Allgemein
1. Das Jahr 2008 war der Höhepunkt in der Verwendung von Raketen als Waffe durch die Hamas und anderen im Gazastreifen agierenden Terrororganisationen. Die Terrororganisationen konnten den Umfang des Raketenfeuers in bedeutendem Masse vergrößern und stufenweise fast eine Million Einwohner im Negev 40km vom Gazastreifen entfernt in die Reichweite desselben
bringen. Ferner schafften sie es, Israel vor eine Sicherheitsherausforderung zu stellen, die den Staat zur Operation „Gegossenes Blei“ zwang.
2. Das Raketen- und Mörsergranatenfeuer begann im Jahr 2001 und wurde ganz allmählich zur zentralen von den palästinensischen Terrororganisationen ausgehende Gefahr. Diese sehen darin eine asymmetrische, einfache, preiswerte und zuverlässige Antwort auf die militärische Überlegenheit Israels. Auch wenn dieses Instrument seine Probleme und Nachteile in sich birgt: Es ermöglicht ihnen, das Leben der israelischen Zivilbevölkerung in Reichweite der Raketen durcheinander zu bringen, ihr Sozialleben zu isolieren, die von Israel um den Gazastreifen aufgebaute Sicherheitszone zu umgehen und schließlich eine „Ausgewogenheit der Abschreckung“ zu schaffen. Dadurch ist es für die israelischen Sicherheitsbehörden schwierig, Gegenmassnahmen zu ergreifen und sie reflektiert die Terrorpolitik der den Gazastreifen kontrollierenden Hamas.
3. Nachfolgend drei zentrale Eigenschaften der Verwendung der „Rakete als Waffe“ durch die Hamas und andere Terrororganisationen im Jahr 2008 (Details siehe Kapitel mit Statistiken):
Dramatischer Anstieg des Raketen- und Mörsergranatenbeschusses trotz der sechsmonatigen Waffenpause: Im Jahr 2008 schlugen auf israelisches Staatsterritorium insgesamt 3.278 Raketen und Mörsergranaten ein (1.750 Raketen und 1.528 Mörsergranaten). Im Vergleich zu 2007 und den vorherigen Jahren des israelisch-palästinensischen Konflikts handelt es sich um einen bedeutenden Anstieg (die Einschläge in 2008 haben sich mehr als verdoppelt).
a. Bedeutender Anstieg von israelischen Einwohnern, die dem Raketenbeschuss innerhalb einer Reichweite von 40km vom Gazastreifen ausgesetzt sind: Bis 2008 waren Sderot mit ca. 20.000 Einwohnern und die Wohngebiete um den Gazastreifen bevorzugtes Ziel des Raketenbeschusses. 2008 kamen weitere Städte und Hunderttausende von Einwohnern in die Reichweite des Raketenbeschusses hinzu: zuerst Ashkelon und Netivot und während der Operation „Gegossenes Blei“ Ashdod, Beer-Sheva und andere Städte im Umkreis von 40km vom Gazastreifen. Dieser Raketenbeschuss hat eine neue Realität geschaffen, in der fast eine Millionen Einwohner Israels mit unterschiedlicher Intensität dem Raketen- und Mörserfeuer ausgesetzt sind.
b. Bedeutende Verbesserung der Effektivität der Raketen und Mörsergranaten der Hamas und Anstieg der Anzahl: 2008 brachte die Hamas 122 mm Grad-Raketen und 120 mm Mörsergranaten zum Einsatz (mit einer Reichweite von 20.4 km und 40 km), welche in den Gazastreifen geschmuggelt worden sind (nach Einschätzung des ITIC stammen sie aus dem Iran). Diese Standardraketen, die sich von den selbst produzierten Raketen unterscheiden, haben nicht nur erheblich die Raketenreichweite vergrößert, sondern auch deren Effizienz gesteigert. Das ist auf die Vergrößerung der Gefechtsköpfe und ihre Zersplitterung zurückzuführen. Bezüglich der Mörsergranaten – 120 mm Standardmörsergranaten sind präziser und ihre Reichweite ist größer als die der anderen Raketen der Hamas und anderen Terrororganisationen.
c. Auch die Anzahl der Raketen der Hamas und der anderen Terrororganisationen ist gewachsen und erreicht nach Einschätzung des ITIC einige Hunderte 90 bis 115 mm Raketen aus Eigenproduktion und eine unbekannte Anzahl an selbst produzierten
Langstreckenraketen mit größerer Reichweiter (bis 19 km). Ebenso ist anzunehmen, dass die Hamas in Besitz von Dutzenden Standard-Langstrecken 122 mm Gradraketen mit einer Reichweite von 20.4 km und bis zu 40 km ist. Diese wurden in den Gazastreifen durch das Tunnelsystem in der Region Rafiah geschmuggelt, teilweise während der Waffenpause.
4. 2008 wurden durch den Raketen- und Mörsergranatenbeschuss acht Personen getötet, vier davon während der Operation “Gegossenes Blei” 1. Während der Operation „Gegossenes Blei“ wurden 58 Personen durch Mörsergranaten verletzt, zehn von ihnen schwer (Stand: 31.12.2008). Ebenso wurden 2008 Dutzende Zivilisten durch Raketen verletzt und mehrere Hunderte erlitten einen Schockzustand. Die Anzahl der Todesopfer, Verwundeten und Personen mit Schock in 2008 ist der Zahl der Raketenopfer aus den vorherigen Jahren des Konflikts (2001-2007) hinzuzuzählen: 10 Zivilisten wurden getötet, 433 verwundet und Tausende Zivilisten leiden an Schock und Traumata aufgrund des Raketenbeschusses. Der andauernde Raketenbeschuss hat schwere, sich anhäufende psychologische Auswirkungen auf die Bevölkerung, trifft ihr Sozialleben und erschüttert ihr Sicherheitsgefühl. Der Raketenbeschuss unterbricht ebenso die Bemühungen, das Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern (Annapolis Abkommen) voranzubringen, indem eine andauernde Realität geschaffen wird, in der Raketen abgefeuert und israelische Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Diese hat ihren Höhepunkt mit der Operation „Gegossenes Blei“ erreicht.
Angaben zur Statistik
5. Nachfolgend eine Zusammenfassung mit unterschiedlichen statistischen Angaben zum Raketen- und Möserbeschuss in 2008 im Vergleich zu den vorherigen Jahren:
a. Tabelle jährlicher Raketenbeschuss 2000 – 2008
b. Tabelle jährlicher Mörsergranatenbeschuss 2000 – 2008
c. Tabelle monatlicher Raketenbeschuss 2008
d. Tabelle monatlicher Mörsergranatenbeschuss 2008
e. Raketen- und Mörsergranatenbeschuss während der Waffenpause (19.06.-19.12.2008)
f. Raketen- und Mörserbeschuss während der Operation „Gegossenes Blei“ (Stand: 31.12.2008)
g. Neue Grad Raketen und Mörsergranaten, die 2008 zum Einsatz kamen
1. 122 mm Grad-Rakete mit 20.4 km Reichweite
2. 122 mm Grad-Raketen mit einer Reichweite bis 40 km
3. 120 mm Mörsergranaten
h. Anzahl der Einwohner in den zentralen Städten des Negevs
Ergänzende Studien
6. Als Ergänzung zu den Daten und Analysen in diesem Dokument wird auf vier weitere
Grundlagenpapiere verwiesen, welche vom Intelligence & Terrorism Information Center ITIC im
Jahr 2008 verfasst worden sind (teilweise in deutscher Übersetzungen):
a. Rocket threat from the Gaza Strip, 2000-2007, Dezember 2007 [engl.]
b. Der militärische Aufbau der Hamas im Gazastreifen
(Aktualisiert: April 2008)
c. Terror gegen Israel 2007 und seine Tendenzen für 2008 (Mai 2008)
d. The Six Months of the Lull Arrangement (Dezember 2008) [engl.]
Raketenbeschuss pro Jahr zwischen 2000-2008
Mörserbeschuss zwischen 2000 - 2008
Raketenbeschuss pro Monat 2008
Mörserbeschuss pro Monat 2008
Waffenruhe
Raketen- und Mörsergrantenbeschuss während der Waffenruhe im Vergleich zu den vorhergehenden Monaten
Raketenbeschuss pro Tag im Dezember 2008
Raketen- und Mörserbeschuss bis zum Anfang der Waffenruhe (bis 4.November 2008)
Anmerkung: Die Tabelle beinhaltet Raketenbeschüsse ab dem 19. Juni, der Beginn der Waffenruhe. Die Tabelle beinhaltet ebenso 3 Raketen und 5 Mörsergranaten, die im Gazastreifen niedergegangen sind.
Abnützung der Waffenruhe:
Täglicher Raketen- und Mörserbeschuss im November 2008
Abnützung der Waffenruhe:
Täglicher Raketenbeschuss im Dezember 2008
Abnützung der Waffenruhe:
Töglicher Mörserbeschuss im Dezember 2008
Raketen- und Möserbeschuss während der Operation "Gegossenes Blei"
Neue Grad Raketen und Mörsergranaten, die 2008 zum
Einsatz kamen
Standard 122mm Grad-Raketen
122 Grad-Raketen mit Reichweite 40km
Überreste einer solchen Rakete, die von der Israel Police identifiziert wurde und nahe bei Gan Yavne niederging (28. Dezember)
| Stadt | Einwohnerzahl |
| Ashdod | 208,900 |
| Beer-Sheva | 186,800 |
| Ashkelon | 110,000 |
| Kiriyat Gat | 47,900 |
| Rahat | 43,300 |
| Netivot | 26,100 |
| Ofakim | 24,700 |
| Kiriyat Mal'akhi | 19,700 |
| Sderot | 19,400 |
jns, 16.Januar 2008
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