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Shari Arison ist die reichste Frau Israels. Sie gebietet über ein riesiges Imperium. Und verfügt über eine ziemlich weitsichtige Eigenschaft.

«Wenn das Spirituelle und Materielle sich zusammenfügen»: Milliardärin Shari Arison. Bild: Keystone

Sie kann, so schreibt sie jedenfalls in ihren Memoiren, in die Zukunft sehen. Eines jedoch vermochte sie offenbar nicht vorherzusehen: die Verwirrung, die Erheiterung und, ja, die leichte Beunruhigung, die ihr Buch auslöste. Arison hat es in Israel mit einer Öffentlichkeit zu tun, die mächtigen Eliten im Allgemeinen und Banken im Besonderen mit äusserstem Misstrauen zu begegnen pflegt. «Jeder hat das Recht, Stimmen zu hören», spottete der beliebte Fernsehkommentator Motti Kirshenbaum. «Das Problem ist nur: Ich möchte nicht, dass die Bank, auf der ich mein Geld habe, jemandem gehört, der Stimmen hört.»

Nun behauptet Arison nicht, Stimmen zu hören. Vieles in ihrem Buch «Geburt: Wenn das Spirituelle und Materielle sich zusammenfügen» kommt jedem, der an Intuition und Esoterik glaubt, mitnichten ungewöhnlich vor. Auch hat die 51-Jährige nichts mit dem Tagesgeschäft ihrer Bank Hapoalim zu tun. Doch dass sie Visionen - vom Tsunami 2004 im Indischen Ozean beispielsweise, oder von den irakischen Raketen auf Israel 1991 - gehabt haben will, macht so manche Kunden einer Umfrage zufolge dann doch ein bisschen nervös.

«Verstand und Herz»

«Ich sah Dinge, bevor sie geschahen, und das machte mir grosse Angst», schreibt sie. «Die Vorahnungen waren immer von krassen und schmerzlichen physischen Empfindungen begleitet.» Zweifel wischt sie in einem AP-Interview beiseite: «Von klein auf sehe ich immer und immer wieder Dinge, die geschehen werden. Man könnte es gesteigerte Intuition nennen, man könnte es Visionen nennen... Ich betrachte es als Gabe. Meine Rolle ist es, den Menschen ein höheres Bewusstsein zu geben, zu zeigen, dass wir im Grunde die Welt verändern können.»

Arison ist eine zarte, freundliche und herzliche Frau. Ihr Geschäftsimperium führt sie von einem bescheidenen Büro in Tel Aviv aus, das mit einem Aquarium, Familienfotos und moderner Kunst dekoriert ist. Sie sagt, sie hoffe mit ihrem Buch Menschen und Unternehmen zu humanerem und verantwortungsbewussterem Handeln zu motivieren.

Ihre Bank gibt Seminare über Finanzplanung für Familien, die Website bietet einen Rechner für die Haushaltskasse. Ihre Arison-Stiftung in Miami spendet Millionen für Krankenhäuser und wohltätige Zwecke in Israel und sponsert alljährlich einen «Tag der guten Taten». Letztes Jahr gründete sie ein Unternehmen mit dem Ziel, die weltweite Wasserversorgung durch das Abdichten von Leitungslecks zu verbessern. «Verstand alleine reicht nicht», findet sie. «Man braucht Verstand und Herz.»

Warnung vor Finanzkrise leider zu spät

Die Tsunami-Vorahnung ereilte sie nach eigenen Angaben, als sie mit ihrem damaligen Mann und Freunden auf ihrer Jacht vor der türkischen Küste sass. «Ich wusste mehr oder weniger wo - nicht genau, aber ich wusste, es war Fernost, und ich wusste, es war eine grosse Welle. Ich wusste, tausende Menschen würden sterben», erklärte sie.

Sie habe auch Warnungen vor der globalen Finanzkrise verspürt, sagt sie - wiewohl zu spät, um ihre Bank davor zu bewahren, hunderte Millionen sowie den lange gehaltenen Spitzenplatz einzubüssen. «Ich bin nicht in der Position, solche Schritte in der Bank zu unternehmen», sagt sie. Arison ist Mehrheitseignerin der Bank Hapoalim und hält grosse Anteile an dem von ihrem Vater gegründeten Kreuzfahrtunternehmen Carnival und am grössten Bauunternehmen Israels. Nach Schätzung des «Forbes»-Magazins ist sie 2,7 Milliarden Dollar schwer und steht auf Platz 234 der reichsten Menschen.

Ihre «Visionen» lösen nicht nur Erheiterung aus. Einer in der Tageszeitung «Haaretz» veröffentlichten Umfrage zufolge wollten 19 Prozent deshalb lieber kein Konto bei Hapoalim haben. Der Bankkunde und Unternehmer Aron Katsman sieht das gelassener. Er findet zwar, dass Arison «ein bisschen spinnt», aber er fürchtet nicht um die Zukunft der Bank. «Sie sitzt da 'rum mit Milliarden von Dollar, deshalb horchen die Leute auf, wenn sie so etwas sagt», vermutet er. «Die Menschen fürchten sich vor Neuem», kontert Arison. «Aber wenn sich nur ein wenig verändert, hat es sich schon gelohnt.»

Quelle: jns und Agenturen
28.Juli 2009

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