Westliche Geheimdienste haben den Iran vor einem weiteren Drehen an der Atomspirale gewarnt. Besonders aus Kreisen des israelischen Geheimdienstes Mossad war am Wochenende in Jerusalem zu erfahren, dass die Lage angesichts der unentwegten iranischen Bemühungen für den Bau einer Atombombe jetzt sehr ernst geworden ist. Ein Angehöriger des Mossad, der namentlich nicht genannt werden wollte, liess durchblicken, dass die Iraner schon in absehbarer Zeit einen ersten unterirdischen Atombombentest durchführen werden. Israel stehe "Gewehr bei Fuss". Die israelischen Militärpläne für eine mögliche Angriffsstunde "X" seien abgeschlossen.
Iran betreibt nach seinen ständigen Beteuerungen ein Atomprogramm, das ausschliesslich der zivilen Nutzung diene. Der Westen befürchtet aber, dass Teheran unter diesem Deckmantel schon lange insgeheim an dem Bau von Atomwaffen arbeitet. Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates hatte erst am vergangenen Donnerstag Irans Streben nach nuklearer Aufrüstung als eine der grössten Herausforderungen für die internationale Sicherheit bezeichnet. Die Europäische Union (EU) hat dem Iran eine Frist von maximal einigen Monaten eingeräumt, um endlich eine diplomatische Lösung im Streit über sein Atomprogramm zu finden.
Der Mossad-Angehörige wies auf zwei entscheidende Exempel hin, die Israel in der Vergangenheit mit dem Zugriff auf ihm gefährliche Atomanlagen eines feindlich gesinnten Staates statuiert habe. Im Juni 1981 flogen in aller Heimlichkeit acht F-16-Kampfbomber die 900 Kilometer von Israel in den Irak und zerstörten den Osirak-Reaktor des Diktators Saddam Hussein. Das zweite Mal schlug Israel mit einer geheimen Kommandoaktion am 6. September 2007 in Syrien zu. Israelische Kampfflugzeuge zerstörten im Osten des Landes eine Nuklearanlage, die Syrien nach Angaben aus Mossad-Kreisen zusammen mit Nordkorea dort errichtete. Damaskus stritt trotz öffentliche Bewiese den Bau der Anlage stets ab.
Einem hohen Vertreter der deutschen Bundesregierung wurde nach ddp-Informationen seinerzeit bei einem Besuch in Israel vom Mossad erklärt, die Israelis würden im Zusammenhang mit einem möglichen Angriff auf die iranischen Atomanlagen ausschliesslich nach dem Motto verfahren: "Wir tun es eben". Die Europäer würden weder um eine Zustimmung noch um eine Unterstützung gebeten. Die Araber würden nach Darstellung des Mossad-Experten bestimmt still halten, weil sie einen atombewaffneten Iran fürchteten. Teheran wolle mit einer Bombe in der Hand die Vorrangstellung in der arabisch-islamischen Welt erringen.
Wie sich Washington im "Fall X" verhalten würde, liess der Mossad-Vertreter offen. US-Präsident Barack Obama hatte erst vor kurzem seinen Vize Joe Biden zurückgepfiffen, weil dieser angedeutet hatte, die US-Regierung würde für einen israelischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen grünes Licht geben. Obama hat dagegen unterstrichen, die USA hätten Israel absolut kein grünes Licht für einen derartigen Angriff gegeben. Der Präsident machte klar, er setze in der Atomfrage mit dem Iran auf diplomatische Kanäle. Allerdings wurde von militärischen Kreisen in Jerusalem darauf hingewiesen, dass Israel im Ernstfall möglicherweise auf logistische Unterstützung der Amerikaner angewiesen sein könnte.
Nach einem Bericht der "Sunday Times" gelang es der israelischen Regierung, die stillschweigende Zustimmung Saudi-Arabiens für eine Militäraktion gegen den Iran zu erhalten. Danach soll der Chef des Mossad, Meir Dagan, aus Riad das Zugeständnis bekommen haben, bei einer solchen Operation saudischen Luftraum durchfliegen zu dürfen. Das wird von den Militärs wegen der Verkürzung des Angriffsweges zum Iran als ein wesentliches Element für eine eventuelle Operation der Israelis angesehen.
Für einen möglichen Gegenschlag der Iraner auf Israel haben die Amerikaner in aller Stille Jerusalem bereits Hilfe gewährt. Sie haben insgeheim in der Negevwüste das neueste US-Abwehrsystem eingerichtet. Es ist das erste Mal, dass für die Radareinrichtungen zur Entdeckung anfliegender Feindflugzeuge auf israelischem Territorium amerikanische Soldaten stationiert wurden.
Die neuen US-Abwehrraketen namens "Theater High-Altitude Area Defense (Thaad)" sind nach Angaben von Offizieren äusserst zielsicher. Die Feuereinheiten dieser Raketen zur Luftabwehr können auch schnell nach Bedarf in die verschiedensten Regionen verlegt werden. Das sei optimal, wurde von Offizieren betont.
Quelle: jns und Agenturen
19.Juli 2009
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