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Die israelische Außenministerin Tsipi Livni hat in ihrer Heimat mit einer Äußerung zu palästinensischen Selbsmordattentätern für Aufhorchen gesorgt. Selbstmordattentäter, die Soldaten angriffen, seien keine Terroristen, sondern mit aller Härte zu bekämpfende Feinde, sagte Livni dem US-Fernsehsender ABC am Montag. Das Interview mit Livni, die zugleich auch Justizministerin ist, wurde in Auszügen auch im israelischen Rundfunk ausgestrahlt. Anders verhalte es sich mit Selbstmordattentätern, die sich Zivilisten als Ziele suchten.

Mittel gegen Selbstmordterror: Mutter festnehmen

Viele Anschläge könnten verhindert werden, wenn die Mutter des Attentäters festgenommen wird. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Vizepräsidenten der Hochschule Netanja, Josef Ginat. Der israelische Professor hat sich jahrelang mit der islamischen Gesellschaft befasst. Er hat etwa 100 Palästinenser befragt, die verhaftet wurden, bevor sie ihr Attentat ausführen konnten. Im Islam hätten Mütter einen großen Einfluss auf ihre Söhne, sagte Ginat gegenüber dem Internetdienst "Walla". Wenn eine Mutter also Selbstmordanschläge ablehne, könne sie ihren Sohn daran hindern. Dasselbe gelte für Schwestern.

Nach Ginats Angaben sind die Beziehungen zur Mutter in der islamischen Gesellschaft gut, liebevoll und offen. Beim Verhältnis zum Vater überwiege hingegen die Ehrfurcht vor allem anderen. Selbst wenn ein junger Palästinenser eine "Gehirnwäsche" durch einen religiösen Vertreter durchmache und daraufhin ein Attentat plane, werde er seiner Mutter mehr gehorchen. Allerdings gibt es auch viele arabische Mütter, die Terroranschläge befürworten. In diesem Fall schlägt Gilat vor, die Mutter vorübergehend aus ihrem Haus zu entfernen: "Der Platz der moslemischen Frau in ihrem Haus ist so wichtig, dass es unfassbar ist, wenn die Mutter das Haus verlässt. Das ist in der islamischen Gesellschaft absolut nicht üblich." Deshalb könne schon die Furcht vor einer Festnahme seiner Mutter einen anschlagswilligen Palästinenser zurückhalten. "Während wir in der westlichen Gesellschaft Frauen genauso verhaften wie Männer, ist das bei den Moslems völlig unüblich."

Wenn ein Attentäter durch Festnahme an seinem Vorhaben gehindert wird, sollten die Sicherheitskräfte auch seine Mutter oder Schwester verhaften, meint Gilat. Dies solle allerdings auf humane Weise geschehen. Nur Soldatinnen oder Polizistinnen sollten daran beteiligt sein. Die palästinensischen Frauen sollten über die Pläne ihres Verwandten verhört und etwa eine Woche festgehalten werden.

"Dass sich die Mutter außerhalb des Hauses befindet, ist so abschreckend und stark, dass es egal ist, ob sie bei der Vernehmung etwas Bedeutsames sagt oder überhaupt nicht redet", fügte der Professor hinzu. Dabei sei auch ein Aufenthalt in einem Hotel möglich - der Ort spiele keine Rolle.

Laut seiner Studie könnten auf diese Weise rund 60 Prozent der geplanten Selbstmordattentate verhindert werden. Viele Palästinenser, die auf dem Weg zum Anschlag gefasst wurden, sagten, dass danach ihr erster Gedanke der Mutter und den Schwestern gegolten habe. "Im Gegensatz zur Zerstörung von Häusern, die eine Kollektivstrafe ist, ist es bei der Festnahme von Müttern anders."

Zahl der Selbstmordattentäter steigt

Die Motivation palästinensischer Terroristen, Selbstmordanschläge durchzuführen, nimmt weiter zu. Aus Sicherheitsinformationen geht hervor, dass in der Westbank seit Anfang des Jahres 90 mutmaßliche Selbstmordattentäter festgenommen wurden, die sich zum Teil bereits auf dem Weg zu ihrem Attentat befanden. Ein Terrorist der Fatah sprengte sich vor zwei Wochen in einem Wagen an der Einfahrt zur Siedlung Kedumim in die Luft und riss dabei vier israelische Zivilisten mit in den Tod.

Die Anzahl der Selbstmordattentäter, die in diesem Jahr verhaftet wurden, ist weitaus höher als die Zahl der Festnahmen im Vorjahr. 2005 wurden 160 Selbstmordattentäter verhaftet. Dies bedeutet einen Anstieg von 125%. Die Terroristen gehören allen palästinensischen Organisationen an, außer der Hamas, die dem Kairoer Abkommen bezüglich der Feuerpause in den Gebieten treu bleibt. Es handelt sich um Mitglieder der Fatah, des Islamischen Jihad, der Volksfront und verschiedener Splittergruppen, die sich von der Fatah getrennt haben.

Mofaz warnt vor härteren Verteidigungsaktionen

Seit Samstag reagiert die israelische Armee aufs Schärfste auf palästinensische Raketen-Angriffe aus dem nördlichen Gazastreifen. Gestern wurde ein 7-jähriges Mädchen durch eine Granate getötet, als die Armee ein Haus in Beit Lahia beschoss. 24 Stunden zuvor berichteten palästinensische Medien, dass ein Mitarbeiter der Sicherheitstruppen an einem Stützpunkt durch eine israelische Granate getötet wurde.

Verteidigungsminister Shaul Mofaz kündigte am Dienstag ein härteres Vorgehen gegen die Terrorgruppen an, sollten sie die Angriffe auf Israel fortsetzen. Derweil drückte Generalstabschef Dan Halutz sein Bedauern über den Tod eines palästinensischen Mädchens aus, das gestern durch Schüsse israelischer Soldaten getötet wurde. Er warf den Terroristen vor, die Zivilbevölkerung als Schutzschild für ihre Angriffe zu missbrauchen. Ein Tag vor dem Pessah-Abend (12.4.) liegen den Sicherheitsbehörden 77 Terror-Warnungen vor, 13 davon mit detaillierten Informationen.

Die Soldaten der Gaza-Division, mit denen sich Mofaz heute Morgen traf, beschwerten sich über die Reaktion der Armee auf die Qassam-Raketen. „Wir reagieren nicht auf den Abschuss von Qassam-Raketen, und das ist frustrierend“, so der Kommandant der Spitzenkompanie des Shaked-Regiments. Der Verteidigungsminister antwortete, dass Frustration kein Arbeitsplan sei, und man Nerven aus Stahl brauche.

Mofaz sagte, dass die Sicherheitsbehörden 90% der Selbstmordattentate erfolgreich vereiteln könnten. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) tue nichts, um den Terror einzudämmen, und Israel müsse alleine gegen die Terroristen vorgehen. Mofaz sagte, dass die israelische Armee ihre Verteidigungsaktionen intensivieren würde, solange es keine Ruhe gäbe.

Generalstabschef Halutz, der auch bei dem Gespräch anwesend war, erklärte, dass der Artilleriebeschuss auf den Gazastreifen überdacht, kontrolliert und mit großer Professionalität durchgeführt werde. Er drückte sein Bedauern über den Tod eines 7-jährigen palästinensischen Mädchens aus Beit Lahia aus, das gestern durch eine israelische Granate getötet wurde. Doch machte er die Terrororganisationen für den tragischen Vorfall verantwortlich: „Die Terroristen sind es, die aus bewohnten Gebieten heraus schießen, und wir werden sie verfolgen.“

Halutz wurde die Frage gestellt, was er zu den Medienberichten über palästinensische Einwohner sage, die begonnen haben, sich gegen Terroristen zu wehren, weil sie ihre Häuser missbrauchen, und von dort Qassam-Raketen auf Israel abfeuern. Dazu sagte er, er hoffe, „dass die palästinensischen Zivilisten diese Leute vertreiben, damit sie ihre Ruhe haben und nicht fliehen müssen“.

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