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„Manifeste des Libertés“ ist eine 2004 in Paris gegründete politische Vereinigung, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzt. Die Mitglieder, die sich selbst als ‚Frauen und Männer mit muslimischem Hintergrund’ bezeichnen, wenden sich explizit gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamismus sowie gegen jede Form der Diskriminierung von Minderheiten aufgrund ihrer Kultur, Religion oder sexuellen Zugehörigkeit. Sie organisieren Konferenzen, veröffentlichen Petitionen und schreiben offene Briefe an französische Regierungsbehörden.

Auf ihrer Internetseite
» www.manifeste.org finden sich zahlreiche Artikel von reformistischen und säkularen Intellektuellen, unter anderem von so bekannten Personen wie Salman Rushdie oder dem syrischen Dichter Adonis.
Im Folgenden dokumentieren wir eine Übersetzung des „Le Manifeste des Libertés“, das bereits von 1.800 Menschen unterzeichnet wurde [1]:

„Wir kommen aus einer muslimischen Kultur und sprechen uns gegen Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus und den politischen Islam aus.

Zurückfinden zu einer gelebten Laizität

Als Frauen und Männer mit muslimischem Hintergrund – manche von uns sind gläubig, andere Agnostiker oder Atheisten – , verurteilen wir alle zutiefst die frauen- und homosexuellenfeindlichen und antisemitischen Äußerungen und Taten, die wir seit einiger Zeit in Frankreich beobachten und die im Namen des Islam begangen werden. Darin zeigen sich drei charakteristische Eigenschaften des politischen Islamismus[2], der schon seit langer Zeit in einigen unserer Herkunftsländer wütet. Wir haben bereits dagegen gekämpft und sind entschlossen weiter dagegen zu kämpfen.

Gleichberechtigung der Geschlechter

Wir sind entschlossene Befürworter der rechtlichen Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Wir kämpfen gegen die Unterdrückung von Frauen, die zum Beispiel in Algerien – und durch bilaterale Abkommen bisweilen auch in Frankreich – dem Familienstandsrecht unterworfen sind (die jüngsten Fortschritte in Marokko zeigen, wie weit Algerien hinterher hinkt). [3] Wir sind davon überzeugt, dass es ohne diese Rechtsgleichheit keine Demokratie geben kann. Folglich unterstützen wir uneingeschränkt die Kampagne algerischer Frauenverbände „20 ans, barakat!“ (20 Jahre sind genug! - » http://20ansbarakat.free.fr), die die endgültige Abschaffung jenes Familienrechts fordern, gegen das die Verbände schon seit 20 Jahren kämpfen.

Deshalb sind wir auch gegen das Tragen des islamischen Schleiers, selbst wenn wir unterschiedlicher Ansicht sind über das Gesetz, das heutzutage das Kopftuch an französischen Schulen verbietet. In unterschiedlichen Ländern haben wir gesehen, wie unseren Freundinnen oder Verwandten Gewalt angetan oder sie sogar umgebracht wurden, weil sie sich weigerten, den Schleier zu tragen. Selbst wenn in Frankreich die gegenwärtige Begeisterung für das Kopftuch auf der von Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund erfahrenen Diskriminierung beruht, kann dies nicht der wirkliche Grund sein, ein Kopftuch zu tragen – genauso wenig wie eine Rückbesinnung auf eine maghrebinische Herkunft. Hinter dieser angeblichen „Wahl“, die von einigen Mädchen eingefordert wird, steht der Wunsch, eine islamistische Gesellschaft zu befördern, die auf einer militanten Ideologie beruht und Werte unterstützt, die wir nicht befürworten.

Homophobie stoppen

Für Islamisten - wie für alle Machos und Fundamentalisten – bedeutet „ein [richtiger] Mann zu sein“, Macht über Frauen zu haben, und das schließt sexuelle Macht mit ein. In ihren Augen ist jeder Mann, der für die Gleichberechtigung der Geschlechter ist, potentiell ein minderwertiger Mensch oder eine „Schwuchtel“. Diese Denkweise hat sich seit dem Entstehen des politischen Islamismus ausgebreitet und ist genauso grausam wie scheinheilig. Einer der Organisatoren der Demonstration für das Kopftuch am 17. Januar 2004 erklärte, dass „es skandalös ist, dass die, die über das Kopftuch schockiert sind, nicht ebenso über Homosexualität schockiert sind“. Zweifellos denkt er, dass eine tugendhafte Gesellschaft Frauen in Schleier hüllt oder Homosexuelle hinter Gitter sperrt, wie wir es schon in Ägypten erlebt haben.

Wir schaudern, wenn wir daran denken, was es für die ‚Unzüchtigen’ bedeutet, für Frauen, die sich nicht verschleiern, für Homosexuelle oder Nicht-Gläubige, wenn sich diese Theorien durchsetzen. Wir glauben dagegen, dass die Anerkennung der Existenz von Homosexualität und der Freiheit Homosexueller, ihr Leben so zu leben wie sie wollen, einen unbestreitbareren Fortschritt darstellt. Solange ein Individuum, sei es hetero- oder homosexuell, nicht die Gesetze zum Schutz von Minderjährigen bricht, ist die sexuelle Ausrichtung eine persönliche Angelegenheit, die den Staat nichts angeht.

Gegen Antisemitismus

Schließlich verurteilen wir mit größter Entschiedenheit die antisemitischen Bemerkungen, die in letzter Zeit im Namen des Islam geäußert wurden. Genauso wie „unkeusche“ Frauen und Homosexuelle sind Juden zur Zielscheibe geworden: „Sie haben alles und wir haben nichts“, war auf der Kundgebung am 17. Januar 2004 zu hören. Wir halten die Instrumentalisierung des Israel-Palästina-Konflikts durch fundamentalistische Bewegungen für eine sehr beunruhigende Spielart des Antisemitismus. Obwohl wir die gegenwärtige Politik der israelischen Regierung ablehnen, weigern wir uns, ein archaisches und phantasmatisches Bild des „Juden“ durch einen historischen und realen Konflikt zwischen zwei Völkern zu nähren. Wir erkennen das Existenzrecht Israels an, ein Recht, das 1988 durch den PLO-Kongress in Algier und im Jahre 2002 durch den Gipfel der Arabischen Liga in Beirut anerkannt wurde. Gleichzeitig fühlen wir uns dem palästinensischen Volk verpflichtet und unterstützen sein Recht, einen eigenen Staat zu gründen und von der Besatzung befreit zu werden.

Gelebte Laizität

Uns ist bewusst, dass der Islam in Frankreich kaum anerkannt ist. Es mangelt an Gebetsräumen, Seelsorgeeinrichtungen und Friedhöfen. Uns ist bewusst, dass die jungen Franzosen aus Migrantenfamilien in ihrem sozialen Aufstieg stark behindert werden und einer von allen Forschungseinrichtungen beobachteten Diskriminierung ausgesetzt sind. Aus diesen Gründen hat die ‚französische’ Laizität in den Augen vieler junger Menschen mit migrantischem Hintergrund an Wert verloren.

Angesichts dieses Wertverlusts haben sie zwei Möglichkeiten: Sie können die Stärke einer gelebten Laizität wieder entdecken, d.h. sich politisch für die Verwirklichung ihrer Rechte zu engagieren und die sozialen Errungenschaften einzufordern, für die oft schon ihre Mütter und Väter gekämpft haben – diese gehörten zu sozialen Klasse, Kulturen, Bevölkerungen und Nationen, bevor sie zum Islam gehörten. Die andere Variante wäre, sich zu einer imaginierten und virtuellen ‚Umma’ zugehörig zu fühlen, die nichts mehr mit ihrer Realität zu tun hat. Diese ‚Umma’ kommt im republikanischen oder antiimperialistischen Gewand daher, nur um eine ungleiche, repressive und intolerante Gesellschaft zu formen. Dieser zweite Weg kann nicht unserer sein.“

[1] Dies ist ein Übersetzung aus dem französischen Original.
[2] Es heißt ‚l’islamisme politique’.
[3] Frankreich hat bilaterale Abkommen mit Algerien geschlossen, die die Anwendung des algerischen Familienrechts bei (algerischen) Einwandererfamilien in Frankreich erlauben. Es betrifft insbesondere Scheidungsangelegenheiten und benachteiligt Frauen.

Quelle: THE MIDDLE EAST MEDIA RESEARCH INSTITUTE

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