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Haben Sie jemandem Ihr Handy ausgeliehen?»

Israel hat die Sicherheit auf seinen Flughäfen perfektioniert: Niemand muss durch den Nacktscanner, die Schuhe ausziehen oder seine Wasserflasche abgeben. Es wird mehr auf Psychologie gesetzt.

«Der menschliche Faktor»: Auf israelischen Flughäfen werden Passagiere mit Fragen gelöchert. Bild: Keystone

Bestimmt aber ruhig stellen sie sich mit «David», «Lior» oder «Dana» vor – die Sicherheitsbeamten auf israelischen Flughäfen. Dank ihnen gilt gerade der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv als einer der Sichersten überhaupt. Noch nie wurde ein Flugzeug, das vom wichtigsten Flughafen des Landes abhob, entführt – trotz des schwelenden Nahostkonflikts und Terroranschlägen im Land. Wer im Ben-Gurion-Flughafen das erste Mal ein Flugzeug besteigen will, wird jedoch überrascht sein: Angesichts der umständlichen Kontrollen an europäischen oder US-Flughäfen scheinen die Sicherheitsvorkehrungen aus einer anderen Zeit zu stammen – keine Nacktscanner, niemand muss die Schuhe ausziehen, Wasserflaschen werden nicht konfisziert. Dafür muss man viel reden.

«Hello, I’m David», sagt ein junger, athletischer Mann in Uniform. «Was haben Sie in Israel gemacht?», «Wen haben Sie besucht?», «Waren Sie in den besetzten Gebieten?», «Haben Sie jemandem Ihr Handy ausgeliehen?», «Wollte jemand mit Ihnen Kontakt aufnehmen?», «Darf ich mal Ihren Fotoapparat sehen?», «Wer ist diese Person auf dem Foto?». So geht es minutenlang. Kein Flugpassagier kommt am persönlichen Gespräch mit den Sicherheitsbeamten vorbei. Der Gang durch den Metalldetektor sowie die Gepäckaufgabe folgen erst, wenn die Fragen zu Davids oder Danas Zufriedenheit beantwortet sind. Kein Vergleich zu Europa oder den USA, wo Sicherheitschecks apathisch und mechanisch durchgeführt werden – und erst das Piepen des Metalldetektors die Sicherheitsbeamten aufschreckt.

Der menschliche Faktor

Genau darauf beruht der Erfolg der israelischen Terrorabwehr: Nicht Dinge wie scharfe Messer oder Sprengstoff in PET-Flaschen entführen Flugzeuge, lautet die Devise, sondern Menschen. Es gilt, «den menschlichen Faktor» zu kontrollieren, wie Rafi Ron, der ehemalige Sicherheitschef von Ben Gurion, sagt. Während der Befragung blickt einem David konstant in die Augen. Er weiss genau, was er sucht, auf was er achten muss. Auch als Nicht-Terrorist wird es manch einem mulmig zumute, so beharrlich hacken die Beamten auf Details rum. Sogar Kinder werden einzeln befragt – die Eltern werden gebeten, sich nicht einzumischen. Wie David auftauchte, verschwindet er wieder. «Have a good flight.»

Die Kontrolle der Passagiere beginnt allerdings schon vor dem Gespräch, bevor sie den Flughafen überhaupt betreten. Das Sicherheitspersonal überwacht mit Kameras das Kommen und Gehen, analysiert das Verhalten einzelner Personen. Ist da einer nervös, komisch gekleidet, verhält er sich auffällig? Dabei verfallen die Israeli nicht den Klischees: Gibt eine arabische Grossfamilie beim Check keine verdächtigen Antworten, passiert sie die Kontrolle problemlos wie alle anderen.

Sicherheitscheck in 30 Sekunden?

Das System wird laufend verbessert. «Wir sehen einen Paradigmawechsel in der Sicherheitsdebatte auf uns zu kommen», sagt etwa Omer Laviv, Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, gegenüber dem US-Sender CNN. Ziel ist es, die Checks an Flughäfen zu beschleunigen. Dies soll mithilfe von modernster Technik geschehen, mittels Verhaltens-Screening: Erscheint auf An- und Abflugs-Monitoren etwa unbemerkt das Wort «Jihad», könnten potenzielle Attentäter mittels biometrischer Sensoren aufgespürt werden, glauben Experten. Künftig soll ein Check so nur noch 20 bis 30 Sekunden dauern.

Ob das israelische Sicherheitssystem auch anderswo angewendet werden kann, daran wird aber gezweifelt: Ben Gurion ist mit seinen rund 11 Millionen Passagieren jährlich (2008) ein kleiner Flughafen, bereits in Zürich sind es fast doppelt so viel. Und in Amsterdam, wo der Nigerianer Umar Abdulmutallab das Flugzeug nach Detroit bestieg, sind es 50 Millionen Passagiere. Mit allen zu sprechen, wäre wohl zu aufwändig.

Quelle: » Tamedia
1. Januar 2010, jns

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