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Archäologen haben möglicherweise das Wasserbecken gefunden, in dem Johannes der Täufer seine Taufen durchgeführt hat. Der Brite Shimon Gibson legte eine Höhle in einem Kibbutz nahe Jerusalem frei und entdeckte Felseinritzungen, welche die Geschichte der neutestamentlichen Figur erzählen.

Reuven Kalifon, ein Bewohner des Kibbutz Zova, wusste schon immer von der Höhle auf dem Grundstück. Der Nektarinen-Hain des Kibbutz reichte bis knapp an den oberen Rand ihres Einganges. Doch sei sie bis oben mit Erde gefüllt gewesen. Vor fünf Jahren bat der Kibbutznik den britischen Archäologen Gibson darum, die Höhle einmal genauer zu untersuchen. Gibson, der seit drei Jahrzehnten in Israel forscht, übernahm die Leitung der Ausgrabung, deren überraschendes Ergebnis er am Montag verkündete.

Der Archäologe legte Felszeichnungen frei, die in die Höhlenwand eingeritzt waren. Sie zeigen einen Mann in Tierfelle gekleidet und mit einem Stab. Gibson hält es für wahrscheinlich, dass hier Johannes der Täufer dargestellt ist.

Die Kritzeleien stammen offenbar aus der byzantinischen Periode. Mönche aus dem vierten oder fünften Jahrhundert gedachten an diesem Ort eventuell dieser wichtigen Figur des Neuen Testamentes. Zudem wurden 250.000 Tonscherben entdeckt, offenbar Reste von kleinen Wasserkrügen, die für rituelle Waschungen benutzt wurden.

Die Höhle in den judäischen Bergen ist 24 Meter lang, etwa vier Meter breit und fünf Meter hoch. Sie wurde nach Meinung der Archäologen in der Eisenzeit (zwischen 800 und 500 vor der Zeitrechnung) von jüdischen Einsiedlern ausgehoben und als Tauchbecken benutzt.

Es führen 28 Stufen zu einem Wasserbecken hinab. Die Menschen, die Johannes taufen wollte, hätten ihre Kleider nach Meinung Gibsons in eine eigene Ausbuchtung in der Wand legen können. Wenn sie auf dem Grund der Treppe ankamen, stellten sie ihren rechten Fuß in eine Vertiefung in der Form eines Fußes. Rechts daneben befindet sich eine kleinere Vertiefung, in der Öl gewesen sein könnte, das zur Reinigung über den Fuß gegossen wurde.

Die Zeichnung, die Wanne zur Fußwaschung und die Nähe zum Geburtsort des Johannes, Ein Kerem, das heute zu Jerusalem gehört, alles deute darauf hin, dass Johannes diese Höhle für seine Taufen genutzt hat, so Gibson. Es wäre eine der bedeutendsten Entdeckungen in der Geschichte der Bibelforschung.

"Johannes der Täufer, der bisher lediglich eine Figur der Evangelisten war, erwacht plötzlich zum Leben", so der Archäologe.

Kritiker meinen, es gebe jedoch keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Johannes auch nur einen Fuß in die Höhle gesetzt hat. "Unglücklicherweise haben wir keinerlei Inschriften gefunden", sagte James Tabor, ein Professor für Religiöse Studien an der Universität von North Carolina, der mit seinen Studenten ebenfalls an der Ausgrabung teilnahm.

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