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Selbstmordanschlag in Jerusalem

"Man hätte sie nicht dafür rekrutieren dürfen"

Nach dem Selbstmordanschlag in Jerusalem hat die israelische Armee am Donnerstagmorgen das Haus der palästinensischen Attentäterin zerstört. Die Eltern reagierten schockiert auf die Nachricht von der Tat ihrer 18-jährigen Tochter.

Als die Mutter Sahar Abu Salem in Askar nahe der Autonomiestadt Nablus erste Gerüchte darüber hörte, dass es sich bei der Attentäterin um ihre Tochter Sajnab handle, rief sie: "Meine Tochter, warum hast du das getan?" Später wurde die Vermutung zur traurigen Gewissheit. Der 48-jährige Vater Ali Abu Salem, der herzkrank ist, brach zusammen. Er wurde mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert, berichtet der Informationsdienst "Walla".

"Wir sind kein politisches Haus", erklärte die Mutter. "Sajnab ist noch nicht alt genug, um in Politik verwickelt zu werden. Man darf kein unschuldiges Mädchen für so etwas rekrutieren, das widerspricht unseren Sitten und der Art, in der wir unsere Kinder erzogen haben. Niemals hat sie das Haus ohne Erlaubnis verlassen, und sie hatte zu Hause keine Probleme." Sajnab war das vierte von zehn Kindern.

Sie hatte im vorigen Jahr Abitur gemacht. Für das kommende akademische Jahr sollte sie sich an einem Lehrerseminar einschreiben. Am Mittwochmorgen war sie um 9 Uhr aufgebrochen - angeblich wollte sie ihre ältere Schwester in Nablus besuchen.

Ein Sprecher der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Sajnab sich freiwillig für das Attentat zur Verfügung gestellt habe. Sie habe Palästinenser rächen wollen, die kürzlich von israelischen Truppen in Nablus (Sichem) getötet worden waren. Nach Angaben von Verwandten und Freunden war ein Cousin von Sajnabs Vater, Hanis Abu Salem, im vergangenen Jahr bei bewaffneten Kämpfen mit israelischen Soldaten in Nablus ums Leben gekommen. Er gehörte den Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden an.

"Sie sagte, wenn wir uns weigerten, würde sie einen Armeeposten mit einem Messer angreifen", so der Sprecher der Terrorgruppe, die zu PLO-Chef Jasser Arafats Fatah-Partei gehört. "Also haben wir es schnell organisiert. Wir haben den Anschlag innerhalb von 17 Stunden arrangiert und diese Stelle in Jerusalem ausgewählt, weil wir sie kennen."

Offenbar wollte sich die Palästinenserin direkt an der Haltestelle im Jerusalemer Stadtteil French Hill in die Luft sprengen. Dort hielten sich zu diesem Zeitpunkt, kurz vor 16 Uhr, viele Menschen auf. Doch sie wurde von zwei Grenzpolizisten aufgehalten. Während sie mit ihnen redete, zündete sie ihren Sprengsatz. Der 20-jährige Jonathan Tahio aus Rehovot starb sofort. Er war 1991 mit seiner Familie aus Äthiopien nach Israel eingewandert. Der 19-jährige Menasche Komemi aus dem Moschav Aminadav erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Zudem wurden 30 weitere Menschen verwundet.

Sajnab war die siebte palästinensische Selbstmordattentäterin überhaupt. Der erste Anschlag einer Palästinenserin war im Januar 2002 in der Jaffa-Straße in Jerusalem verübt worden. Dabei kam ein Israeli ums Leben.

Nach dem Attentat versprach Israels Premierminister Ariel Scharon, mit "aller Macht" gegen militante Palästinenser vorzugehen. Das palästinensische Kabinett verurteilte den Anschlag, weil er Israel eine Ausrede gebe, um mit seiner Politik fortzufahren. Arafats Sprecher Nabi Abu Rudeineh machte die israelische Regierung für das Attentat verantwortlich.

Mit freundlicher Unterstützung

© Botschaft des Staates Israel / Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

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