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Nach Gaza-Abzug härtere Reaktion auf Anschläge

Das israelische Kabinett hat am Sonntag einstimmig für die Beendigung der 38 Jahre dauernden Besatzung des Gazastreifens gestimmt. Die Abstimmung hatte weitgehend symbolischen Charakter, da alle jüdischen Siedler das Gebiet bereits verlassen haben. Die Räumung soll am Montag mit dem Rückzug der Streitkräfte abgeschlossen werden. Den Palästinensern drohte Israel harte Gegenmaßnahmen an, falls es nach dem Gaza-Abzug zu Angriffen von Extremisten kommen sollte.

Die israelische Antwort werde weitaus schärfer ausfallen als bisher, sagte der Chef für Militäroperationen, Generalmajor Jisrael Siv, am Samstag im Rundfunk. «Schon eine Stunde, nachdem wir das Gebiet verlassen haben, wird es einen strategischen Wandel in unserer Antwort auf jeden Terrorversuch geben», sagte der General.

Zuvor hatte bereits der stellvertretende Ministerpräsident Schimon Peres erklärt, die palästinensische Autonomiebehörde müsse gegen Angriffe von Extremisten vorgehen oder die Konsequenzen tragen. Mit der Aufgabe der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen hätten die Palästinenser eine Chance, die sie nicht vertun dürften. Er betonte aber auch, die Palästinenser würden nach dem Abzug der Israelis nicht am Verlassen des Gazastreifens gehindert. «Wir machen kein Gefängnis daraus», sagte Peres.

Das Kabinett in Jerusalem sollte am Sonntag außerdem darüber abstimmen, was mit den mehr als ein Dutzend jüdischen Synagogen im Gazastreifen geschehen soll. Medienberichten zufolge wollten die Minister entsprechend der Forderung führender Rabbiner gegen eine Zerstörung der Gebäude stimmen. Kabinettsminister Kaim Ramon sagte im Armeerundfunk, es hätte «schreckliche Folgen für die israelisch-palästinensischen Beziehungen», wenn Palästinenser die Synagogen zerstörten.

Im Lauf des Tages war eine Zeremonie zur Übergabe des Gazastreifens an die Palästinenser geplant. Aus palästinensischen Kreisen verlautete, die Autonomiebehörde wolle daran nicht teilnehmen. Ein Grund dafür sei, dass es noch keine Abkommen zur Zukunft des wichtigen Grenzübergangs Rafah gebe. Israel hat den Übergang zwischen dem Gazastreifen und Ägypten vor einigen Tagen geschlossen. Zu Gesprächen über das weitere Vorgehen wurde der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman in Gaza erwartet.

Ägypten begann unterdessen wie vorgesehen mit der Stationierung von Soldaten entlang der Grenze zum Gazastreifen. Jerusalem und Kairo hatten sich auf die Entsendung von 750 ägyptischen Soldaten verständigt, die nach dem israelischen Rückzug die Übergänge zwischen dem palästinensischen Autonomiegebiet und Ägypten sichern sollen. Die Stationierung soll nach Angaben eines ranghohen ägyptischen Beamten im Laufe der kommenden Woche abgeschlossen sein.

In Deir el Balah im Gazastreifen besetzten am Samstag mehr als 60 bewaffnete Männer zwei Regierungsgebäude und forderten Arbeit bei der Autonomiebehörde, wie Augenzeugen berichteten. Später wurde in der Ortschaft ein italienischer Journalist von maskierten Männern aus seinem Auto heraus entführt und vier Stunden festgehalten. Es handelt sich um einen Korrespondenten der Zeitung «Corriere della Sera».

Augenzeugen zufolge stoppten vermummte Bewaffnete das Auto von Lorenzo Cremonesi und zwangen ihn, in ihr Auto einzusteigen. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitsbeamter gehörten die Entführer zu den bewaffneten Demonstranten in Deir el Balah.

Letzte Änderung am Mittwoch, 1. Juni 2011 um 22:19:31 Uhr.

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