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Im Nahen Osten droht ein Atomkrieg

„Israel wird in den kommenden vier bis sieben Monaten die iranischen Atomanlagen angreifen!“

„Das ist so gut wie sicher, und die Politiker in Teheran und Washington sollten innig hoffen, dass der Angriff erfolgreich ist und das Atomprogramm Irans beträchtlich zurückwirft, wenn nicht völlig ausschaltet“, sagt Benny Morris, Autor und Dozent an der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba, Israel.

Sollte der Angriff fehlschlagen, gebe es im Nahen Osten höchstwahrscheinlich einen Atomkrieg.

Dieses Schreckens-Szenario entwirft Benny Morris in der „Welt am Sonntag“: „Eine Eskalation des iranisch-israelischen Konflikts bis zur nuklearen Ebene folgt fast zwangsläufig, wenn ein mit konventionellen Waffen geführter Angriff Israels scheitert.“

Sogar einen Zeitraum für einen Angriff nennt Morris: Aus einer Reihe von Gründen sei die Zeitspanne vom 5. November bis zum 19. Januar 2009 der wahrscheinlichste Termin für einen Militärschlag.

Seine Logik: Israel müsse den Iran angreifen, um dessen Atomprgramm zu zerstören. „Schliesslich drohen die Führer Irans fast täglich mit der Vernichtung des jüdischen Staates.“

Doch: Da Irans Atomanlagen weit auseinander liegen und zudem unterirdisch angelegt sind, sei es unwahrscheinlich, dass die Anlagen durch einen solchen Angriff zerstört würden. Die Folge: Iran übt Vergeltung. Entweder durch einen eigenen Angriff, eine Stärkung des Terrornetzwerkes oder durch eine Anstachelung der Hisbollah und Hamas.

Israels Antwort könnte der atomare Schlag sein. Halte sich Israel zurück, drohe wiederum der atomare Schlag aus dem Iran.

Israel habe also die Wahl zwischen „Pest und Cholera“, schreibt Morris. Und: „So oder so droht in Nahost ein nuklearer Holocaust.“

Atomgespräche in Genf "Schritt nach vorn"

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die jüngsten Atomgespräche in Genf als "Schritt nach vorn" bezeichnet. "Alle Verhandlungen sind ein Schritt nach vorn", dies gelte auch für das Treffen am Samstag, an dem erstmals ein US-Spitzendiplomat teilgenommen hatte, sagte Ahmadinedschad laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Einen Durchbruch hatte es bei den internationalen Gesprächen in der Schweiz nicht gegeben.

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland warteten nach wie vor auf die Antwort, ob der Iran ihr Angebot im Atomstreit annehme oder nicht, sagte der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana am Samstag nach seinem Treffen mit Teherans Chefunterhändler Said Dschalili. An der Unterredung hatte mit US-Aussenstaatssekretär William Burns erstmals seit Beginn des Atomstreits ein US-Spitzendiplomat teilgenommen.

Washington stellte Teheran anschließend vor die Alternative Zusammenarbeit oder Konfrontation. Ein Sprecher des US-Aussenministeriums erklärte, Zusammenarbeit bedeute "Gewinn für alle", Konfrontation könne dagegen nur zu einer "weiteren Isolierung" des Irans führen. Aussenstaatssekretär Burns habe eine "klare Botschaft" übermittelt. Demnach meine Washington die angebotene Unterstützung für den Iran im Gegenzug für dessen Stopp der Urananreicherung "ernst". Verhandlungen mit Teheran werde es allerdings erst geben, wenn Teheran die Anreicherung von Uran beende.

Ungewöhnlich versöhnliche Töne gegenüber Israel und den USA schlug derweil ein Vertrauter Ahmadinedschads an. Der Iran sei ein "Freund des israelischen Volkes", sagte Vize-Präsident Esfandiar Rahim Maschaie laut iranischen Medien. Die Menschen in den USA bezeichnete der für Tourismus zuständige Ahmadinedschad-Vertreter als "eine der besten Nationen der Welt". "Heute ist der Iran mit dem amerikanischen und dem israelischen Volk befreundet. Keine Nation der Welt ist unser Feind", sagte Maschaie am Rande einer Tourismuskonferenz in Teheran.

Maschaie gilt als einer der engsten Vertrauten des iranischen Präsidenten; seine Tochter ist mit Ahmadinedschads Sohn verheiratet. Ahmadinedschad sorgte mit seinen Ausfällen gegen Israel und die USA regelmässig für Negativschlagzeilen. Noch im Juni stellte er das Existenzrecht Israels in Frage und bezeichnete die USA als "satanische Macht".

Quelle: jns und Agenturen
20.Juli 2008

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