Das Radio gegen die tägliche Gehirnwäsche
Seit fünf Jahren sendet ''Radio all for peace'' für Israelis und Palästinenser. Dabei steht nicht der Dialog im Vordergrund, sondern Informationen. Nur so könne man die Öffentlichkeit von Manipulation schützen, ist man beim Sender überzeugt.
Das soll ein Friedensradio sein?, fragt sich der Hörer wahrscheinlich zunächst. ''Radio all for Peace'' hat zwei Frequenzen. Eine für Palästinenser und eine für Israelis. Acht Palästinenser produzieren ein arabisches Programm, acht Israelis ein hebräisches. Tatsächlich ist ''Radio all für peace'' kein Dialog-Radio. ''Das funktioniert nicht'', sagt Maysa Baransi-Siniora, die Chefin des Senders. Sie will keine Dialoge senden, sondern über die jeweils andere Seite informieren.
Die Israelis erfahren in ihren Medien sonst fast nichts über das Leben der Palästinenser. Deshalb blickt Ran Edelist, früher Korrespondent für israelische Medien im Gazastreifen, mittags um zwei über die Betonmauer ins palästinensische Westjordanland. ''Wir glauben wirklich, dass der israelische Mainstream und der Machtapparat die Gehirne der israelischen Bürger unaufhörlich wäscht. Wir sind überzeugt, dass die Öffentlichkeit verwirrt wird, durch die Art und Weise, in der die Gehirne ununterbrochen gewaschen werden. Und wer verwirrt ist, den kann man leicht durch demagogische Manipulation steuern'', sagt Edelist.
''Ich möchte erzählen, was in Hebron passiert.''
Heute interviewt er in seiner Sendung drei Frauen von ''Machsom Watch'' - Israelinnen, die täglich im Westjordanland unterwegs sind und dokumentieren, was an den israelischen Kontrollpunkten passiert. Chagit Beck meldet sich aus der Gegend um Hebron: ''Schalom, ich habe Deine Anmoderation gehört und ich möchte erzählen, was in Hebron und Umgebung passiert. Ich freue mich, sagen zu können, dass heute auf den Straßen 356 und 317 - das sind Strassen in der Nähe der Siedlungen Bnei Cheder, Maon und Karmiel - die gelben Tore, die Yatta und Beli Naim von der Umgebung abgeschnitten haben, abgebaut wurden.''
In diesen Tagen können Beck und Edelist von kleinen Fortschritten berichten, wie zum Beispiel dem Abbau von Strassensperren. Aber die massiven Kontrolltürme blieben stehen, berichtet Beck aus der Westbank. Und das Gefühl der Erniedrigung durch die Besatzung bleibe.
Ein Sender zwischen zwei Welten
Die tägliche Sendung von Edelist gehört für Programmchefin Baransi-Siniora zu den wichtigsten. ''Wir glauben, dass die Israelis keinen Kontakt zur palästinensischen Seite haben. Sie haben keine Quellen, aus denen sie erfahren, was in den palästinensischen Gebieten geschieht. Deshalb übersetzen wir auch die palästinensischen Zeitungen ins Hebräische'', sagt sie. Genauso sei es arabischen Programm. Dort werden die hebräischen Zeitungsschlagzeilen ins Arabische übersetzt. Sie ist überzeugt: ''Wir sind der einzige Ort, wo Sie am frühen Morgen die Schlagzeilen finden, in beide Sprachen übersetzt.''
Redaktion und Studios befinden sich zwischen zwei Welten: an der Grenze zwischen dem arabischen Ost-Jerusalem und dem jüdischen Westen der Stadt. Die UKW-Sendemasten aber stehen in den palästinensischen Städten Ramallah und Dschenin. Von hier aus sendet ''Radio all for peace'' seit fünf Jahren. Auch nach Israel.
Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
5. Juli 2009
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