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Von Yossi Melman

Die ausweichende Antwort des Iran auf die Frage, die er mit einem Wort – ja oder nein -, hätte beantworten sollen, beweist abermals, dass es Teheran lediglich darum geht, Zeit zu gewinnen. Der Iran will oder kann – aufgrund innerer Streitigkeiten im Machtzentrum – nicht positiv antworten und den Dialog mit der internationalen Gemeinschaft beginnen, auch nicht auf den abgemilderten und versöhnlichen Kompromissvorschlag hin, den ihm der Aussenpolitik-Beauftragte der Europäischen Union, Javier Solana, unterbreitet hat.

Innerhalb der israelischen Führung wird Solana als jemand betrachtet, der den kriecherisch-versöhnlichen Kurs gegenüber Teheran anführt; man bezeichnet ihn dort als „neuen Neville Chamberlain“ (der britische Premierminister, der vor dem Zweiten Weltkrieg die Tschechoslowakei geopfert hat, um Adolf Hitler zu beschwichtigen und einen Krieg zu verhindern).

Der Iran ist nicht bereit, nach den Regeln des Westens zu spielen, und seien diese auch noch so aufgeweicht. Er glaubt, dass die Zeit für ihn arbeitet. In dem Bild der Lage, das er vor sich sieht, stehen die USA vor den Wahlen und sind unfähig, gegen ihn vorzugehen; die Europäische Union ist zögerlich und zersplittert und möchte kein Porzellan zerschlagen und den Iran mit scharfen Sanktionen belegen, weswegen sie auch ihren Unternehmen die Fortsetzung der engen Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ayatollah-Regime und den Abschluss neuer Verträge gestattet; dies taten jüngst Unternehmen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und in Polen im Gas- und Energiebereich, der Haupteinnahmequelle des Iran.

Über all dem schweben Russland und China, die das Spiel des Westens nicht mitspielen und jeden Versuch des Weltsicherheitsrats vereiteln, schärfere Sanktionen über den Iran zu verhängen – soweit überhaupt der Wille und die Beharrlichkeit dazu bestehen. Das Spiel der Iraner ist klar und durchsichtig, und sein einziges Ziel besteht darin, jeden auf internationaler Übereinkunft basierenden Prozess abzuwehren oder zu verzögern und die Zeit dafür zu nutzen, sein Atomprogramm weiter zu entwickeln.

Teheran will damit fortfahren, Uran anzureichern, zusätzliche Zentrifugen herzustellen und zu installieren und sich energischen Schritts dem Moment nähern, in dem es ausreichend spaltbares Material (angereichertes Uran), Equipment, Expertise und Technologie zur Verfügung hat, um seine erste Atombombe zusammenzusetzen – bzw. in die Lage zu kommen, in der es alle Komponenten in den Händen hält, die ihm in kurzer Zeit den Bau der Atombombe ermöglichen würden.

Es scheint, als ob der Iran verstünde, dass die militärische Option, mit der die USA und Israel drohen, zumindest gegenwärtig nicht durchführbar ist.

Quelle: Haaretz
06.August 2008

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