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Junge orthodoxe jüdische Studenten betrachten die zerschossene Glastür in ihrer Jerusalemer Merkas-Haraw-Schule, durch die der palästinensische Attentäter eine ganze Salve feuerte. Foto: Reuters

Weltweite Erschütterung nach dem Mord an acht jungen israelischen Studenten. Jerusalem will Friedensprozess mit Palästinensern aber nicht abbrechen.

Der schwerste Terroranschlag in Israel seit knapp zwei Jahren hat weltweit Trauer und Entsetzen, aber zugleich auch grosse Sorge um den Friedensprozess im Nahen Osten ausgelöst.

US-Präsident George W. Bush erklärte: "Dieser barbarische und teuflische Angriff auf unschuldige Zivilisten verdient es, von jeder Nation verurteilt zu werden." Auch die EU in Brüssel, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilten den Anschlag, bei dem ein Palästinenser am Donnerstagabend in Jerusalem acht Studenten einer Religionsschule tötete, bevor er erschossen wurde. Steinmeier sprach von einem "verbrecherischen Akt".

Israel bat die freie Welt um eine vorbehaltlose Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus.

Während Palästinenserpräsident Mahmud Abbas jegliche Gewalt gegen israelische und palästinensische Zivilisten verurteilte, feierten Anhänger der radikal-islamischen Hamas-Organisation im Gazastreifen mit Hupkonzerten und Freudenschüssen. Der militante Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, kündigte ausserdem weiteres Blutvergiessen in Israel an. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders "al-Arabia" hat die Hamas sich zu dem Anschlag bekannt.

Libyen verhinderte im Uno-Sicherheitsrat eine Verurteilung der Tat. Daraufhin sagte Israels Uno-Botschafter Dan Gillerman: "Der Weltsicherheitsrat ist von Terroristen infiltriert."

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat zur Lösung des Nahost-Konflikts eine "robuste" internationale Truppenpräsenz im Westjordanland gefordert. Israel werde sich nur aus den besetzten Gebieten weiter zurückziehen, wenn eine starke militärische Mission Sicherheit vor terroristischen Anschlägen garantiere, erklärte der Politiker am Freitag bei der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. Diese Mission solle am besten unter der Führung der EU laufen.

Israel will die Friedensgespräche mit den Palästinensern nicht abbrechen. Die Polizei in Israel wurde aber in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Das von Israel besetzte Westjordanland wurde vorübergehend abgeriegelt. Die Polizei befinde sich im gesamten Land in Alarmbereitschaft, und es seien Maßnahmen ergriffen worden, um weitere mögliche Attentate von Palästinensern, aber auch Racheakte extremistischer Israelis zu verhindern, sagte Polizeichef Aharon Franco.

Als Teil der Sicherheitsvorkehrungen untersagte die Polizei männlichen Palästinensern unter 45 Jahren den Zugang zum Tempelberg. Um das Anschlagsrisiko gering zu halten, wurde das Westjordanland abgeriegelt.

Am frühen Freitagmorgen durchsuchte die israelische Polizei in Ost-Jerusalem das Haus des 25-jährigen Attentäters. Wie Eltern und Augenzeugen berichteten, wurden mehr als zehn Menschen festgenommen - Angehörige und Freunde des Attentäters.

Die Tat hatte sich in dem von orthodoxen Juden geprägten Stadtviertel Kirjat Mosche ereignet. Nach Angaben der Talmudschule waren die Opfer zwischen 15 und 16 Jahren alt. Der Attentäter wurde noch am Tatort von einem Armeeoffizier erschossen.

Voller Verzweiflung hallte am Freitag die Stimme des Rabbiners durch den Hof der Religionsschule in Jerusalem. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", zitiere Jerahmiel Weiss einen Psalm. Der Schulleiter stand vor Tausenden Menschen und konnte seine Tränen kaum zurückhalten. Nacheinander nannte er die Namen der acht ermordeten Studenten. "Wie soll man nur eine Grabrede für einen Schüler, für zwei, drei..., für acht Schüler halten?", fragte Weiss.

Am Tag nach dem tödlichen Attentat drängten sich die Menschen rund um das Schulgebäude im Westen Jerusalems. Sie waren aus ganz Israel, aus den jüdischen Siedlungen im Westjordanland dorthin gekommen, wo bis vor Kurzem ungestört unterrichtet wurde. Viele der jungen Trauergäste waren selbst in der Schule, als der Attentäter wild um sich schoss. Ihre Gesichter sind mit Tränen überströmt und schmerzverzerrt.

Eingehüllt in weisse Gebetstücher waren die Leichen der Opfer im Hof aufgebahrt. "Wer wird sie rächen?", fragte ein anderer Rabbiner in die Menge, um gleich selber die Antwort zu geben: "Gott wird es tun."

1. Die absichtliche Ermordung von Zivilisten – in diesem Fall rabbinischen Studenten – ist ein abscheuliches, aber hervorstechendes Charakteristikum des extremistischen Lagers, das Gewalt und Terrorismus einsetzt, um sein Ziel, die Vernichtung Israels, voranzutreiben.

2. Die israelischen Sicherheitskräfte tunn, wenn sie dazu gezwungen sind gegen den Terrorismus vorzugehen, alles, um die Verletzung von Zivilisten zu vermeiden, und die israelische Gesellschaft bedauert den beklagenswerten Tod arabischer Unschuldiger. Die Terroristen jedoch greifen bewusst Zivilisten an, und ihre Anhänger preisen die Angriffe und feiern jeden Toten, indem sie auf den Straßen Gazas und in den Hisbollah-Hochburgen im Libanon tanzen.

3. Der andauernde Beschuss mit Kassam- und GRAD-Raketen gegen südisraelische Städte und ein tobender Amokschütze in einem Jerusalemer Rabbinerseminar sind zwei Seite derselben Medaille - des extremistischen Terrorismus, der auf die Ermordung so vieler Israelis wie möglich aus ist.

4. Gestern hat die gemäßigte palästinensische Führung mit Israel die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Lösung von zwei Staaten für zwei Völker vereinbart. Heute haben die Extremisten uns daran erinnert, dass es für sie nichts zu verhandeln gibt und die einzige Lösung für sie Israels Zerstörung ist.

Quelle: jns und Agenturen
8.3.2008

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