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Hamas-Kommandeur im Gazastreifen

Auszüge aus einem Interview mit Mohammad Deif, 42, Kommandeur des militärischen Flügels des Hamas, am 8. März 2004: Das Interview wurde auf der offiziellen Website der Izz al-Din al Qassam Brigaden veröffentlicht. Deif, wohnhaft in Khan Yunis im Gazastreifen, wurde Kommandeur der Izz al-Din al Qassam Brigaden, nachdem sein Vorgänger Salah Shehadeh bei einer gezielten israelischen Terrorabwehrmaßnahme im Juli 2002 getötet wurde. Mohammad Deif ist persönlich verantwortlich für Dutzende Selbstmordattentate, denen seit 1996 zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. 2002 wurde Deif bei einer Terrorabwehrmaßnahme der israelischen Armee schwer verwundet. Seit seiner Freilassung durch die Palästinensische Autonomiebehörde im Oktober 2002 steht Deif ganz oben auf der israelischen Fahndungsliste:

Frage: Wie wählen Sie die Selbstmordattentäter für die “Märtyreroperationen” aus? Gibt es bestimmte Qualifikationen, die dafür nötig sind?

Deif: „Zuerst muss ich (als Vertreter der Izz al-Din al Qassam Brigaden) sagen, dass unser (palästinensisches) Volk stolz sein sollte, dass wir Gruppen haben, die bereit sind, sich selbst zu opfern, und viele andere haben die Wunsch, ihnen zu folgen. Glauben Sie mir, in manchen Fällen sind es ganze Familien, stellen sich ganze Familien zur Verfügung, unsere „Märtyreraktionen“ durchzuführen. Sicher, wir können nicht die Augen davor verschließen, dass das Blut einer ganze Reihe dieser „lebenden Märtyrer“ teuer ist, und wir sind nicht bereit, es zu vergießen, wenn es sich abzeichnet, dass ein Angreifer sein Ziel, einen Anschlag erfolglos auszuführen, verfehlen könnte.
Eine der Voraussetzungen in der Auswahl einer Person für eine „Märtyreroperation“ ist, dass sie eine „Seele hat, die danach strebt, ein Märtyrer zu werden“. Daneben gibt es andere technische Kriterien, wie körperliche Fähigkeiten und militärische Ausbildung oder die Kenntnis über die Ziele und geographische Gegebenheiten. Zum Beispiel macht es einen Unterschied, ob jemand ein Schussattentat ausführen oder ob sich jemand mit einem Selbstmordgürtel in die Luft sprengen will.
Dazu kommen soziale und persönliche Kriterien in der Auswahl von Selbstopferungs-Attentätern, wie zum Beispiel der Status in der Familie und seine Entschlossenheit. So bevorzugen oder benachteiligen wir niemanden, um eines unserer Ziele zu erreichen. Wir lassen uns nicht beeinflussen von dem Wunsch alleinstehender Anhänger oder Familienmitgliedern, die ihre Lieben bei der Ausführung von Terrorangriffen schon verloren haben. Es darf nicht vergessen werden, dass eine beträchtliche Zahl von Leuten, die Attentate ausführen wollen, zu dieser letzten Gruppe gehören. Es kommt sogar vor, dass Selbstopferungs-Attentäter Anschläge schon im Alleingang verübt haben, ohne dass wir etwas davon wussten.
Wir vergessen diese Fälle nicht, und es ist wirklich eine große Ehre für uns, dass die (palästinensischen) Mütter diejenigen sind, die ihre Söhne dazu ermutigen, Märtyrer zu werden. (...)“

Frage: Werden von der al-Qassam neue Waffen oder neuer Sprengstoff hergestellt, die in den palästinensischen Gebieten in diesem Jahr zum Einsatz kommen werden?

Deif: „Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich unser Volk daran erinnern, dass alle den Iz al-Din al-Qassam-Brigaden und sogar allen anderen palästinensischen Gruppen zur Verfügung stehenden Mittel, mit denen wir unseren Gegner, die (israelischen) Besatzer, konfrontieren, harmlos sind im Vergleich mit den hochtechnologischen Waffen, die die Besatzermacht in der gesamten Region besitzt. Dies nur, um klarzustellen, dass es zwischen unseren Mitteln und denen unserer Gegner keinen Vergleich gibt.
Unseren Mujaheddin gelang es, mit der Hilfe Allahs, die Theorie des „Schreckens“ auf unserem Feind anzuwenden. Dies verdanken wir der Tatsache, dass wir die menschlichen Mittel haben, die unserem Feind fehlen.
Darum gelingt es uns, (sogar) die am stärksten gesicherten Posten mit unseren in militärischer Hinsicht bescheidenen Mitteln zu erreichen und zu infiltrieren. Dies verdanken wir auch den sehr enthusiastischen militanten Personen, die bereit und willens sind, zu kämpfen und sich zu opfern.
So sehen alle, dass die Waffen der sich selbst opfernden Angreifer der Abschreckung dienen, auch wenn der an ihren Körpern befestigte Sprengstoff weniger stark ist als die Hälfte einer Panzergranate oder ein kleiner Teil einer Rakete z.B. eines Apache-Hubschraubers. Doch mit der Hilfe Allahs haben diese menschlichen Bomben ein gewisses Gleichgewicht zu den israelischen Panzern und Kriegsflugzeugen hergestellt.
Wir möchten unserem Volk bestätigen, dass die Ingeneure und Techniker der Iz al-Din al-Qassam-Brigaden Tag und Nacht daran arbeiten, unsere Fähigkeiten weiter zu entwickeln, um dem Feind eine Schlag zu versetzen.
Und die totale Zerstörung eines israelischen Merkava-Panzers mit weniger als 35kg Sprengstoff im nördlichen Gazastreifen ist der konkrete Beweis für diese tatkräftigen Bemühungen.“

Frage: Die politische Führung des Hamas betont, dass sie vom militärischen Flügel der Bewegung getrennt (agiert). Wie formuliert der militärische Flügel eine Strategie zur Konfrontation mit den israelischen Besatzungsmächten? Und wie wählen Sie Ihre Ziele aus?

Deif: „Wir können Ihnen mit Sicherheit bestätigen, dass die politische Führung des Hamas vom militärischen Flügel getrennt ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir alle unsere Kontakte abgeschnitten hätten und die Ziele der politischen Führung ignorieren. Die Iz al-Din al-Qassam-Brigaden sind sich der Aussagen der politischen Führung sehr bewusst. Wir werden von ihren Äußerungen inspiriert und wir richten unsere Aktionen nach ihnen aus, denn wir sind die Söhne ein- und derselben Bewegung. Eine große Anzahl der militärischen Führer des Hamas wurden unterrichtet und erzogen von den Führern der gesamten Bewegung (...)“

(Aus einem Interview mit Muhammad Deif, Kommandeur des militärischen Flügels des Hamas, veröffentlicht auf der Website der Izz al-Din al Qassam Brigaden des Hamas am 8. März 2004. Englische Veröffentlichung: The Jerusalem Post, 25. März 2004)

   

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