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Ehud Olmerts Siedlungsplan

HEILIGERBODEN: Seth Vogelmann lebt seit 1991 in Maale Adumim. Foto: Thomas Gutschker

Seth Vogelmann lässt den Blick nach Westen schweifen. Im Vordergrund liegt der Berg Zion mit der Hebräischen Universität, daneben der Ölberg, von dem der Turm des Auguste-Viktoria-Krankenhauses aufsteigt. In der Ferne schimmern die Kuppeln der Jerusalemer Altstadt. Von hier aus wirkt sie, inmitten der Hügel, seltsam enthoben, wie eine himmlische Stadt eben. Vogelmann genießt die Aussicht und die frische Brise, welche die Mittagsglut erträglich macht. „Ich bin glücklich hier, ich mag die Stadt“, sagt er.

Die Stadt – das ist Maale Adumim, sieben Kilometer östlich der Jerusalemer Stadtgrenze an der Straße nach Jericho gelegen, mitten im Westjordanland. Auf besetztem Gebiet. Vogelmann, der 46 Jahre alte Siedler, zuckt bei dem Wort „besetzt“ zusammen. Man müsse schon weit in die Geschichte zurückgehen, um festzustellen, wem das Land gehöre. Bis zum Buch Josua, wo die „roten Hügel“ – die Übersetzung des Stadtnamens – als Grenze zwischen den Stämmen Juda und Benjamin bezeichnet werden. „Biblisch gesehen, ist dieses Land bedeutsamer und heiliger als Tel Aviv“, beendet er den historischen Exkurs. Dass die roten Hügel nach internationalem Recht den Palästinensern zustehen, kommt darin nicht vor.

Doch damit befindet sich der Siedler, der 1983 im Alter von 24 Jahren aus den USA nach Israel einwanderte, in guter Gesellschaft. Alle israelischen Regierungen, ob links oder rechts, haben Maale Adumim die Treue geschworen, es ausgebaut, mit Vergünstigungen gefördert, Infrastruktur geschaffen, die Anbindung an Jerusalem verbessert. Was 1975 mit der illegalen Ansiedlung von 23 jüdischen Familien begann, ist heute mit 32000 Einwohnern die größte israelische Siedlung im Westjordanland.

Wenn es nach dem neuen Ministerpräsidenten Ehud Olmert geht, wird Maale Adumim in den nächsten vier Jahren sogar Teil des israelischen Staates. „Die Leistungen der Siedlerbewegung in den Hauptsiedlungsgebieten werden für immer ein integraler Bestandteil des souveränen Staats Israel sein, zusammen mit Jerusalem, unserer vereinten Hauptstadt“, kündigte Olmert in seiner Regierungserklärung an. „Konvergenz“ heißt sein Programm: Die kleinen, verstreuten Siedlungen im Westjordanland werden geräumt, die 70 000 Betroffenen in den drei großen Blöcken Ariel im Norden, Gusch Etzion und Maale Adumim südlich und westlich von Jerusalem zusammengezogen. Danach legt der jüdische Staat seine endgültigen Grenzen fest.

Das alles soll im Einvernehmen mit den Palästinensern geschehen, notfalls aber auch im Alleingang. Am 23. Mai trifft Olmert erstmals mit Präsident Bush im Weißen Haus zusammen. Dann will er sich Rückendeckung von Israels wichtigstem Verbündeten holen, bevor er mit der EU und den anderen Mitgliedern des Nahost-Quartetts (Uno, Russland, China) Gespräche führt. Die ersten Signale aus Washington zeigen Unterstützung für die Aufgabe von Siedlungen, aber keine Anerkennung einseitig gezogener Grenzen. Dass die Palästinenser freiwillig über die Verkleinerung ihres Territoriums verhandeln, erwarten noch nicht einmal israelische Diplomaten.

Seth Vogelmann wartet gelassen ab, was seine Regierung aus dieser Situation macht. Am östlichen Horizont ragen Kräne und die Betonskelette vielgeschossiger Wohntürme empor. Dort entstehen Apartments für mindestens 15000 weitere Einwohner auf einer Fläche, die doppelt so groß ist wie das heutige Stadtgebiet. Auch der Korridor zwischen Maale Adumim und Jerusalem („E1“) soll demnächst bebaut werden. Vor einem Jahr haben das noch die USA verhindert, weil die Autonomiegebiete so faktisch geteilt würden. Nun heißt es aus der israelischen Regierung, der Widerstand schwinde.

Wird sich je eine Regierung über diese Tatsachen am Boden hinwegsetzen können? Über diese Stadt mit ihrem Freibad, ihrem Fußballstadion und ihrer blitzblanken Einkaufsgalerie? Seth Vogelmann ist vorsichtig. Er weiß, dass auch der Gazastreifen plötzlich aufgegeben worden ist, und mit einem orange leuchtenden Armband protestiert er noch heute dagegen. Außerdem möchte er nicht als Besatzer erscheinen: „Wenn es wirklich einmal Frieden gäbe und mein Opfer dazu beitrüge, würde ich wegziehen.“

Ein Hoffnungsschimmer? Die Autonomiebehörde, das sind für den Siedler „die 20000 Gangster aus Tunis“, die einen „Krieg gegen Israel führen“, selbst wenn sie sich friedliebend gäben. Zwischen Fatach und Hamas macht er keinen Unterschied. „Für uns ist Frieden ein Endzweck, für die ist es nur ein Mittel zu unserer Zerstörung“, sagt Vogelmann und eilt davon. In einer Viertelstunde wartet der nächste Termin in Jerusalem.

THOMAS GUTSCHKER, MAALE ADUMIM
Quelle: Rheinischer Merkur

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