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Israelische Unternehmen, die religiösen Vorstellungen ultraorthodoxer Juden zuwiderhandeln, können schnell Probleme bekommen

Israelische Geschäfte, die am Sabbat geöffnet haben, kommen für David Zalis nicht infrage. Wer den für religiöse Juden heiligen Ruhetag nicht achtet, der soll "an mir auf jeden Fall nichts verdienen", sagt der Vater von sechs Kindern und verzieht das Gesicht. Solche Läden betritt er nicht einmal, wenn es Sonderangebote gibt. Der 60-jährige Rabbiner achtet den Feiertag, und wenn Ladenbesitzer es nicht so handhaben, schaut er milde darüber hinweg. Unter den streng Religiösen in Israel ist der Rabbi damit eine Ausnahme.

Die meisten ultraorthodoxen Juden Israels, die Haredim, nutzen ihre Macht als Konsumenten und folgen strikt dem, was ihre Rabbiner ihnen vorgeben. Sie sind zwar im Vergleich weniger wohlhabend als andere Israelis. Rund 50 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze, während es im Landesdurchschnitt 20 Prozent sind. Doch die Haredim sind zahlreich und sehr gut organisiert. Mit ihren Boykottaufrufen zwingen sie Airlines, Supermärkte und sogar Caféhausketten problemlos in die Knie.

"So ein Boykottaufruf der Haredim ist eine mächtige Waffe", sagt Zalis. Allein aufgrund ihrer vielen Kinder betrage der Anteil der Haredim am Lebensmittelkonsum fast ein Viertel. Und die israelische Wirtschaft hat sich längst auf sie eingestellt. Etwa 450 Einzelhändler in Israel haben sich auf die Ultraorthodoxen spezialisiert, sagt Giora Bar-Dea, Vorstandsmitglied von Strauss Israel, einem der grössten Lebensmittelproduzenten in Israel.

Auch Strauss bietet den Haredim eine spezielle Produktreihe an. "Diese Leute schauen kein Fernsehen, sie lesen andere Zeitungen, leben in ihren eigenen Vierteln, es ist ein in jeder Hinsicht völlig anderer, eigener Markt." Für die Ultraorthodoxen gibt es Mobiltelefone, mit denen man keine unanständigen Nummern anrufen kann. Sie haben eigene Kreditkarten, Internetprovider und Bekleidungshersteller. Das Transportunternehmen Egged fährt sie nach Geschlechtern getrennt mit Bussen durchs Land.

Auch an das Essen stellen sie besonders hohe Ansprüche. Sie beharren nicht nur auf den überall in Israel üblichen koscheren Lebensmitteln. Sie wollen extrastreng koschere Lebensmittel. Supermärkte wie Schefa Schuk, eine Art Aldi für fromme Juden, haben sich darauf spezialisiert. Die Läden der Kette bieten zwar durchgängig Produkte mit dem ultraorthodoxen Badatz-Kaschrut-Zertifikat. Doch selbst das reicht religiösen Führern neuerdings nicht. Erst jüngst riefen die Rabbiner zum Boykott der Schefa-Schuk-Filialen auf.

Der Mutterkonzern, Dor Alon, betreibt in Tel Aviv die Lebensmittelläden AM:PM. Diese haben rund um die Uhr und natürlich auch am heiligen Sabbat geöffnet. "Aus diesem Grund müssen wir handeln", schrieben die Rabbiner der Haredim in einer gemeinsamen Erklärung. "Wir müssen alles tun, damit der Sabbat überall in Israel eingehalten wird, und wir werden nicht dabei helfen, dass die Massen sich versündigen." Man werde ihre Geschäfte und Tankstellen nicht mehr betreten, um die "Sabbat-Zerstörer" nicht zu unterstützen.

Schnell brachen die Verkäufe in den Läden um 50 Prozent ein. "Die Lebensmittelläden in den Vierteln der Haredim haben einen jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar", sagt Meir Gal, Chef der ultraorthodoxen Werbeagentur Gal-Oren BSD.

Der Boykott schmerzt. Schefa-Schuk-Besitzer Dudi Weissman hat sich inzwischen von den AM:PM-Läden getrennt. Möglicherweise wird er trotzdem die frommen Supermärkte verkaufen müssen, weil man ihm so schnell nicht verzeiht. Die Schefa-Schuk-Filialen sind immer noch vergleichsweise leer. "Wenn ihre religiösen Führer sagen, kauft dieses oder jenes nicht, dann halten sich so gut wie alle daran", sagt Omer Moaw, Wirtschaftswissenschaftler am Shalem Center in Jerusalem. Die Ultraorthodoxen, die etwa ein Fünftel der jüdischen Bevölkerung von 5,4 Millionen ausmachen, haben auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf andere religiöse und traditionell ausgerichtete Juden. "Viele halten zwar selbst den Sabbat nicht ein, finden es aber richtig, dass in Israel eine jüdische Atmosphäre herrscht."

Die israelische Fluggesellschaft El Al hat deshalb auch nach der Privatisierung die Regel, dass sie am Sabbat nicht fliegt, beibehalten. Das Essen ist grundsätzlich koscher, das Flugpersonal setzt keine Frauen neben religiöse Männer. Man duldet es, dass religiöse Passagiere zum "Minjan" - zehn Männer, die zusammen beten - zusammenkommen, auch wenn die Anschnallzeichen angeschaltet sind. Was passiert, wenn El Al nicht nach den Regeln der Haredim operiert, hat die Fluggesellschaft vergangenes Jahr wieder zu spüren bekommen. Als ein Flieger sich wegen eines technischen Defekts verspätete und deshalb nach Einbruch des Sabbat in Tel Aviv landete, traten wieder einmal die ultraorthodoxen Rabbiner auf den Plan. Sie riefen zum Boykott auf - wohlgemerkt nachdem die religiösen Passagiere in London aussteigen durften und in Hotels untergebracht wurden.

Die Haredim sind aufgrund ihrer engen Beziehungen zur Diaspora eine wichtige Kundengruppe. Man einigte sich zwar. Doch offenbar nicht zur vollsten Zufriedenheit der Haredim. Pünktlich zum Beginn der Urlaubszeit veröffentlichte ein Komitee von ultraorthodoxen Rabbinern in diesem Jahr eine Liste mit den "koschersten" Fluggesellschaften. Am besten schneiden ausgerechnet die nichtjüdischen Fluggesellschaften ab, etwa Swiss Air und British Airways auf ihren Europaflügen.

Von Silke Mertins, Jerusalem
17.August 2008

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