Botschafter in Bern kritisiert die Schweiz: Mit ihrem Verhalten im Menschenrechtsrat habe die Schweiz Partei gegen Israel ergriffen, sagte Ilan Elgar in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Das EDA wies die Kritik zurück.
Das EDA wies die Kritik Israels zurück. Die ausserordentliche Sitzung des Menschenrechtsrats in Genf, die am Freitag begonnen hatte, sei von 32 der 47 Mitgliedländer verlangt worden. Darunter seien auch Staaten wie Chile, Brasilien und Argentinien gewesen, sagte EDA-Sprecher Georg Farago auf Anfrage.

Auch habe das Schweizer Aussenministerium «ausgewogen» auf die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten reagiert. «Die Schweiz verurteilte zunächst den Raketenbeschuss durch die Hamas auf den Süden Israels. Ebenso wurde die unverhältnismässige Antwort der israelischen Armee verurteilt», erläuterte Farago.

53 Prozent der Schweizer anerkennen Israels Recht, sich gegen die radikalislamische Hamas zu verteidigen. Zugleich fordern 90 Prozent einen eigenen Staat für die Palästinenser. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des «SonntagsBlick».
Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zeigte sich gegenüber der Zeitung «sehr erfreut» über die Ergebnisse. «Die Umfrage bestätigt, dass die Schweizer die Aussenpolitik der Schweiz und unsere klare Haltung in diesem Konflikt unterstützen.» Das Meinungsforschungsinstitut Isopublic befragte am 7. und 8. Januar 502 Personen in der Deutsch- und Westschweiz.

In der Sonntagspresse kommt auch der Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde in Bern zu Wort. In der Zeitung «Sonntag» lobte Anis Al-Kak die Schweiz als «eines der wenigen Länder in Europa, die mehr auf der Seite der Menschenrechte und der Genfer Konvention stehen». Die Schweiz verstehe die Situation der Palästinenser sehr gut. Das überrasche ihn nicht, schliesslich habe die Schweiz eine lange humanitäre Tradition, sagte Al-Kak.

Quelle: jns und Agenturen
11.Januar 2009

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