Hunderte Menschen haben am Freitag in Jerusalem für die Freilassung des entführten Soldaten Gilad Schalit demonstriert. Die Kundgebung fand vor der Residenz des israelischen Premierministers statt. Dort befindet sich seit sechs Tagen ein Protestzelt, das die Familie Schalit errichtet hat.
Der damals 19-jährige Gilad Schalit war am 25. Juni 2006 bei einem Überfall auf einen Militärstützpunkt von bewaffneten Palästinensern in den Gazastreifen entführt worden.
Die Demonstranten erinnerten den scheidenden Regierungschef Ehud Olmert an sein Versprechen, die Geisel freizubekommen. "Olmert, Sie haben ein Versprechen gemacht, Olmert, halten Sie es!", riefen sie. Die Teilnehmerin Shirley Talmi nahm auf ihrem Transparent Bezug auf frühere Abkommen über einen Gefangenenaustausch: "In der Vergangenheit haben wir Leichen und einen Verbrecher zurückgeholt, werden wir nicht auch einen lebendigen Soldaten zurückbringen?"
Gegenüber der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Jediot Aharonot" sagte die Demonstrantin: "Bei allem Respekt, und ich meine das nicht als Beleidigung, aber sie habe auch einen Verbrecher zurückgeholt, und jeder weiß, von wem ich spreche. Sie haben auch Häftlinge gegen die Leichen von Soldaten ausgetauscht. Offenbar haben sie vergessen, dass es auch einen lebenden Soldaten gibt. Wir müssen diese Angelegenheit um jeden Preis beenden, bevor es zu spät ist." Talmi bezog sich auf den zwielichtigen Geschäftsmann Elhanan Tennenbaum, der vor fünf Jahren mit drei getöteten Soldaten gegen rund 400 Häftlinge aus israelischen Gefängnissen ausgetauscht worden war.
"1.000 Tage Gefangenschaft sind genug"
Ein Kamerad des Entführten aus der Armee, Guy Eliasaf, wertete die hohe Beteiligung an der Kundgebung als Ausdruck des wahren Volkswillens: "Dies ist ein Zeichen dafür, dass 1.000 Tage in Gefangenschaft genug sind." Wenn Schalit nicht bald zurückgebracht werde, werde sich der Kampf verschärfen - selbst wenn Olmert vorher seinen Posten abgeben müsse. "Wir wissen nicht, ob solche Proteste helfen oder schaden, aber eines ist sicher: dass der Premierminister nicht hilft."
Der Vater des Verschleppten, Noam Schalit, zeigte sich überrascht aufgrund der großen Unterstützung: "Wir haben nur den Ort organisiert, nicht die Leute. Sie kamen spontan aus dem ganzen Land, und das ermutigt uns." Er fügte hinzu: "Dies ist keine Reality-Show, sondern echtes Überleben. Wenn ich daran denke, was Gilad jeden Tag in der Gefangenschaft durchmacht, bekomme ich die Energie, jeden Tag hierherzukommen.
Allgegenwärtig - die Erinnerung an den 2006 von der Hamas entführten israelischen Soldaten Schalit wird im Land wach gehalten. (reuters)
Diskussion über Freilassung Shalits
Der Chef des israelischen Sicherheitsdienstes Schin-Beth, Yuval Diskin, und der Spezialberater von Ministerpräsident Ehud Olmert in Gefangenenaustauschangelegenheiten, Ofer Dekel, reisen heute nach Kairo, um mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman den Gefangenenaustausch zur Befreiung des vor 2 ½ Jahren von Palästinensern gekidnappten Soldaten Gilad Shalit zu besprechen. Morgen wird Israels Kabinett darüber abstimmen. Von den 26 Ministern müssen 14 für den Gefangenenaustausch stimmen. Dann sollen für den Austausch des einen Israeli Gilad Shalit 1.400 Palästinenser, darunter 450 Mörder, aus israelischen Gefängnissen freigelassen werden, was die Araber als Schwäche Israels werten.
Olmert entsendet Emissäre nach Kairo
Der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat eine letzte Initiative für die Freilassung des von der Hamas entführten Soldaten Gilad Schalit gestartet. Der Chef des israelischen Sicherheitsdienstes Schin-Beth, Yuval Diskin, und der Spezialberater von Ministerpräsident Ehud Olmert in Gefangenenaustauschangelegenheiten, Ofer Dekel, reisen heute nach Kairo, um mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman den Gefangenenaustausch zur Befreiung des vor 2 ½ Jahren von Palästinensern gekidnappten Soldaten Gilad Shalit zu besprechen.
Diese würden noch vor einem Sondertreffen des Kabinetts am Montag zurückkehren und Bericht erstatten, hiess es in einer Erklärung Olmerts. Von den 26 Ministern müssen 14 für den Gefangenenaustausch stimmen. Dann sollen für den Austausch des einen Israeli Gilad Shalit 1.400 Palästinenser, darunter 450 Mörder, aus israelischen Gefängnissen freigelassen werden, was die Araber als Schwäche Israels werten.
Der designierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei über die Initiative informiert worden. Israel hat die Freilassung hunderter Palästinenser im Tausch für Schalit angeboten. Ägypten bemüht sich bereits seit längerem um eine Übereinkunft zwischen Israel und der Hamas in dem Fall.
Hamas will Netanjahu zuvorkommen
Israel hat die Freilassung Schalits zur Bedingung für ein Friedensabkommen mit der Hamas und eine vollständige Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen gemacht. In Israel geht man davon aus, dass auch die radikal-islamische Hamas noch eine Vereinbarung treffen will, bevor die neue israelische Regierung an die Macht kommt.
Netanjahu könnte bereits in der kommenden Woche eine neue Regierung bilden. Diese dürfte eine härtere Haltung gegenüber den Palästinensern einnehmen.
Quelle: jns und Agenturen
15.März 2009
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